Home
28.01.2015 00:00

Damit die Glocke zeitig klingt

  • Durch das heute verschlossene Fenster im ersten Turmgeschoss beobachtete der Sigrist oder ein Läuterbub diskret den Verlauf der Messe.
    Durch das heute verschlossene Fenster im ersten Turmgeschoss beobachtete der Sigrist oder ein Läuterbub diskret den Verlauf der Messe. | Stefan Kaiser / Neue ZZ
ZUG ⋅ Ein unauffälliges Fenster im Chor der Oswaldskirche ist schon lange verriegelt. Einst erfüllte es eine wichtige Funktion im Ablauf der Messe.

Einmal mehr führt uns diese Serie ins Zuger Vorzeigewerk der Gotik. Der Detailreichtum an und in der Kirche St. Oswald scheint nahezu unerschöpflich, und beim aufmerksamen Betrachten fallen einem Objekte und Elemente auf, hinter denen man eine besondere Bedeutung oder Funktion vermutet. Oft handelt es sich dabei aber um Bestimmungen, welche heute längst verloren sind. Ganz einfach, weil sich die Zeiten und die rituellen Gepflogenheiten in der Kirche geändert haben.

Eines dieser Relikte, welches seine Funktion nicht mehr erfüllen muss, finden wir an der linken, turmseitigen Chorwand der Kirche. Über dem Chorgestühl, nahe zum Chorbogen, liegt ein Fenster. Es ist verschlossen. Es handelt sich um ein sogenanntes Läuterfenster und spielte einst eine wichtige Rolle für die «Choreografie» des Gottesdienstes. Hier im ersten Turmgeschoss sass nämlich jeweils der Sigrist oder ein Läuterbub. Er beobachtete durch dieses Fenster aufmerksam den Verlauf der Messe, damit er rechtzeitig zur Wandlung am Seil ziehen und eine Glocke läuten konnte. Da sich das Fenster nahe zur vorspringenden Mauer des Chorbogens befindet, konnte die Person im Turmraum vom Grossteil der Kirchgänger ungesehen sein Amt ausüben.

Überreste eines Läuterfensters finden wir beispielsweise auch an der Pfarrkirche St. Johannes in Menzingen. Im 15. Jahrhundert befand sich der untere Teil des Turmes, welcher heute gegen aussen zeigt, im Inneren der einstigen Kirche das Langhaus lag südlich vom Turm. Der Spitzbogen des ehemaligen Läuterfensters ist heute noch sichtbar an der Aussenwand. Er ist mit gotischem Masswerk versehen. Eine ähnliche Situation liegt bei der Kirche St. Maria in Unterägeri vor. Rechts vom heutigen Hauptportal, im Sockelgeschoss des Turmes, ist über der später vergrösserten Tür der Bogen des einstigen Läuterfensters des Vorgängerbaus zu erkennen. Das Fenster zeigte einst in den Altarraum der Kapelle von 1511. Diese wurde im Zuge des Neubaus der Kirche ab 1717 demoliert.

Andreas Fässler

Hinweis

Mit «Hingeschaut!» gehen wir wöchentlich mehr oder weniger auffälligen Details mit kulturellem Hintergrund im Kanton Zug nach.

Kommentare

Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!

Meist gelesene Artikel

Via Steuern lässt sich nicht mehr Geld generieren; der Kanton ist auf andere Quellen und Möglichkeiten angewiesen.
LUZERN

Finanzdebakel: Gemeinden reichen dem Kanton die Hand

Ob beim Geschicklichkeitsfahren mit einem Lastwagen in Aplnach, beim Bewundern eines Oldtimer-Wohnmobils in Luzern oder beim Testen von Elektromobilen in Buochs: Wer sich für Autos begeistert, kommt dieses Wochenende voll auf seine Kosten.
REGION

Es dröhnt und brummt in der Zentralschweiz

KINDERSCHUTZ

Der Sturm über der Kesb verzieht sich

UNFALL

Motorradfahrer wurde bei Kollision mit einem Auto mittelschwer verletzt

Trotz hoher Temperaturen voller Einsatz für die Musik: Schüpfheim gestern am Luzerner Kantonal-Musiktag.
MUSIKTAG

Musikanten übernehmen Schüpfheim

ZUG

Brand in einer Wohnung

"Er wird Euch keine Fritten machen", heisst es in einem Werbespot von Burger King mit Blick auf den belgischen König. Das Königshaus reagierte verschnupft. (Archivbild)
BELGIEN

Belgisches Königshaus verschnupft

Die landwirtschaftliche Erschliessungsbahn mit Touristischer Nutzung: Die Spiess - Sinsgäu-Bahn in der Gemeinde Oberrickenbach.
NIDWALDEN

Die Kleinseilbahnen bekommen ihren Fanclub

Für einen Hitzetag braucht es mindestens 30 Grad. Am Samstagnachmittag wurde diese Marke auch im Norden der Schweiz geknackt. (Symbolbild)
WETTER

Norden der Schweiz erlebt ersten Hitzetag

Das Nadelöhr bei der Bahnhofzufahrt. Ein Tiefbahnhof soll Abhilfe schaffen.
VERKEHR

Tiefbahnhof Luzern: Bund erhöht Preis um 1 Milliarde Franken

Zur klassischen Ansicht wechseln