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29.03.2017 07:26

Der «Auferstehende» hat überlebt

  • Die historische Aufnahme von 1929 zeigt den neu angefertigten Chamer Friedhofsbrunnen von Andreas Kögler.
    Die historische Aufnahme von 1929 zeigt den neu angefertigten Chamer Friedhofsbrunnen von Andreas Kögler. | Werner Schelbert (28. März 2017) / PD
  • Andreas Kögler
    Erhalten hat sich das Brunnenrelief «Auferstehender». Dieses steht seit 1956 etwas versetzt an der Stützmauer. | Werner Schelbert (28. März 2017) / PD
CHAM ⋅ Einst gehörte zum Friedhof eine prächtige Brunnenanlage, geschaffen von einem namhaften Wiener Wahlzuger. Nur das Brunnenrelief hat sich erhalten. Es ist noch heute Teil des Kunstinventars auf dem Chamer Friedhof.

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

Der Friedhof von Cham nordöstlich der Pfarrkirche strahlt – eingebettet in ein baumbestandenes, leicht abfallendes Ge­lände – wohltuende Ruhe und Beschaulichkeit aus. Seinen heutigen Umfang hat der Gottesacker vor knapp 90 Jahren mit dem Bau dreier Portale und dem vom Bildhauer Andreas Kögler geschaffenen Friedhofsbrunnen erreicht. Dieser Brunnen stand im oberen Teil des Grundstücks in unmittelbarer Nähe zur Kirche.

Als man 1956 die erste heute noch bestehende Aufbahrungshalle errichtete, musste der Friedhofsbrunnen entfernt werden. An sich ein grosser Verlust, zumal es eine statt­liche, äusserst formschöne und vor allem in der Gesamtgestaltung sehr ästhetische Brunnenanlage war, wie unser historisches Bild rechts zeigt. Doch glücklicherweise verschwand der Brunnen nicht zur Gänze von seinem Ort: Der Aufbau wurde entfernt und erhalten. Man platzierte ihn etwas versetzt an der Stützmauer, wenige Meter hinter dem Friedhofsportal, durch das man das Gelände vom Kirchplatz her betritt. Dort thront er seither als einzeln stehendes Werk und gehört nach wie vor zum Kunst­inventar des Chamer Friedhofs.

Rund 2 Meter hoch ist die auf einem Sockel stehende massive Marmorplatte. Sie zeigt den sogenannten Auferstehenden im Hochrelief. Als solches wird ein Relief bezeichnet, bei dem Teile der Darstellung halb- bis nahezu vollplastisch aus dem Untergrund herausgearbeitet sind. Das trifft bei unserem «Auferstehenden» mindestens auf Kopf, linken Arm und linke Schulter zu. Der abgebildete Mensch ist im Begriff, sich zu erheben. Sein Blick ist himmelwärts gerichtet, von seinem Arm, mit dem er an sein Haupt greift, fällt das Leichentuch sanft über den Oberschenkel zum Grund. Eine insgesamt sehr formschöne, gelungene Ausführung. Theodor Hafner (gestorben 1951), Zuger Sekundarlehrer, Schriftsteller und Empfänger des ersten Zuger Literaturpreises, beschrieb die einstmalige Brunnenfigur: «In Höhenstimmung hält uns der aus dem Grabe Erwachende, dessen Staub sich in Auferstehung der Toten zum ewigen Leben erhebt. Noch erträgt sein Auge kaum die neue Sonne, die Gottesschöne blendet es, und doch ist der Körper schon ganz in der Lichtfülle des jenseitigen Seins hingegeben.» Hafner attestiert der Gemeinde Cham «achtenswerten Kunstsinn» für die Wahl dieses Kögler-Werkes, dessen Religiosität ebenso sehr überzeuge, wie seine Einfachheit und Originalität erfreue.

Hafner würdigt das Schaffen Andreas Köglers mit grossen Worten, und das angesichts der Qualität seiner Werke auch zu Recht. Zu Unrecht hingegen ist der Künstler weitgehend vergessen, nur wenig Biografisches ist überliefert. 1878 wurde Kögler in Graz geboren. Sein Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien schloss er 1912 ab. Im Anschluss bildete er sich weiter bei keinem Geringeren als Edmund Hellmer. Dieser schuf in Wien bedeutende Werke wie das Johann-Strauss-Denkmal, das Goethe-Denkmal, den Monumentalbrunnen «Die Macht zu Lande» am Michaelertor oder das Dumba-Grab auf dem Zentralfriedhof. Andreas Kögler lernte von einem gefeierten Vorbild. Als der Erste Weltkrieg vorbei war, kam Kögler nach Zug und liess sich hier nieder. Mehrere Grabmäler auf dem Friedhof St. Michael sind ihm zu verdanken. Im einstigen Café Keiser an der Neugasse hing eine Bronzearbeit von Kögler, und der Junge mit dem Fisch auf dem Hechtbrunnen in der Altstadt, von dem an dieser Stelle auch schon zu lesen war, ist ebenfalls eine Arbeit Köglers. Bis zum Lebensende ist der Wiener seiner Wahlheimat Zug treu geblieben. Er starb im Jahre 1956.

Bereits vor 1930 sah Theodor Hafner Köglers Arbeit von einem ausgeprägten Schönheitsempfinden geleitet, ohne dabei je einer Modeströmung gefolgt zu sein. Dadurch sei seine Kunst zeitlos, werde nie «überlebt weggestellt» werden müssen, sondern atme immer «jenen gültigen Geist, der echte Kunst nie überholt sein lässt». Genauso wenig überholt ist diese Feststellung zu taxieren, denn bis zum heutigen Tage haben Andreas Köglers Schöpfungen – seien es Plastiken, Reliefs oder Medaillons – nichts von ihrer zeitlosen Schönheit eingebüsst. Und die Gemeinde Cham hat auch 30 Jahre nach Aufstellen des Friedhofsbrunnens erneut Kunstsinn bewiesen – insofern, als sie wenigstens den «Auferstehenden» nicht weggeräumt hat.

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