ZUG

Die Schwäne mitten unter uns

Obwohl Romano Galizia hauptsächlich mit Stein gearbeitet hat, ist ihm mit der Bronzeskulptur am See ein hervorragendes Kunstwerk voller Dynamik gelungen. Es setzt einen starken künstlerischen Akzent an einem der beliebtesten öffentlichen Plätze Zugs.
07.12.2016 | 05:00

Ab 2013 erhielten die beiden Bronzeschwäne am Vorstadtquai Gesellschaft von Shorty: Der zu einer kleinen Zuger Prominenz avancierte Waldrapp war damals am Boden neben den Schwänen platziert worden, ebenfalls als Bronzeskulptur. Doch seit der kleine Spitzschnabel im September 2015 zum zweiten Mal gestohlen worden ist – bislang auf Nimmerwiedersehen – sind die beiden Schwäne wieder die einzigen Vogelskulpturen vor Ort.

Erschaffen hat die Schwanenskulptur auf massivem Steinsockel der Freiämter Bildhauer Romano Galizia (1922–2005). Zeitlebens ist sein primäres Arbeitsmaterial der Stein geblieben. Künstlerisch war er nach seiner Steinhauerlehre und der Meisterprüfung hauptsächlich Autodidakt. Gemeinsam mit Vater Enrico und Bruder Rico – beide ebenfalls Steinhauer – war Romano in den 1950er-Jahren massgeblich an der Renovation des Kreuzganges vom Kloster Muri beteiligt. Romano Galizia beherrschte sein Handwerk vorzüglich, weshalb er bald eine gefragte Kraft war an historischen Stätten wie auf Schloss Lenzburg oder im ehemaligen Kloster Wettingen. Später machte sich Galizia nach Erhalt eines Bundesstipendiums selbstständig als freischaffender Künstler. Er setzte zahlreiche Aufträge um und ist somit bis heute mehrfach mit Werken im öffentlichen Raum vertreten. So auch mit dem Schwanenpaar an prominenter Stelle am Vorstadtquai in Zug. Die im Jahre 1960 gegossene Bronzeplastik war 1982 Teil einer Galizia-Ausstellung in der Galerie Kolin. Platziert waren die Schwäne als Quasi-Begrüssungskomitee vor dem Eingang. Dann war die Ausstellung fertig, aber die beiden Bronzevögel verblieben an ihrem Ort. Da ihr Element aber das Wasser ist und es davon in der Altstadt jenseits des Kolinplatzes nicht viel gibt, wurden sie an ihren jetzigen Ort verbracht, wo sie bis heute einen künstlerischen Akzent setzen.

Die beiden Schwäne sind offensichtlich in Balzpose. Die Körper entgegengesetzt ausgerichtet, aber mit Hals und Kopf einander zugewandt, die Flügel angehoben. Galizia hat die irdene Gussform mit feinen Konturen präpariert, was auf der Oberfläche der Plastik den Anschein eines feinen Gefieders erweckt. Gekonnt hat der Künstler den beiden starren Metalltieren Leben eingehaucht, indem er sie in einer sehr natürlichen Pose voller Bewegungsdynamik darstellt. So fügen sie sich hervorragend in die Umgebung ein, welche selbst tagtäglich voller Bewegung ist. Neben einer Vielzahl an «echten» Wasservögeln – und Artgenossen, die ihre Hinterlassenschaften auf den beiden Schwänen deponieren – finden sich hier besonders an schönen Tagen Scharen von Menschen, die sich rund um Romano Galizias Schwanenpaar niederlassen, um für einen Moment vom Alltag Abstand zu nehmen.
 

Andreas Faessler

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