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05.10.2016 05:08

Liebe, Respekt und die Freude am Leben

  • Hans Potthofs Mosaik an der Turnhalle Städtli in Cham verkündet eine Friedensbotschaft. Bild: Andreas Faessler (28. Juli 2016)
    Hans Potthofs Mosaik an der Turnhalle Städtli in Cham verkündet eine Friedensbotschaft. Bild: Andreas Faessler (28. Juli 2016)
CHAM ⋅ Kunst am Bau der Nachkriegszeit: Eine tote weisse Wand wird lebendig. Vor allem wegen der gestalterischen Einfachheit ist die wichtige Botschaft des Werks so gut verständlich.

Der jüngeren Generation ist der Name Hans Potthof kaum mehr geläufig. Zumindest vielen älteren Zugern aber dürfte der schaffenskräftige Künstler (1911–2003), der national und international Ansehen genoss – und in Kennerkreisen nach wie vor geniesst, noch lebhaft in Erinnerung sein. Die Zahl an Werken, die der bekannte Zuger schuf, bewegt sich wohl im vierstelligen Bereich. Hans «Johnny» Potthofs hinterlassenes Werk umfasst hauptsächlich Aquarelle und Gouachen, ferner eine Vielzahl an Ölgemälden, Lithos und Zeichnungen. Während sich das meiste davon heute in Privatbesitz oder Museumssammlungen befindet, ist Potthof in der Region Zug dennoch an einigen öffentlichen Orten gut sichtbar gegenwärtig. Man müsste sich dessen lediglich besser bewusst sein.

 

Mehrere Wandbilder und Kunst-am-Bau-Objekte haben die Zeit überdauert und zeugen vom oft farbenprächtigen Schaffen Potthofs. So erhielt der Künstler während Jahrzehnten wiederholt Aufträge, an und in öffentlichen Einrichtungen im Kanton Zug einen künstlerischen Akzent zu setzen. So stösst man bis heute unter anderem in mehreren Schulanlagen des Kantons auf Werke Potthofs, von denen auch im Rahmen der «Hingeschaut»-Serie bereits wiederholt Beispiele in Erinnerung gerufen worden sind.

Diesmal richten wir das Augenmerk auf eine Arbeit Potthofs, welche zwar grossformatig und somit nicht unauffällig ist, sich aber dennoch aus dem Blickfeld des Vorbeikommenden zu entziehen droht. Einerseits, weil der Standort ein in sich weitgehend geschlossenes Schulareal ist und andererseits, weil ein 1994 fertiggestellter Erweiterungsbau mit Überdachung des Eingangsbereiches seither den freien Blick auf das Kunstwerk beeinträchtigt.

 

Es handelt sich um das Mosaik «Lebensfreude und Liebe» an der Südfassade der 1959 erbauten Turnhalle auf dem Schulareal Städtli in Cham. Das Werk erstreckt sich über die gesamte, ansonsten völlig schmucklose Fassade bis unter den Ortgang des Daches. Es ist aus Keramikmosaiksteinen angefertigt. Dem Künstler war zu eigen, dass er für seine Kunst-am-Bau-Projekte nicht nur die fertigen Entwürfe lieferte, sondern sie auch gleich eigenhändig ausführte. Potthof war mit den jeweiligen Techniken bestens vertraut.

Potthofs Mosaik in Cham umfasst fünf Motive, welche die Freude am Dasein, das Miteinander zwischen Menschen sowie deren Respekt vor Flora und Fauna aufgreift. Eine Person musiziert, eine andere erfreut sich an einer Blume, ein Schafhirte wacht über seine Tiere, und eine Gruppe von Menschen mit unterschiedlicher Hautfarbe existiert neben- und miteinander. Das Motiv der weissen Taube in dreifacher Ausführung steht für den Frieden. Womöglich war es der Wunschtraum Potthofs, dass diese friedvolle heile Welt immerwährend sein möge, sodass er symbolisch die Uhr mit ins Werk einbezogen hat. Über all dem wacht beschützend ein helles Engelswesen.

Mensch und Tier spielen in diesem farblich fein komponierten Werk die zentrale Rolle. Dies hebt Potthof hervor, idem der den Figuren innerhalb der weitgehend homogenen Farbflächen mit Steinen in einem dunkleren Ton derselben Farbgattung eine Art Aura verleiht. Das erzeugt eine gewisse Tiefenwirkung, was das zweidimensionale Mosaik wiederum noch lebendiger – und doch ruhig und harmonisch – erscheinen lässt. Die dargestellten Motive weisen eine einfache, stark reduzierte Konturenführung auf, die Formen erscheinen rudimentär und aufs Wesentliche beschränkt, was in diesem Fall nicht zuletzt dem «Publikum» geschuldet ist: Kinderaugen verstehen so am besten die Botschaft von «Lebensfreude und Liebe».

 

Hinweis

Mit «Hingeschaut!» gehen wir Details mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach. Frühere Beiträge finden Sie online unter www.zugerzeitung.ch/hingeschaut

Andreas Faesslerandreas.faessler@zugerzeitung.ch

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