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25.11.2015 00:00

Ein Symbol für starke Werte

  • Die Friedenseiche im Früebüel erinnert an das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa. (© Stefan Kaiser / Neue ZZ)
    Die Friedenseiche im Früebüel erinnert an das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa. | Stefan Kaiser / Neue ZZ
WALCHWIL ⋅ Einigkeit und Treue, Kraft und Fruchtbarkeit – dafür steht die Eiche. Eine solche wurde auf dem Walchwilerberg an einem schicksalsträchtigen Tag gepflanzt.

Seit Jahrhunderten findet die Symbolik von Tieren und Pflanzen Niederschlag in fast allen Kulturen der Welt. Steht die Eule – je nach Kultur – etwa für Weisheit oder die Schlange unter anderem für Listigkeit, so symbolisiert die Biene den Fleiss, oder das Schwein bringt Glück. Noch vielseitiger zeigt sich dies in der Pflanzenwelt. Ein Herrscher wird mit Lorbeeren gekrönt, die für das ewige Leben stehen. Die Myrte schmückt ein Brautpaar, um ihm eine glückliche Ehe zu bescheren, für ihre Liebe und Fruchtbarkeit steht dafür der Apfel. Und die Symbolkraft der Bäume dient oft dann, wenn ein sichtbares Zeichen gesetzt werden soll, als Erinnerung oder Mahnung. So finden wir heute noch zahlreiche Bäume, die am Ende eines Krieges oder einer anderen Ungemach gepflanzt worden sind, um die Friedensschliessung zu besiegeln, auf dass sie für immer währe. Die populärste Baumart, welche für diesen Zweck verwendet wird, ist die Linde. Vor allem in Deutschland existieren mehrere Friedenslinden, die nach dem Deutsch-Französischen oder gar dem Dreissigjährigen Krieg gepflanzt worden sind. Oder etwa nach dem Zweiten Weltkrieg.

Auch bei uns hat man dessen Ende zum Anlass genommen, einen Baum zu pflanzen – im Früebüel auf dem Walchwilerberg. Am Ende der schnurgeraden Birkenallee direkt in der Weggabelung steht der Baum, exakt auf 986 Metern über Meer. Unter ihm ein lauschiges Bänklein. Es ist aber keine Linde, es ist eine Eiche. Auf einer Granittafel daneben stehts eingraviert: «Friedenseiche, 8. Mai 1945». Gemäss eines Walchwilers, der hier oben aufgewachsen ist, soll der Baum nach dem Entschluss von Hauptmann Hans Scheurer gesetzt worden sein. Scheurer war zur Zeit des Kriegsendes Festungswachtkommandant auf dem Früebüel. Hier existierte von 1943 bis 1988 ein Militärgefängnis. Am Tag der Einpflanzung, dem besagten 8. Mai 1945, trat die Kapitulationserklärung der deutschen Wehrmacht offiziell in Kraft, es war also exakt der Tag, an dem der Zweite Weltkrieg in Europa beendet war.

Nun steht aber eine Eiche nicht primär für den Frieden, denn das ist nach wie vor die Linde. Dennoch hat man vor allem in Deutschland auch Eichen als Zeichen des Friedens gepflanzt, gelten sie dort doch als Symbol für Einigkeit und Treue. Zwei starke Werte, die man auch in der Schweiz hochhält. Ausserdem verbildlicht die Eiche in der Pflanzensymbolik auch Eigenschaften wie Fruchtbarkeit, Kraft, langes Leben oder Stolz. All das macht die Eiche sehr wohl zu einem starken Symbol für Zeiten des Friedens.

Die Walchwiler Friedenseiche ist mit ihren 70 Jahren noch jung. Eichen können ein vierstelliges Alter erreichen. Als Symbol für Kraft und Fruchtbarkeit ist sie jedoch nicht sehr repräsentativ. Denn der Baum ist seit mehreren Jahren am Darben. Ihre relativ exponierte Lage auf rund 1000 Metern Höhe ist ungünstig, da Eichen wetterempfindlich sind und eisiges Winterwetter, das hier oben ausgeprägter ist als in der Niederung, ihnen zusetzt. Pilzbefall, Fäulnis und beschädigte Rinde machten die Eiche zu einem kranken Baum. 2010 unternahm man einen Versuch, ihn zu retten, zu gross war seine historische Bedeutung, um ihn einfach zu fällen. Er steht heute immer noch. Ob und wie lange die Friedenseiche auf dem Walchwilerberg noch am Leben bleibt, wird sich zeigen.

Andreas Faessler

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