KANTON LOZÄRN

Regierung will Fasnacht halbieren

Nicht einmal mehr die Fasnacht wird vom Sparkurs der finanzgebeutelten Exekutive verschont. Sparminister Guido Paul Scherzinger äussert sich zu seinen neusten Plänen – und ordnet eine einschneidende Sofortmassnahme an.
08.02.2018 | 05:00

Interview Mischtian Chreier

kanton@luzernerzeitung.ch

Unglaublich: Die prekäre Finanzlage des Kantons und die damit verbundene Sparhysterie tangieren nun auch die Fasnacht. Das zeigen rüüdig verreckte Recherchen unserer Zeitung. Wie der eigentlich noch nicht zur Veröffentlichung vorgesehene «Auflagen- und Fasnachtsplan 2019/2022» (AFP) beweist, zielt die Regierung unter dem Vorsitz von Sparminister Guido Paul Scherzinger auf eine spürbare Redimensionierung der Fünften Jahreszeit – und auf die Erhebung zusätzlicher Steuern (siehe Box). Doch auch kurzfristig will die Regierung den Hebel ansetzen: Erste Sparmassnahmen sollen schon in diesen Tagen greifen.

Video: Luzerner Fasnacht: Guido Paul Scherzinger verordnet drastische Sparmassnahmen

Der Kanton Luzern muss Sparen. Deswegen will der Sparminister Guido Paul Scherzinger die Fasnacht halbieren. Insgesamt ordnet er fünf Massnahmen an (Sandra Peter , 08.02.2018)

Wie die unserer Redaktion vorliegenden Papiere zeigen, nehmen Scherzinger und seine Sparapostel die Fasnacht vor allem als Klotz am Bein der Wirtschaft wahr. Dies zeigt sich etwa in Formulierungen wie dieser: «Die Luzerner Fasnacht entfaltet zwar im Tourismussektor eine belebende Wirkung. Andere Branchen betrachten die sechs Ausnahmetage dagegen zunehmend als Hypothek. Das gilt namentlich für jene Firmen, die dank der Tiefsteuerstrategie nach Luzern ziehen.» Für Guido Paul Scherzinger ist daher klar: «Die Fasnacht muss kompakter werden.» Im Sinne einer Sofortmassnahme verordnet die Luzerner Regierung darum bereits dieses Jahr eine Verkürzung der Fasnacht um einen Tag: Darum soll nächste Woche auf den Güdismontag direkt der Ascherdienstag folgen.

Die kurzfristig beschlossene Neuerung irritiert und wird in der breiten Luzerner Fasnachtsszene mit Sicherheit grosse Proteste auslösen. Doch Guido Paul Scherzinger sieht dazu keine Alternative, wie er im Interview versichert. Auch einen Plan B gebe es nicht.

Guido Paul Scherzinger, sind Sie von allen guten Geistern verlassen?

Ich denke nicht. Zumindest die Musegg-Geischter, Pilatus-Geischter und Borg-Geischter stehen mir hoffentlich bei. (lacht)

Das bezweifeln wir. Schliesslich legen Sie als Sparminister nun Hand an das Luzerner Heiligtum – die Fasnacht. Wie kommen Sie darauf, den Traditionsanlass nicht nur mit Steuern belegen, sondern auch verkürzen zu wollen?

Sehen Sie: Sechs Tage Spass am Stück – das kann eine moderne Volkswirtschaft heute einfach nicht mehr verkraften. Die Fasnacht ist für uns im nationalen, aber auch internationalen Wettbewerb ein klarer Standortnachteil geworden. Da müssen wir ansetzen! Die Zürcher etwa feiern fast gar nicht. Und Basel beweist, dass man selbst ein Unesco-Weltkulturerbe in nur drei Tagen gebührend pflegen kann. Das muss unser Benchmark sein!

Waas? Nur noch drei Tage! Das entspricht einer Fasnachtshalbierung – und dürfte Ihnen politisch das Genick brechen.

Das werden wir ja sehen. Im Sinne einer Sofortmassnahme beginnen wir schon dieses Jahr mit einer Reduktion vorerst um einen Tag. Indem wir den Güdisdienstag streichen, erhöhen wir die Luzerner Wirtschaftsleistung auf einen Schlag und ohne Aufwand um geschätzte 0,5 Prozent.

Und wie wollen Sie die restlichen Tage einsparen?

Das ist noch Gegenstand von Abklärungen. Im Idealfall beginnt die Fasnacht künftig in der Stadt Luzern mit dem Urknall am Schmutzigen Freitag und endet mit dem Monstercorso am Güdissonntag. Ein verlängertes Wochenende – dicht, kompakt, lustig: So dürfte die Fasnacht auch künftig gegenüber der Wirtschaft noch zu vertreten sein.

Sie werden nie und nimmer das ganze Fasnachtsprogramm in nur drei Tagen durchführen können.

Stimmt. Darum suchen wir Kooperationen mit benachbarten Kantonen und planen, gewisse Aktivitäten auszulagern. So wird etwa das Chendermonschter schon dieses Jahr in Stans stattfinden.

Das ist absurd. Sie können doch nicht einfach Teile der Luzerner Fasnacht exportieren! Und Geld sparen Sie damit auch nicht.

Eben schon! Wir schicken die Kinder nach Stans. Der Rest der Bevölkerung arbeitet. Und die Stadt bleibt sauber. Auch die anderen Nachbarkantone sollen sich übrigens an den Zentrumslasten der Luzerner Fasnacht beteiligen – im Rahmen einer finanziellen Abgeltung.

Ein Fasnachtslastenausgleich?

Genau. Mit den Kantonen Aargau, Zug und Schwyz haben wir bereits entsprechende Vorverträge unterzeichnet.

Darüber wird man sich dort in der Bevölkerung bestimmt sehr freuen! Ehrlich, Herr Scherzinger, haben Sie noch andere solch geniale Ideen?

Ja, noch eine ganze Reihe. Auf der Landschaft etwa streben wir eine Straffung der Fasnacht mittels Fusionen an.

Wie bitte?

Sie haben schon richtig gehört: Eine Fasnacht pro Dorf – das ist nicht mehr zeitgemäss. Und kaum mehr zu bezahlen: Denken Sie nur an die stets wachsenden Sicherheits- und Reinigungskosten. Diese können sich die Kommunen künftig teilen, indem sie etwa Umzüge zusammen organisieren.

Da machen Sie die Rechnung ohne den Wirt, sprich: ohne die lokalen Vereine und Komitees.

Natürlich müssen wir im ländlichen Luzern noch einige Überzeugungsarbeit leisten – mit dem Ziel, alle Leistungsträger an Bord zu holen. Aber auch hier stimmen mich erste Gespräche optimistisch: Etwa in Ebersecken und Altishofen oder in Gettnau und Willisau steht man der Fusionsidee sehr, sehr positiv gegenüber.

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