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27.05.2015 00:00

«Der dreht ja nie den Kopf!»

  • Steht bei Daniel und Gertrud Pfaffhauser immer auf dem Balkon:
eine der drei Holzskulpturen des Künstlers Richi Merk.
    Steht bei Daniel und Gertrud Pfaffhauser immer auf dem Balkon: eine der drei Holzskulpturen des Künstlers Richi Merk. | Bild Stefan Kaiser
BAAR ⋅ Man kennt sie jene Zeitgenossen, die stundenlang aus dem Fenster starren oder von irgendwo «runtergüggsle». Bei Daniel und Gertrud Pfaffhauser auf dem Balkon sind diese Typen Kunst.

Er ist lässig an den Balkon gelehnt und wirkt mit dem Kapuzenpullover und den Jeans recht urban gekleidet. Den einen Fuss hat er ebenso angezogen. Vor ihm breitet sich das Grün des Martinsparks in Baar aus jene grüne Lunge zwischen Kirche und Bahnhof, wo sich bei warmem Wetter gerne Jugendliche und Familien auf dem Rasen verlustieren. Aber auch so mancher Senior aus dem benachbarten Altersheim geht hier gerne mal eine Runde spazieren. «Den älteren Leuten ist die Person auf unserem Balkon schnell aufgefallen», erzählt Gertrud Pfaffhauser. Die 67-Jährige arbeitete früher im Café des Altersheims. «Der dreht ja gar nie den Kopf!», habe dann einmal jemand zu ihr gesagt – auf besagten Zeitgenossen, da oben auf Pfaffhausers Balkon, deutend. Sie löste das Rätsel auf und verriet, dass es sich um keinen Menschen, sondern um eine angemalte Holzfigur handle.

Figuren auf dem Balkon gibt es im Kanton Zug auch anderswo. In Zug hat einer an der Chamerstrasse etwa einen veritablen Elefanten platziert. In Hagendorn und in Cham haben Anwohner schon Schaufensterpuppen auf ihrem Balkon ein Plätzchen gegönnt. Bei Pfaffhausers fristen die insgesamt drei Holzfiguren, die von dem Zürcher Künstler Richi Merk mit der Kettensäge jeweils aus einem Klotz geschnitzt wurden, schon seit fünf Jahren ihr neugieriges Dasein auf dem Balkon und vor Fenstern der Wohnung. Der Künstler hat die drei Figuren speziell für den Balkon in Baar entworfen ist er doch über mehrere Ecken mit den Pfaffhausers verwandt.

«Man merkt schon, dass immer wieder Leute zu den Figuren hochschauen», sagt Daniel Pfaffhauser (71), früher als Elektroplaner tätig und aus dem Thurgau stammend. Seit 19 Jahren wohnt er mit seiner Frau hier im dritten Stock und fühlt sich sehr wohl. Die drei Kinder sind längst erwachsen. Sind diese drei Figuren vielleicht eine Reminiszenz an ihre Kinder? «Nein, das kann man eigentlich nicht sagen», antworten die Pfaffhausers mit einem Lächeln auf den Lippen. Aber an die drei Figuren haben sie sich trotzdem sehr gewöhnt, liebgewonnen als gehörten sie zur Familie. Nur Namen tragen sei keine. Gertrud Pfaffhauser hat der Holzfigur auf dem Balkon dafür schon mal liebevoll einen frischen Anstrich angedeihen lassen, weil die Figur von der Sonne schon etwas ausgebleicht gewesen sei. «Am Anfang war es so, dass wir das Gefühl hatten, da ist immer schon jemand da, wenn wir in die Wohnung gekommen sind.» Inzwischen freuen sie sich einfach über ihre hölzernen Mitbewohner. «So eine Kunst belebt irgendwie den Alltag.»

Wolfgang Holz wolfgang.holz@zugerzeitung.ch

Hinweis

Mit «Hingeschaut!» gehen wir wöchentlich mehr oder weniger auffälligen Details mit kulturellem Hintergrund im Kanton Zug nach. Frühere Beiträge finden Sie unter www.zugerzeitung.ch/serien

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