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18.01.2017 00:00

Ein Symbol für das blühende Geschäft?

ZUG ⋅ Sie wacht prominent und doch diskret über das Geschehen in der grossen Metalli-Halle. Was die Holzskulptur darstellt, ja, dass es sich gar um ein Kunstwerk eines bedeutenden Schweizer Bildhauers handelt, dessen sind sich wohl die wenigsten bewusst.

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

Kaum jemand, der sie noch nicht gesehen hat; kaum jemand, der noch nicht unter ihr hindurch gegangen ist. Doch Hand aufs Herz: Wer könnte aus dem Stand heraus beschreiben, wie sie aussieht und was sie darstellen könnte? Dabei ist die Holzskulptur auf der «Empore» in der Haupthalle des Metalli-Centers so markant und prominent wie kaum ein anderes Objekt im pulsierenden Geschäfts- und Einkaufsviertel Zugs. Aber wie es halt so ist: Was schon lange da ist, wird schnell zum Bestandteil des Alltags und irgendwann kaum mehr wahrgenommen. So wie eben jenes dunkle Ding dort oben unter dem Glasdach.

Einen Namen oder eine Bezeichnung hat es nicht, aber betrachtet man es genauer, erkennt man unschwer, dass es sich um ein Sujet handelt, welches der Natur entlehnt ist: Es stellt eine Art Blütenknospe dar oder eine Ähre. Die ­Signatur «RB 87» am Fuss verrät auch den Urheber: Raffael Benazzi. Der 1933 in Rapperswil geborene Plastiker und Bildhauer schuf die Skulptur im Jahre 1987 für die von Hafner und Wiederkehr 1984–1987 errichtete Metalli-Überbauung. Benazzi arbeitete ab 1952 als selbstständiger Bildhauer, konzentrierte sich hauptsächlich auf die Materialien Bronze, Holz und Alabaster. Später lebte und wirkte er abwechslungsweise in der Schweiz, in Italien und den USA. Er schuf zahlreiche Kunstwerke für den öffentlichen Raum. Viele von ihnen sind biomorph, also von einem organischen Objekt aus der Natur abgeleitet. Benazzi liess sich während seiner Zeit in den USA von der dortigen urbanen Kunstszene beeinflussen, was sich auch in seinem späteren Schaffen niederschlug. Oft werden in seinen Werken sanfte runde Formen mit klaren Linien und kubischen Elementen kontrastiert. Auf die Skulptur im Metalli-Zentrum trifft dieses Wechselspiel zu, hinsichtlich der Kombination der zarten Blütenknospe mit ihrem scharfkantigen quadratischen Sockel, welcher den Fortsatz des die Empore tragenden Pfeilers bildet und in Farbe und Form die charakteristische Plattenverkleidung des Metalli-Komplexes zitiert.

Spannend an diesem Objekt ist nicht zuletzt – oder gar vor allem – dessen Wirkung angesichts der streng gegliederten Architektur. Nicht nur verleiht die über drei Meter hohe Holzskulptur der basilikalen Halle etwas Sakrales, sondern aufgrund des von oben eintretenden Tageslichts durch die Glastonne schimmert die glatte Oberfläche mattglänzend, was die organischen Formen in ihrer Wirkung markant verstärkt. Die eindeutig kurz vor dem sich ­öffnen stehende Blüte/Ähre lässt sich durchaus als Zeichen für das (auf)blühende Leben und auch der florierenden Geschäfte in diesem neuen Zentrum der Stadt Zug interpretieren.

Hinweis

Mit «Hingeschaut» gehen wir Details mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach. Frühere Beiträge finden Sie online unter: www.zugerzeitung.ch/hingeschaut

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