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08.04.2015 00:00

Der steinerne «Teppich» aus Augusta Raurica

  • Museumsbesucher schreiten über die Kaiseraugster Replik.
    Museumsbesucher schreiten über die Kaiseraugster Replik. | Stefan Kaiser / Neue ZZ
ZUG ⋅ Das Museum für Urgeschichte(n) begrüsst den Besucher mit der Replik eines römischen Mosaiks. Für das Werk haben fleissige Zuger einst über 6000 Arbeitsstunden investiert.

Anstatt eines Rostes oder eines Türvorlegers liegt vor dem Eingang zum Museum für Urgeschichte(n) an der Hofstrasse 15 weit Edleres, über das die Besucher schreiten: ein grossflächiges Mosaik im antiken Stil. Und dabei handelt es sich nicht etwa um maschinell angefertigte Platten aus dem Baumarkt, sondern um eine aufwendige Arbeit, die von 25 tüchtigen Männern und Frauen in insgesamt 6000 Arbeitsstunden über einen Zeitraum von zwei Jahren hinweg entstanden ist. Als das Museum im Sommer 1998 einen römischen Garten in Planung stellte und der Verein für Arbeitsmarktmassnahmen Zug gleichzeitig ein Mosaikatelier in den benachbarten Räumen einrichtete, spannte man zusammen und nahm die Nachbildung eines römischen Mosaiks in Angriff. Die Wahl fiel auf ein in Augusta Raurica in den 1960er-Jahren entdecktes Gladiatorenmosaik. Den Ausgrabungsberichten zufolge gehörte es zu einer um 200 n. Chr. erbauten Herrschaftsvilla. Das Mosaik dürfte den Speisesaal geschmückt haben. Vom insgesamt rund 6,5 mal 10 Meter grossen Original hat man in Zug das zentrale Rechteck nachgebaut. Es zeigt ein Medaillon mit einem Henkelgefäss, umgeben von Fischen und Ornamentik. Gut 47 unterschiedlich farbige Gesteinsarten sind im Original verarbeitet. Für die Zuger Nachbildung musste man sich heute gängiger Mosaiktechniken bedienen, weil über das Vorgehen der Römerzeit zu wenig überliefert ist. Aus diversen Regionen konnten sich die Zuger die nötigen Steinsorten mit den gewünschten Farb­nuancen beschaffen. Man wählte das sogenannte reziproke Herstellungsverfahren, bei dem die 120 000 von Hand gehauenen Steinchen vorerst auf einen nicht härtenden Fond gesetzt wurden. Sobald fertig, wurde das Mosaik mit einem Leim bestrichen, mit einem Stofftuch fixiert, in sieben Teile zerlegt und so schliesslich in den härtenden Mörtel gesetzt.

Rund zwei Jahre hat die Herstellung der Kopie in Anspruch genommen. Vorsichtig und behutsam wurde das fertige Meisterwerk schliesslich an seinem Bestimmungsort in den Boden eingelassen. In der Folge wurden noch zwei Mosaikplatten in der Grösse von 75 mal 75 Zentimetern angefertigt, die kämpfende Gladiatoren zeigen. Sie wurden an den Säulenwänden der Vorhalle aufgehängt und sind als Ergänzung des Mosaiks zu verstehen.

Andreas Fässler

Hinweis

Mit «Hingeschaut!» gehen wir wöchentlich mehr oder weniger auffälligen Details mit kulturellem Hintergrund im Kanton Zug nach.

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