ZUG/TIEFENCASTEL

Ein Bruder des Zuger Holzengels

Über den schlanken Himmelsboten des Künstlers Andreas Hofer in Zug wurde oft berichtet. Ein beeindruckender «Artgenosse» begegnet einem auch an einer Strasse im Bündnerland.
04.03.2015 | 00:00

Die meisten Zuger erinnern sich an den schlanken Riesenengel aus Holz. Hergestellt vom Davoser Künstler Andreas Hofer, wurde die über 10 Meter hohe Skulptur mit nur einem Flügel am Rücken auf Initiative des reformierten Pfarrers Jürg Rother Ende November 2010 in Unterägeri aufgestellt. Ab Januar 2011 ist sie im Rahmen des Projekts «Engel am Weg» der Reformierten Kirche durch den Kanton Zug getingelt, war an mehreren Orten stationiert. Sogar auf dem höchsten Zuger Geländepunkt, dem Wildspitz. Seinen zumindest vorläufig endgültigen Platz hat der Holzengel beim neuen reformierten Kirchenzentrum Zug gefunden. Dort schaut er erhaben über die Chamerstrasse hinweg auf den See hinaus.

Andreas Hofers Engel stehen an mehreren öffentlichen Orten in der Schweiz. Mindestens einer davon dürfte dem einen oder anderen Zuger schon aufgefallen sein auf dem Weg ins Engadin und ihn an den Zuger Engel erinnert haben, von dem in den vergangenen vier Jahren so oft in unserer Zeitung berichtet worden ist. Am Dorfeingang von Tiefencastel nämlich, von Thusis herkommend, steht der Hofer-Engel auf unserem Bild. Genau gesagt bei der Kreuzung, wo die Strasse von der Lenzerheide her in die Julierstrasse mündet. Wie sein Zuger Kollege schaut auch er stoisch über die viel befahrene Autoroute hinweg – hier auf den gegenüberliegenden Berghang. Im Gegensatz zum Zuger Exemplar ist dieser Engel etwas weniger hoch und am Stamm nicht naturbelassen, sondern entrindet und quadratisch zurechtgesägt.

«Der Schutzengel», so ist da zu lesen, «ist das Geländer auf dem Weg jedes Menschen, besonders in der heutigen Zeit, wo wir von allen Seiten überflutet werden von Informationen, welche uns oft vergessen lassen, dass es immer Hoffnung und Licht geben wird der Schutz, um nicht aufzugeben.» Diese Botschaft Hofers hat Gültigkeit für jeden seiner hölzernen Schutzengel. Wer immer auf der Chamerstrasse fährt/geht – oder eben bei Tiefencastel vorbeikommt –, soll getrost einen Blick auf das hohe schlanke Himmelswesen werfen und der Worte gedenken. Schaden wirds nicht.

Andreas Fässler

Hinweis

Mit «Hingeschaut!» gehen wir wöchentlich mehr oder weniger auffälligen Details mit kulturellem Hintergrund im Kanton Zug nach.

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