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06.01.2016 00:00

Das Wasser als Ursprung

  • Im Winter wird Urs Bischofs Brunnenplastik nicht mit Wasser gespeist. Ihre Symbolik verliert sie dadurch jedoch keineswegs.
    Im Winter wird Urs Bischofs Brunnenplastik nicht mit Wasser gespeist. Ihre Symbolik verliert sie dadurch jedoch keineswegs. | Andreas Faessler / Neue ZZ
UNTERÄGERI ⋅ Trotz ihres Gewichts von einer halben Tonne wirkt sie zart und verletzlich: Die Bronzeskulptur an den Gestaden des Ägerisees symbolisiert irdisches Leben.

Wasser ist das Grundelixier allen Lebens. Weder Fauna noch Flora würden ohne Wasser existieren, der Mensch erst recht nicht. Wasser ist: Ursprung. Und genau so heisst die formschöne Skulptur an der Uferpromenade in Unterägeri unweit vom «Haus am See». Die Bronzeplastik «Ursprung» ist das Werk des Zuger Goldschmieds und Künstlers Urs Bischof. «Wenn ein Künstler sich mit der Darstellung des Lebens auseinandersetzt, so holt er sich seine Ideen fast immer aus der Natur. So auch ich», sagt er. Unschwer ist nämlich zu erkennen, dass das Kunstwerk eine stilisierte Knospe darstellt, die sich gerade öffnet. Aus einem Samen wächst eine Knospe, aus der Knospe wird eine Blüte. Und für diesen Prozess braucht es Wasser. Dieses sprudelt in den wärmeren Monaten am höchsten Punkt der Skulptur aus der Knospe, demzufolge handelt es sich genauer gesagt um eine Brunnenplastik. Doch im Winter ist der Wasserfluss eingestellt, um Schäden durch tiefe Temperaturen zu vermeiden. Aber allein dadurch, dass das Kunstwerk direkt am Seeufer und somit am Wasser steht, bleibt die Symbolik auch ohne sprudelndes Wasser bestehen.

Eine Signatur verrät, dass Urs Bischof die Skulptur «Ursprung» im Jahre 1990 geschaffen hat. Der 68-jährige Künstler hat sich vorgenommen, jährlich wenigstens eine grosse Brunnenplastik zu kreieren. «Ihre Herstellung ist sehr zeitaufwendig und teuer.» Am Anfang steht eine Skizze. Auf sie erfolgt ein Modell aus Ton. Daraus wird ein Gipsmodell in Originalgrösse hergestellt, aus welchem der Kunstgiesser einen Negativabguss macht. «Allein dieser Prozess ist so anspruchsvoll, dass er eine Kunst für sich ist», erklärt Bischof. Der Giesser müsse akribisch darauf achten, dass das Gipsmodell durch ihn nicht beschädigt oder verändert wird, so Bischof weiter. Mit dem Negativmodell erfolgt schliesslich der Endguss in Bronze.

Den «Ursprung» zeigte der Künstler im Rahmen einer Ausstellung im «Haus am See» in Unterägeri im Jahre 1994. Die knapp 500 Kilo schwere Bronzeplastik war in etwa an demjenigen Ort platziert, wo sie heute steht. Die Gemeinde selbst wurde auf die Bronzeknospe aufmerksam und wollte sie erwerben, doch war sie zu teuer, dass die Gemeinde die Kosten alleine hätte tragen können. Auf eine Anfrage um Unterstützung bei der Hürlimann-Wyss-Stiftung reagierte diese positiv und übernahm einen grossen Teil der Kosten. Für die Neubebauung der Uferpromenade wurde die Plastik vorübergehend entfernt und im Anschluss auf dem grossen Quaderstein platziert, auf dem sie heute steht.

Der eigentliche Name der Brunnenplastik in Unterägeri lautet «Ursprung 2», denn es handelt sich im Prinzip um das Folgewerk einer kleineren Plastik von Urs Bischof, die auf einem Firmengelände in Rotkreuz steht. Diese stellt ebenfalls eine Knospe dar, die sich aber noch in geschlossenem Zustand befindet.

Aktuell läuft noch bis Monatsende im Parkhotel Zug eine Ausstellung mit Kunstwerken und Objekten von Urs Bischof.

Andreas Faessler

Hinweis

Mit «Hingeschaut!» gehen wir wöchentlich mehr oder weniger auffälligen Details mit kulturellem Hintergrund im Kanton Zug nach. Frühere Beiträge finden Sie unter www.zugerzeitung.ch/hingeschaut

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