ZUG/DONOSTIA

Der «temporäre Zwilling» an der Biscaya

Die markante Bronzeskulptur bei der Badi Seeliken ist bekanntlich nicht alleine auf der Welt. Aktuell steht in der Kulturhauptstadt Europas 2016 ein glänzender «Doppelgänger».
17.08.2016 | 05:02

Alle kennen die riesige Bronzeplastik von Henry Moore beim Seebad Seeliken, die sich hier stolz und bodenständig erhebt. «Knife Edge» wurde 1977 von der Landis & Gyr erworben. Vorerst war sie provisorisch auf deren Firmenareal aufgestellt, bevor sie nach Abschluss der grossen Casino-Erweiterung an ihrem heutigen Ort aufgestellt worden ist. Landis & Gyr hat die Bronzeplastik der Stadt geschenkt. Vor knapp zwei Jahren war das Kunstwerk an dieser Stelle in der «Neuen Zuger Zeitung» bereits ausführlich thematisiert.

Zu Recht kann Zug nach wie vor stolz sein, ein Moore-Werk dieser Grösse zu besitzen, galt und gilt der britische Bildhauer als einer der bedeutendsten Plastiker der 20. Jahrhunderts. Noch stolzer könnte Zug sein, wenn es sich um ein absolutes Unikat handeln würde. Doch wurde der Entwurf aus dem Jahr 1961 zu dieser «Knife Edge Standing Figure» – ausgehend von einem Prototyp – mehrfach ausgeführt, weshalb man auf diese Skulptur an diversen Orten auf der Welt trifft. So unter anderem im Greenwich Park in London, im norwegischen Hovikodden, in Wakefield in Yorkshire, in Essen ... und derzeit gibt es eine besonders eindrückliche Ausführung in Donostia-San Sebastián an der spanischen Biscaya-Küste. San Sebastián ist Kulturhauptstadt Europas 2016 und somit Austragungsort zahlreicher gross angelegter Kunstveranstaltungen. So sind von Juni bis September 2016 am Paseo de Zurriola, eine der Hauptpromenaden der Stadt, Plastiken von Henry Moore aufgestellt. Organisiert wird diese Aktion von der Obra Social «la Caixa», eine Stiftung auf dem Gebiet Sozialarbeit, wie es die Bezeichnung schon sagt.

Unter der Auswahl an Moore-Plastiken findet sich also auch eine solche «Knife Edge»-Figur wie diejenige in Zug. Allerdings ist der temporäre Zwilling in Spanien wohlbemerkt in einem schöneren Zustand, weitgehend frei von Vogeldreck und in glänzendem Bronzeschimmer gehalten. Doch abgesehen von der Form haben die beiden Skulpturen in Zug und San Sebastián etwas gemeinsam: Beide stehen am Ufer und überblicken die Weiten des Wassers.

Andreas Faessler

Hinweis

Mit «Hingeschaut!» gehen wir wöchentlich mehr oder weniger auffälligen Details mit kulturellem Hintergrund im Kanton Zug nach. Frühere Beiträge finden Sie unter www.zugerzeitung.ch/hingeschaut

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