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28.12.2016 08:55

Ein ungleiches Paar

  • Das Bruderhaus und die Heiligkreuzkapelle haben beide eine bewegte Baugeschichte. Schlicht und elegant erscheint das Innere der Kapelle.
    Das Bruderhaus und die Heiligkreuzkapelle haben beide eine bewegte Baugeschichte. Schlicht und elegant erscheint das Innere der Kapelle.
BAAR ⋅ Sie nehmen sich zurück, das Bruderhaus und die Heiligkreuzkapelle am Abhang der Baarburg. Beide wurden sie mehrfach um- und neu gebaut. Vieles erinnert an ihre Ursprünge, und alles an ihnen ist sehenswert.

Brigitte Moser, Kunsthistorikerin

redaktion@zugerzeitung.ch

Am westlichen Abhang der Baarburg, dem prägnanten Hügel mit der flachen Kuppe, stehen das Bruderhaus und die Heiligkreuzkapelle. Am Waldrand auf der grünen Wiese, schräg gegenüber dem Schiessstand Wishalde gelegen, bemerkt man sie erst beim zweiten Hinschauen. Rein optisch könnten sie unterschiedlicher nicht sein, und doch gehören sie ganz eng zusammen.

Im Mittelalter liessen sich hier Beginen und später Begarden nieder. Frauen und Männer einer christlichen Gemeinschaft also, die kein Ordensgelübde ablegten und nicht in Klausur lebten, suchten hier Ruhe und Einsamkeit. Seit 1548 ist ein Bruderhaus belegt, das die Dorfgemeinde den «Bruederhüslern» – wie die Begarden in den Quellen genannt wurden – zur Verfügung stellte. Im Gegenzug hatten diese Aufgaben in der Pfarrei zu übernehmen: «Der ‹Bruederhüsler› wurde jedes Jahr an der Weihnachtsgemeinde der Dorfgemeinde, der heutigen Korporation Baar-Dorf, neu gewählt. Er war Gehilfe des Sigrists und des Totengräbers, musste eine bestimmte Anzahl Gebete für die Pfarrei verrichten und war später auch zuständig für den Sigristendienst in der Heiligkreuzkapelle», erklärt Philippe Bart, Gemeindearchivar von Baar.

Im Laufe der Jahrhunderte baute man das Bruderhaus immer wieder um. Erst in jüngster Zeit, nämlich 1985, wurde der Kantholzständerbau, in dem noch Teile des ursprünglichen Holzbaus aus dem Mittelalter schlummerten, durch einen Neubau ersetzt. Dabei richtete man sich nach dem Bautyp und den inneren Strukturen des Vorgängerbaus. In ihm war ursprünglich und bis 1737 auch eine Kapelle eingerichtet. In diesem Jahr liess die Dorfgemeinde das Bruderhaus umbauen und die Kapelle ganz in der Nähe als eigenständigen Bau neu errichten. Deren Weihe erfolgte 1742 durch den Weihbischof von Konstanz. Wegen der ungünstigen Beschaffenheit des Untergrunds und baulicher Mängel wurde diese erste Kapelle nur gerade vierzig Jahre später bereits wieder abgerissen. Wenige Meter entfernt errichtete man einen Nachfolgebau. Baumeister war der bekannte Martin Elgass aus dem Allgäu. Der 1780 geweihte Sakralbau überdauerte, immer mal wieder renoviert, bis heute.

Die schlichte Heiligkreuzkapelle zeichnet sich aus durch das kleine Schiff mit dem wenig eingezogenen, gerade geschlossenen Chor, das steile Satteldach und den feinen Dachreiter mit Spitzhelm. Charakteristisch ist die elegant mit Korbbögen geöffnete, grosse Vorhalle. Hier, wo man geschützt innehalten kann und wo sich eine herrliche Weitsicht über den Baarer Boden offenbart, befindet sich der Eingang. Das Türgewände und die kleinen Seitenfenster in dieser Fassade gehörten zur ursprünglichen Kapelle und fanden hier Wiederverwendung. Auf dem Portalsturz ist die Jahreszahl 1778 sichtbar. Dabei wurde diese einfach über die darunter noch erkennbare Jahreszahl 1738 des Originalbaus gemeisselt. Die Eichentür stammt von 1772, wie das darin eingeschnitzte Datum nahelegt. Die über der Tür aufgemalten Initialen DB stehen für «Dorfgemeinde Baar» und benennen die Kapelleneigentümerin.

Der kleine Innenraum erfreut durch nüchterne Eleganz: Das Schiff und der Chor scheinen durch die runden Verschleifungen an den Raumübergängen zu verschmelzen. Die Tonnengewölbe sind mit einfachen Stuckspiegeln bespielt. Beide Gestaltungselemente sind typisch für den Baumeister Martin Elgass, der auch verschiedene Landkirchen im Luzernischen in diesem Stil baute. Blickfang im schlichten, hellen Raum ist der schmucke Altar von 1738. Er wurde ebenfalls von der alten Kapelle übernommen und im Laufe der Zeit mehrfach verändert und umgestaltet. Original ist noch das filigrane, geschnitzte Wundenkruzifix in der Mittelnische. Darüber strahlt in einer runden Öffnung Gottvater mit der Heiliggeisttaube. Die umspielenden Engelchen stammen aus dem 17. Jahrhundert – sie sind also älter als der Altar selbst – und wurden im 18. Jahrhundert neu weiss gefasst. Der ornamentale Zierrahmen über der Mittelnische umkränzt das Wappen der Familie Andermatt; Hauptmann und Ratsherr Leonz Andermatt von Baar stiftete den Altar.

Bruderhaus und Heiligkreuzkapelle – ein hölzernes Wohnhaus und ein steinerner Sakralbau – sind ein optisch ungleiches Paar. Ihre Wurzeln aber sind dieselben, und gemeinsam ist somit ihre Geschichte. Eine lebendige Geschichte, die dann erzählt wird, wenn man sich auf die Begegnung einlässt.

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