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23.09.2015 00:00

Alte Zeugen eines Raubbaus

  • Die Betonblöcke in der Oberforen waren einst Fundament einer Seilbahnstütze. Die Werkbahn diente dem Transport abgebauten Torfes hinunter nach Walchwil.
    Die Betonblöcke in der Oberforen waren einst Fundament einer Seilbahnstütze. Die Werkbahn diente dem Transport abgebauten Torfes hinunter nach Walchwil. | Patrick Hürlimann / Neue ZZ
WALCHWIL ⋅ Zwei unauffällige Betonblöcke und eine schlichte Scheune – sie sind die Überbleibsel einer Praxis, die hier aus Gründen des Naturschutzes nicht mehr denkbar wäre.

Gemessen an seiner Grösse gilt Zug als Kanton mit dem höchsten Anteil an Hochmooren – sie machen fast 0,4 Prozent der Gesamtfläche aus. Als hügelige Landschaft, eingebettet zwischen Mittelland und Alpen, sind hier durch das feuchte Klima einst ausgedehnte Sumpfgebiete, Moor- und Riedflächen entstanden. Bereits ein Blick auf die Wanderkarte zeigt eine Vielzahl entsprechender Markierungen. Die grössten zusammenhängenden Feuchtflächen sind dabei insbesondere auf dem Zuger- und Walchwilerberg zu lokalisieren. Hochmoore sind wertvolle und äusserst empfindliche Naturlandschaften, die es besonders zu schützen gilt. Nicht nur verraten sie uns, wie vor Tausenden von Jahren die Klimaverhältnisse, Vegetation und Besiedlungen ausgesehen haben. Sie sind auch unersetzliche Lebensräume für Tier- und Pflanzenarten, die auf anderem Grund kaum überleben könnten.

In früheren Zeiten war man sich der Bedeutung solcher Landschaften viel weniger bewusst – oder sie war in Zeiten der Not vernachlässigbar. Moore wurden ausgebeutet. Von einer solchen Ausbeutung zeugt heute noch ein unscheinbares Überbleibsel bei der Oberforen im Gebiet Eigenried auf dem Walchwilerberg. Mitten im mageren Feld auf 972 Metern über Meer steht eine einsame Scheune und einen Steinwurf davon entfernt zwei längliche Betonelemente teils von Gras, Moos und Flechten überwachsen. Sie dienten einst als Fundament für eine Seilbahnstütze. In der Zeit der Weltkriege wurde als Alternativbrennstoff zur knapp werdenden Kohle Torf herangezogen. Und davon lagerte in den Hochmooren wie im Eigenried reichlich. Fleissig wurde das organische Sediment hier abgebaut. Neben der Werkseilbahn, mit welcher der gewonnene Torf bis hinunter nach Walchwil befördert wurde, existierten hier neben Schienen für Transportloren auch mehrere Werkbaracken. Die Scheune auf unserem Bild war eine davon. Auch nach dem Krieg hielt der Abbau des Torfes an, weil er sich als vorteilhafter Naturstoff für den Gartenbau erwies.

Dieser Raubbau an den Moorgebieten zeigte aber bald seine Kehrseite. Die mit dem Abbau verbundene Entwässerung hatte zur Folge, dass der Boden bald auszutrocknen drohte. Der natürliche Fortbestand und das Wachstum des Moorgebietes wurden empfindlich gestört, Büsche fingen an zu wuchern. So erging es damals zahlreichen Moorlandschaften in der Schweiz. Glücklicherweise änderte sich das Bewusstsein bald, und neue Erkenntnisse über die Bedeutung von Moorgebieten führten dazu, dass die Kantone begannen, diese Gebiete unter Schutz zu stellen, zu erhalten und durch Regenerationsprojekte in ihren früheren Zustand zurückzuversetzen.

Der Torfabbau auf dem Walchwilerberg wurde eingestellt, und die Werkeinrichtungen verschwanden aus dem Landschaftsbild – bis auf vereinzelte Überbleibsel wie die abgebildete Scheune und das alte Fundament einer Seilbahnstütze. So sind sie Zeugen dieses Torfabbaus als Teil der jüngeren Zuger Geschichte und somit gewissermassen Kulturgut und auch Mahnmal – zum vorsichtigen und gewissenhaften Umgang mit unserem wertvollen Naturerbe.

Andreas Faessler

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