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26.08.2015 14:20

Als profane Kunst am Bau etwas Neues war

  • Das Sgraffito «Sport» hat Hans Potthof 1948 angefertigt.
    Das Sgraffito «Sport» hat Hans Potthof 1948 angefertigt. | Stefan Kaiser / Neue ZZ
ZUG ⋅ Sport treibende Personen an der Schützenmatt-Turnhalle weisen auf die Funktion des Gebäudes hin. Das Potthof-Sgraffito war eines der ersten nicht-religiösen öffentlichen Wandbilder in Zug.

Obschon Hans «Johnny» Potthof (1911–2003) ein vielseitiger Künstler war, der seine Arbeiten in mehreren Techniken ausführte, kennt man ihn heute doch mehrheitlich von seinen zahlreichen Aquarellen und Zeichnungen. Und auch mehrere Wandgemälde an öffentlichen Gebäuden hat der bekannte Zuger Künstler der Nachwelt hinterlassen. Nur sehr selten ging Potthof dabei ins Detail, sondern reduzierte seine Gemälde auf das Wesentliche, was sie oft geradezu archaisch anmuten lässt – doch meist liegt gerade hierin der ungemeine Reiz.

In diese Kategorie gehört ein markantes Frühwerk des Künstlers, bei dem es sich für einmal nicht um eine gemalte Arbeit handelt, sondern um ein Sgraffito, welches sich heute bedauerlicherweise der Aufmerksamkeit der Vorbeikommenden weitgehend entzieht. Es prangt an der seeseitigen Fassade der Turnhalle Schützenmatt. Weil das Gebäude um einiges vom Ufer und somit vom viel begangenen Spazierweg zurückversetzt steht und auch einiges an Buschwerk ums Haus herum wächst, beachtet man das Bild kaum, obwohl es sich mit seinem anthrazitfarbenen Ton stark vom cremefarbigen Untergrund abhebt. Um 1948 wurde die Turnhalle mit der Sportanlage nach Plänen der Zuger Architekten Alois Stadler und Hanns Anton Brütsch erbaut. Der 37-jährige Hans Potthof erhielt den Auftrag zu einem Wandbild an besagter Fassade. Passend zur Bestimmung des Gebäudes nannte er sein Werk schlicht «Sport». Es zeigt eine Gruppe Sport treibender Menschen. Lediglich stark vereinfacht sind sowohl Körper als auch Bekleidung der Abgebildeten angedeutet. Viel mehr Wert hat Potthof auf die groben Konturen der Szenerie gelegt. Sie definieren das, was für den Künstler das Wesentliche ausmacht, weil sie es sind, die das Innere zusammenhalten, das sich hier also fast nur schemenhaft manifestiert und scheinbar zur Sache der Vorstellungskraft des Betrachters erklärt wird.

«Sport» ist eines von mehreren Werken, die Hans Potthof als Kunst am Bau ausgeführt hat. Besondere Bedeutung mag ihm zuteil werden, weil es nicht nur – wie bereits festgehalten – zu den älteren grösseren Werken des Künstlers zählt, sondern auch weil es seinerzeit eines der ersten nicht-religiösen Kunstwerke an einem öffentlichen Gebäude in Zug war.

Andreas Faessler

Hinweis

Mit «Hingeschaut!» gehen wir wöchentlich mehr oder weniger auffälligen Details mit kulturellem Hintergrund im Kanton Zug nach. Frühere Beiträge finden Sie unter www.zugerzeitung.ch/hingeschaut

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