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10.02.2016 00:00

Ein Aufzug aus alter Zeit

  • Der Dachspeicher des Hauses Fischmarkt 13 wurde einst mit Hilfe des externen Lastenaufzugs gefüllt. Die Vorrichtung ist noch heute zu sehen.
    Der Dachspeicher des Hauses Fischmarkt 13 wurde einst mit Hilfe des externen Lastenaufzugs gefüllt. Die Vorrichtung ist noch heute zu sehen. | Stefan Kaiser / Neue ZZ
  • Das Haus am Fischmarkt 13 in der Zuger Altstadt.
    Das Haus am Fischmarkt 13 in der Zuger Altstadt. | Stefan Kaiser / Neue ZZ
  • Dieses Restaurant in Tallinn (Estland) nutzt den alten Flaschenzug für seine Zwecke.
    Dieses Restaurant in Tallinn (Estland) nutzt den alten Flaschenzug für seine Zwecke. | Andreas Faessler / Neue ZZ
ZUG ⋅ Ein Relikt aus vergangenen Jahrhunderten, wie man es heutzutage vornehmlich in nordischen Städten noch gehäuft sieht, findet sich mitten in der Altstadt von Zug. Hoch oben an «Des alten Georgys Haus».

Wer am Zuger Fischmarkt den Blick über die historischen Fassaden nach oben schweifen lässt, erblickt im Giebel des Hauses Nummer 13 in der weit hervorragenden Lukarne ein Überbleibsel aus alter Zeit: einen Balken, der einst als Aufhängevorrichtung für einen Lastenzug diente. Solche Flaschenzüge wurden früher hauptsächlich dafür genutzt, Güter in den Speicher auf dem Dachstock zu befördern, die trocken gelagert werden mussten, beispielsweise Lebensmittel. Anderes, dem Feuchtigkeit nichts anhaben konnte, bewahrte man im kühlen Keller auf. Durch die Überdachung des Aufzugs waren die Güter beim Einbringen zusätzlich geschützt.

Das schmale, schmucke Gebäude am Fischmarkt 13 entstand vermutlich im frühen 16. Jahrhundert und wurde damals laut einer Aufzeichnung «Des alten Georgys Haus» genannt. Die Jörg/Georg waren ein altes Zuger Geschlecht, das jedoch bereits kurz nach 1700 ausstarb, weil der einzige Stammhalter Priester geworden war. Später gehörte das Haus für längere Zeit der Zuger Goldschmied-Familie Brandenberg.

Welchem Zweck das Haus den Jörges anfänglich diente und warum die Erbauer im Giebel einen solchen Lastenaufzug anbringen liessen, wäre Gegenstand tiefer gehender Recherchen – vorausgesetzt, es sind diese Informationen überhaupt je überliefert worden. Weitgehend selbstredend ist auf jeden Fall, dass solche Vorrichtungen hauptsächlich dem oben genannten Zweck dienten. Ist der spätmittelalterliche Lastenaufzug am Zuger Fischmarkt eines der wenigen erhaltenen Beispiele in der Region, so findet man vor allem in den alten Handels- und Hansestädten an der Nord- und rund um die Ostsee noch heute eine Vielzahl Häuser mit solchen Vorrichtungen. In Amsterdam beispielsweise, Rostock, Stralsund, Danzig oder in den baltischen Städten säumen die Gebäude mit Überbleibsel solcher Aufzüge am Dachgeschoss zuweilen heute noch unterbruchslos ganze Gassenzüge. Natürlich sind deren zahlreiche schon lange nicht mehr in Betrieb, weil die Gebäude inwendig im Laufe der Zeit den sich wandelnden Ansprüchen gemäss umgebaut und modernisiert worden sind. Da und dort aber werden die noch vorhandenen Lastbalken auf kreative Weise «zweckentfremdet», beispielsweise für Werbung, wie es das estnische Beispiel auf dem kleinen Bild unten zeigt.

Andreas Faessler

Hinweis

Mit «Hingeschaut!» gehen wir wöchentlich mehr oder weniger auffälligen Details mit kulturellem Hintergrund im Kanton Zug nach. Frühere Beiträge finden Sie unter www.zugerzeitung.ch/hingeschaut

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