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08.02.2017 07:51

Eine kleine Rebellion in Rot

  • Ein Kontrastakzent zur streng gradlinigen Architektur: Roland Heinis tiefrotes «Objekt» bei den Verwaltungsgebäuden am Aabach rückt bei frontaler Betrachtung leicht aus der eigenen Mittelachse hinaus. Bild: Stefan Kaiser (6. Februar 2017)
    Ein Kontrastakzent zur streng gradlinigen Architektur: Roland Heinis tiefrotes «Objekt» bei den Verwaltungsgebäuden am Aabach rückt bei frontaler Betrachtung leicht aus der eigenen Mittelachse hinaus. Bild: Stefan Kaiser (6. Februar 2017)
ZUG ⋅ Der nüchternen Strenge gradliniger Architektur Paroli bieten – das soll die auffällige Stahlplastik auf dem Platz vor den Verwaltungsgebäuden am Aabach. Es gelingt ihr ganz gut.

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

Die 1991 errichteten Verwaltungsgebäude an der Aabachstrasse lässt man aus ästhetischer Sicht wohl vornehmlich links liegen – zumindest dem Schreibenden geht das so. Zu farblos sind die streng gegliederten Fassaden mit ihrer durchgehend rechtwinkligen Struktur und ausschliesslich geraden Linien, um explizit Aufmerksamkeit zu erregen. Und das alles in allmählich leicht verwittertem Grau. Einladend sieht irgendwie anders aus. Seit dem Bau des Quartiers Grafenau Nord Ende der 1990er-­Jahre bildet das Verwaltungsensemble immerhin einen archa­isch wirkenden Abschluss der entstandenen Gebäudeflucht.

Und Bestandteil dieses Abschlusses ist ein auffälliges Objekt, das sich gegen die architektonischen Strukturen hier aufzulehnen scheint – in Farbe und Form. Der gebürtige Luzerner Künstler Roland Heini (*1960) hat mit seinem so genannten «Objekt» eine Art Gegenpol zur rundum herrschenden Gradlinigkeit geschaffen und auf den Platz vor dem Eingangsbereich der beiden Gebäude gesetzt – Rot wie die Sünde. Aus Stahlblech gefertigt, vereint die Plastik in sich zwar ebenso eine klare Regelmässigkeit und Strukturiertheit wie die Architektur der Kulisse, aber einerseits steht ihre zylin­drische Form im kompletten Gegensatz dazu, und andererseits durchbricht sie all die Rechtwinkligkeit, indem sie leicht, aber deutlich sichtbar von ihrer vertikalen Achse abrückt, sich gegen rechts neigt. Je nach Standort und Blickwinkel des Betrachters scheint der Turm demnächst seitlich wegzukippen – je weiter links man steht, desto schiefer scheint der Zylinder. Bewegt man sich aber Richtung Aabachkreisel, erscheint er plötzlich wieder kerzengerade. Sehr raffiniert. Das «Objekt» fusst auf einem Stahlrohr und gleichzeitig auf einem schlanken Betonmauerstück, welches die quadratische Plattenverkleidung der umliegenden Fassaden zitiert, allerdings weder im rechten Winkel noch parallel zu Gebäudekanten oder Treppe steht. Apropos: Spannend ist ferner, dass die Skulptur nicht einfach auf die Ebene des Platzes gesetzt, sondern auf den oberen Treppenstufen des vorgelagerten Aufgangs platziert ist – neben Farbe und Form ein weiterer Aspekt, der das Spannungsfeld zwischen der architektonischen Gradlinigkeit und der Beschaffenheit des «Objekts» verstärkt.

Erst auf den zweiten Blick überdies erkennt der Betrachter, dass die sieben roten Scheiben jeweils auf einem eingerückten Zwischenstück liegen. Diese sind gegen oben hin verjüngend angeordnet, sprich, haben einen kleiner werdenden Durchmesser. So wirkt die Plastik im oberen Bereich trotz ihrer Schwere luftiger. Stellt man sich direkt unter den Zylinder, erkennt man überrascht, dass es sich bei diesen Zwischenstücken in Tat und Wahrheit um einen gegen oben offenen ­Kegel handelt, um welchen sich die vermeintlichen Scheiben demzufolge als Ringe schliessen.

Der aus Sursee stammende Roland Heini findet seine Inspiration in Strukturen, die im Kontext mit der Existenz des Menschen stehen. Seien es architektonische Formen oder Vorlagen aus Industrie und Technik – er fasst sie auf, ordnet sie, selektiert, grenzt sie ein oder multipliziert sie. Heini verwendet hauptsächlich industriell hergestelltes Material. Im Zuge seiner Arbeit kann sich eine Kontinuität oder ein gegliederter Prozess auch verändern und vom eigentlichen Thema abrücken.

Nach einer Lehre als Chemielaborant studierte Roland Heini Dreidimensionales Gestalten an der Kunstgewerbeschule Luzern. Danach folgte eine Weiterbildung an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Heini lebt und arbeitet heute in Zürich. Er führte viele Aufträge für den öffentlichen Raum aus – zahlreiche davon in seinem Heimatkanton Luzern.

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