UNTERÄGERI

Halbkreisförmige Ästhetik über der Lorze

Die Steinbogenbrücke bei der Schwelli zeugt von der historischen Erschliessung der Bergregionen. Seit rund 170 Jahren überspannt sie den noch jungen Flusslauf.
17.02.2016 | 05:00

Der Lorzenabschnitt oberhalb Neuägeri trägt die zungenbrecherische Bezeichnung Mülischwändischwelli. Mit Schwelli – so lautet auch die Bezeichnung für die hiesige Häusergruppe der Hauptstrasse entlang – meint man ein Flusswehr, eine Stauvorrichtung, wie sie an dieser Stelle der Lorze zu sehen ist. Sie diente und dient dazu, das Wasser der Lorze in einen künstlich angelegten Kanal zu leiten, der die 1845 erbaute und bis 1969 in Betrieb stehende Spinnerei Neuägeri speiste. Mülischwändi respektive einstmals Mühleschwende heisst der Hof oberhalb des linksseitigen Lorzenufers bei der Schwelli.

Die Mülischwändi und die weiter oben liegenden Fluren Zigermoos und Hünggi werden ausgehend von der Hauptstrasse Zug–Ägerital über eine bemerkenswerte Steinbogenbrücke über die Lorze direkt oberhalb der Schwelli erschlossen. Die Brücke liegt auf ziemlich genau 700 Metern über Meer und war bis vor wenigen Jahren wegen der dichten Uferbewachsung der Lorze kaum zu sehen. Schliesslich beträgt ihre Spannweite gerade mal fünf Meter, mit gut dreieinhalb Metern ist sie jedoch verhältnismässig breit. Seit der Erneuerung der Schwelli und der Uferpartien im Jahre 2011 ist die Brücke von der Hauptstrasse her wieder bestens sichtbar. Eine kleine Infotafel am erneuerten Brückengeländer verrät, dass der historische Übergang Mülischwändibrugg heisst und 1849 erbaut worden ist. Etwas abweichende Angaben lassen sich dem Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz entnehmen. Hier wird die Brücke St.-Jakobs-Brugg genannt und soll bereits 1845 errichtet worden sein und seit 1996 wegen Reparaturarbeiten von ihrer ursprünglichen Gestalt geringfügig abweichen.

Bei der Mülischwändibrugg handelt es sich um ein sehr schönes Beispiel einer schlichten Steinbogenbrücke in althergebrachter Bauweise, wie man sie bereits im Altertum angewendet hat. Man griff auf die Form eines halbkreisförmigen Bogens zurück, weil dadurch die Tragfähigkeit viel grösser ist als bei flacheren Bogenvarianten. Letztere wurden seit dem Spätmittelalter bevorzugt, um eine grössere Spannweite zu erreichen, was bei der Mülischwändibrugg wegen der hier noch jungen Lorze und deren geringer Flussbreite nicht nötig war.

Aus ästhetischer Sicht ist die Mülischwändibrugg in Neuägeri sicherlich eines der schönsten Brückenbeispiele im Kanton Zug aus dem 19. Jahrhundert und gleichsam ein bedeutender und erhaltenswerter Zeitzeuge, was die Geschichte der Erschliessung der Zuger Bergregionen betrifft.

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