LUZERN

An der Fasnacht landen doppelt so viele Gegenstände im Fundbüro

Täglich werden während der Fasnacht im Schnitt 26 Gegenstände im Fundbüro der Luzerner Polizei abgegeben. So manches verlorene Stück findet seinen Besitzer aber auch sonst wieder – etwa via Facebook.
13.02.2018 | 16:27

Am Rüüdig Samstag ziehen Helen Berger und ihre Tochter durch die Stadt. Sie hören sich die Guuggenmusigen an, geniessen die Fasnachtsstimmung. Als die 34-Jährige nachschauen will, wie spät es ist, erschrickt sie: Ihr Handy ist weg. «Wahrscheinlich hatte ich es auf dem Rathausplatz verloren», mutmasst die Surseerin wenige Tage später. Per Ortungsfunktion macht sie den Standort ihres Mobiltelefon aus. Es ist auf dem Mühlenplatz. «Also haben wir mit einem anderen Handy darauf angerufen. Wir haben gehofft, dass es jemand gefunden hat.» Und tatsächlich: Am anderen Ende ertönt eine Männerstimme. Berger und der Finder verabreden sich, damit sie ihr Handy wieder zurückbekommt. Unversehrt und ohne Kratzer. Als Dank gibt sie dem Mann mittleren Alters und seinen Freuden eine Runde aus. «Es ist richtig schön, dass es noch so ehrliche Menschen gibt», sagt Berger. Auf der Facebookseite «Du besch vo Lozärn wenn» bedankt sie sich nochmals beim unbekannten Finder.

Ähnlich ergeht es Alicia May aus Emmenbrücke. Am Tag nach dem Schmutzigen Donnerstag vermisst sie ihre Digitalkamera. Weil sie nicht sicher ist, wo sie den Fotoapparat verloren hat, startet sie einen Aufruf auf Facebook. Wenig später kann sie aufatmen: Ein Chauffeur der VBL hat das Gerät im Bus gefunden und beim Fundbüro der Luzerner Polizei abgegeben: «Ich war so froh, als ich meine Kamera samt Speicherkarte wieder hatte. Vielen herzlichen Dank an den Chauffeur», freut sich die 32-Jährige.

Musikinstrumente, Grende und ein alter Säbel

Alicia Mays Kamera ist bei weitem nicht der einzige Gegenstand, der dieser Tage im Fundbüro der Luzerner Polizei landet. Gemäss Polizeisprecher Urs Wigger werden jedes Jahr vom Urknall bis zum Monstercorso gut 300 Utensilien abgegeben – also 50 am Tag. Zum Vergleich: Im letzten Jahr waren es 9550 Utensilien. Was einem Schnitt von 26 Gegenständen täglich entspricht. «Besonders häufig werden Schlüssel, Portemonnaies und Handys gefunden», sagt Wigger. Aber nicht nur. Auch tauchen immer wieder Fasnachtsgrinde oder Musikinstrumente auf. Der kurioseste Fund der aktuellen Fasnacht ist ein alter Metallsäbel. Laut Wigger werden gut 60 Prozent der abgegebenen Gegenstände auch abgeholt.

Wenig verwunderlich kommt es während der fünften Jahreszeit immer wieder zu Diebstählen. Eine unliebsame Erfahrung musste Pascal Bryner aus Emmen machen: Am Güdismontag verkleidet er sich als mittelalterlicher Pestarzt. Sein Grend ist aus Bronze und hat einen langen Schnabel. Gegen 20.30 Uhr ist Bryner auf dem Jesuitenplatz. Dort deponiert er seine Maske kurz, geht zu einem Getränkestand in unmittelbarer Nähe. «Als ich wieder zurückkam, war der Grend weg», sagt Bryner tags darauf. Er glaubt, dass jemand seine Maske gestohlen und in die Reuss geworfen haben könnte: «Das wäre sehr schade. Ich hoffe zwar, dass er wieder zum Vorschein kommt, aber ich glaube nicht wirklich dran.»

Kommt ein Grend, ein Kostümteil oder ein Instrument weg, ist das für die Betroffenen sicher ärgerlich. Die Regel ist es laut Urs Wigger aber nicht. Gemäss dem Polizeisprecher haben es Langfinger auch während der Fasnacht primär auf Wertgegenstände wie Handys oder Portemonnaies abgesehen.

Killian Küttel

killian.küttel@luzernerzeitung.ch

Auch während der Fasnacht bestens informiert. Jetzt Probeabo bestellen für nur 15 CHF.

abo.luzernerzeitung.ch
Leserkommentare
Weitere Artikel