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14.09.2016 05:02

Der Kampf im Franzosenloch

  • In einer scharfen Kurve an der Hinterbergstrasse liegt versteckt das Denkmal für die am 3. Mai 1798 gefallenen Walchwiler.
    In einer scharfen Kurve an der Hinterbergstrasse liegt versteckt das Denkmal für die am 3. Mai 1798 gefallenen Walchwiler. | Bilder Stefan Kaiser
WALCHWIL ⋅ Im Mai 1798 spielte sich entlang des Rufibachs ein Stück Weltgeschichte ab. Eine Gedenktafel erinnert noch heute an die freiwilligen Walchwiler Schützen.

Liberté, Egalité, Fraternité» – Walchwil feierte ein besonderes Dorffest» – so lautete eine Überschrift in der «Neuen Zuger Zeitung» vom Montag, 15. Juni 1998. Der dazugehörige Artikel bezieht sich auf die Einweihung des renovierten Schulhauses, die am Samstag zuvor gefeiert wurde – aber nicht nur. Gleichentags gedachte nämlich die Walchwiler Bevölkerung der Kämpfe im Franzosenloch. Dort, an einer Wegstelle an der Hinterbergstrasse, soll es am 3. Mai 1798 zu einem Gefecht zwischen den nach Süden vorrückenden französischen Revolutionstruppen und Schwyzer Verteidigern gekommen sein. 20 Walchwiler Scharfschützen waren der Überlieferung nach den Kämpfern zu Hilfe geeilt. Neben mehreren französischen Soldaten sollen auch sieben Walchwiler den Tod gefunden haben.

Ihnen zu Ehren wurde an besagtem Festtag vor 18 Jahren eine Tafel enthüllt. Der historische Festakt startete mit Salutschüssen von Angehörigen des Beresina-Korps und des Militärschiessvereins. Zugegen war auch alt Nationalrat Alois Hürlimann. Er kam in seiner Ansprache auf die historischen Ereignisse zu sprechen, die sich in Walchwil abspielten. Die Kämpfe oberhalb des Dorfkerns seien das einzige Ereignis, das die Weltgeschichte direkt nach Walchwil gebracht habe, sagte Hürlimann, und fügte, in Bezug auf die französische Besetzung, an: «Die Franzosen brachten uns die Freiheit, aber auch den Tod und die Armut.»

Der Kampf vor mittlerweile 218 Jahren fiel in jene Zeit, als sich Walchwil gerade von der Vogtei der Stadt Zug losgelöst hatte. Nach dem kampflosen Einzug der französischen Truppen in die Stadt verlagerte sich die Auseinandersetzung zwischen den Eidgenossen und den Franzosen an die Grenze zwischen Zug und Schwyz, wie im Ortsbuch «Walchwil» von Albert Müller nachzulesen ist. Die Kampfeslinie des «hartnäckigen» Gefechts zog sich von St. Adrian über die Walchwiler Allmend bis Morgarten und St. Jost. «Das Gefecht dauerte anderthalb Stunden ununterbrochen fort; es endete damit, dass die Franzosen weichen und gegen Walchwyl hin sich zurückziehen mussten», zitiert der Autor aus dem «Zuger Kalender». Ein guter Teil an diesem Sieg wird den freiwilligen Walchwiler Schützen zugeschrieben, die sich am Kampf «ganz besonders ausgezeichnet» haben.

Menschliche Gerippe gefunden

Aufgrund der mündlichen Überlieferung hat die Wegstelle ihren Namen dem Umstand zu verdanken, dass dort die gefallenen Franzosen beerdigt wurden. Tatsächlich, so heisst es, habe man beim Bau der Strasse im April 1889 im Franzosenloch menschliche Gerippe gefunden. Die gefallenen einheimischen Schützen hingegen sollen wie die gefallenen Schwyzer auf dem Friedhof in Arth beerdigt worden sein. Beim Zitat übrigens, das man auf der Gedenktafel sehen kann, handelt es sich um den Bürgereid, den die Walchwiler am 30. August 1798 in der Kirche abzulegen hatten.

Das grosse Fest zum 200-jährigen Gedenken feierte die Dorfbevölkerung in historischer Manier mit französischen Tänzen und Köstlichkeiten wie Coq au vin oder Bouillabaisse. Der Ausspruch der französischen Revolution sei von den Walchwilern kurzerhand um «Festivité» ergänzt worden, hiess es in der «Neuen Zuger Zeitung». Seitdem ist es still geworden um das Franzosenloch. Nur wer die steile Strasse auf den Hinterberg auf sich nimmt, entdeckt nach einer scharfen Kurve linkerhand die unscheinbare Tafel.

Hinweis

Mit «Hingeschaut!» gehen wir wöchentlich Details mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach. Frühere Beiträge finden Sie unter www.zugerzeitung.ch/hingeschaut

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