ZUG

Nach der Katze kam der Fisch

Der Brunnen am Fischmarkt gehört zu den ältesten Brunnenanlagen der Stadt. Aber erst 1956 erhielt er endlich seinen heutigen Hecht.
27.04.2016 | 00:00

Wie fast alle mittelalterlichen Städte weist auch Zug eine reiche Brunnenvielfalt auf. Einige haben ihr historisches Gesicht bewahren können, andere sind erneuert und modernisiert worden. Der Hechtbrunnen am Fischmarkt erhielt seine heutige Gestalt in den 1950er-Jahren, doch gehört er zu den ältesten Brunnenanlagen der Stadt. In der historischen Topografie des Kantons Zug ist zu lesen, dass der Hechtbrunnen am Fischmarkt bereits um 1513 bestand. Der Name dieser prominenten Altstadtgasse, die vom Zytturm zum See führt, weist auf ihre Bestimmung hin: Hier wurden einst Fische an den Mann gebracht. Selbstredend, dass die Marktleute eine Stelle brauchten, wo sie ihre Ware säubern konnten. Diese Funktion erfüllte der Hechtbrunnen. Als der Brunnen um 1670 erneuert wurde, versah man den Brunnenstock mit einer Skala, an der man die Fische auch gleich messen konnte.

Im Jahre 1857 wurde die Brunnenanlage abermals ersetzt. Dem Zeitgeschmack entsprechend, versah man den Trog mit einer stolzen, aufrechten Löwenskulptur aus Sandstein. Diese blieb hier nur elf Jahre stehen – man versetzte den Löwen kurzerhand aufs Zollhaus am Kolinplatz, wo er seither die Giebelspitze krönt. Um 1956 erhielt der Hechtbrunnen seine heutige Figur: einen knienden Jungen, der einen grossen Hecht als Wasserspeier hält.

Die Skulptur war eines der letzten grösseren Werke des österreichischen Bildhauers und Medailleurs Andreas Kögler, der um 1919 nach Zug umsiedelte und hier kurz nach Fertigstellung der Brunnenfigur starb. Weniger als ein Jahr nach seinem Tod – am 28. April 1957 – wurde der Hechtbrunnen beim Gasthaus Hecht am Zuger Fischmarkt nochmals erneuert. Köglers Figur wurde übereck zum Bassin platziert. Bis heute ist der schmucke Brunnen ein Blickfang am unteren Fischmarkt geblieben.

Andreas Kögler, 1878 in Graz geboren, war übrigens einer von zwei in Zug lebenden Künstlern, welche die ka­tholische Antonskirche in Zürich massgeblich mitgestaltet haben. Von ihm stammen beispielsweise die Bronze­reliefs des Kanzelkorbes. Der andere Zuger war Johann Friedrich Kunz, der das monumentale Apsisgemälde geschaffen hat («Hingeschaut!» vom 6. November 2013). Von Kögler stammen neben skulpturalen Werken auch zahlreiche Bronzereliefs an Grabmälern unter anderem in Wien und vor allem in Zug. Das Museum Burg Zug verfügt in seinem Bestand über eine Kögler-Tonskulptur «Christus am Kreuz». Immer wieder wechseln Werke Köglers in Auktionen den Besitzer und erzielen dabei stolze Preise. Am 16. Juli 1956 verstarb der erfolgreiche Bildhauer im Alter von 78 Jahren in Zug.

Andreas Faessler

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