Home
07.12.2016 05:00

Die Schwäne mitten unter uns

  • 1960 schuf Romano Galizia die beiden Schwäne, die  seit 1982 am Vorstadtquai ihren Balztanz vorführen.
    1960 schuf Romano Galizia die beiden Schwäne, die seit 1982 am Vorstadtquai ihren Balztanz vorführen. | Bild: Maria Schmid (Zug, 6. Dezember 2016)
ZUG ⋅ Obwohl Romano Galizia hauptsächlich mit Stein gearbeitet hat, ist ihm mit der Bronzeskulptur am See ein hervorragendes Kunstwerk voller Dynamik gelungen. Es setzt einen starken künstlerischen Akzent an einem der beliebtesten öffentlichen Plätze Zugs.

Ab 2013 erhielten die beiden Bronzeschwäne am Vorstadtquai Gesellschaft von Shorty: Der zu einer kleinen Zuger Prominenz avancierte Waldrapp war damals am Boden neben den Schwänen platziert worden, ebenfalls als Bronzeskulptur. Doch seit der kleine Spitzschnabel im September 2015 zum zweiten Mal gestohlen worden ist – bislang auf Nimmerwiedersehen – sind die beiden Schwäne wieder die einzigen Vogelskulpturen vor Ort.

Erschaffen hat die Schwanenskulptur auf massivem Steinsockel der Freiämter Bildhauer Romano Galizia (1922–2005). Zeitlebens ist sein primäres Arbeitsmaterial der Stein geblieben. Künstlerisch war er nach seiner Steinhauerlehre und der Meisterprüfung hauptsächlich Autodidakt. Gemeinsam mit Vater Enrico und Bruder Rico – beide ebenfalls Steinhauer – war Romano in den 1950er-Jahren massgeblich an der Renovation des Kreuzganges vom Kloster Muri beteiligt. Romano Galizia beherrschte sein Handwerk vorzüglich, weshalb er bald eine gefragte Kraft war an historischen Stätten wie auf Schloss Lenzburg oder im ehemaligen Kloster Wettingen. Später machte sich Galizia nach Erhalt eines Bundesstipendiums selbstständig als freischaffender Künstler. Er setzte zahlreiche Aufträge um und ist somit bis heute mehrfach mit Werken im öffentlichen Raum vertreten. So auch mit dem Schwanenpaar an prominenter Stelle am Vorstadtquai in Zug. Die im Jahre 1960 gegossene Bronzeplastik war 1982 Teil einer Galizia-Ausstellung in der Galerie Kolin. Platziert waren die Schwäne als Quasi-Begrüssungskomitee vor dem Eingang. Dann war die Ausstellung fertig, aber die beiden Bronzevögel verblieben an ihrem Ort. Da ihr Element aber das Wasser ist und es davon in der Altstadt jenseits des Kolinplatzes nicht viel gibt, wurden sie an ihren jetzigen Ort verbracht, wo sie bis heute einen künstlerischen Akzent setzen.

Die beiden Schwäne sind offensichtlich in Balzpose. Die Körper entgegengesetzt ausgerichtet, aber mit Hals und Kopf einander zugewandt, die Flügel angehoben. Galizia hat die irdene Gussform mit feinen Konturen präpariert, was auf der Oberfläche der Plastik den Anschein eines feinen Gefieders erweckt. Gekonnt hat der Künstler den beiden starren Metalltieren Leben eingehaucht, indem er sie in einer sehr natürlichen Pose voller Bewegungsdynamik darstellt. So fügen sie sich hervorragend in die Umgebung ein, welche selbst tagtäglich voller Bewegung ist. Neben einer Vielzahl an «echten» Wasservögeln – und Artgenossen, die ihre Hinterlassenschaften auf den beiden Schwänen deponieren – finden sich hier besonders an schönen Tagen Scharen von Menschen, die sich rund um Romano Galizias Schwanenpaar niederlassen, um für einen Moment vom Alltag Abstand zu nehmen.
 

Andreas Faessler

Kommentare

Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!

Meist gelesene Artikel

In Luzern und Umgebung blitzte es am Samstag über 2000-mal.
WETTER

Über 2000 Blitze in Luzern und Umgebung

Ein Bergsteiger unterwegs zum Clariden. (Symbolbild)
SPIRINGEN

Wanderer verunglückt beim Abstieg vom Clariden tödlich

Nach einer Pirouette auf der Autobahn blieb das Auto des Unfallverursachers völlig demoliert stehen.
CHAM

Abrupter Spurwechsel führt zu Unfall

Sie trinkt Kaffee und schreibt, der Sohn geduldet sich nebenan: So einfach sei das Leben als Influencermutter nicht, sagt eine Schweizer Bloggerin.
INTERNET

Mama bloggt und verdient

Richard Koller (56) aus Neudorf.
LUZERN

SVP-Führung wirft ihren Sekretär raus

Der FC Luzern wird beim Cup-Spiel gegen den SC Kriens auf einen Teil seiner Fans verzichten müssen.
FUSSBALL

FCL-Fans boykottieren Cup-Partie gegen Kriens

Der heftige Regen unterspülte die Hünenbergstrasse.
LUZERN/MALTERS

Geflutete Keller und unterspülte Strassen

Ein mit einer Motorsäge bewaffneter Mann hat in Schaffhausen fünf Menschen verletzt und einen Polizei-Grossalarm ausgelöst.
POLIZEIEINSATZ

Kettensägen-Angreifer von Schaffhausen ist zweifach vorbestraft

EMMEN

Schule hat keinen Platz mehr für Religion

Die «Diamant» sticht nach einem Halt bei der Anlegestelle in Weggis wieder in See.
SCHIFFFAHRT

«Diamant» sorgt für Top-Auslastung

Zur klassischen Ansicht wechseln