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30.03.2016 00:00

Odermatts eiserne Symbole der vier Gemeinden

  • Vier gibt es von ihnen an der Poststrasse 16: Gradlinig wirken Odermatts Eisenskulpturen.
    Vier gibt es von ihnen an der Poststrasse 16: Gradlinig wirken Odermatts Eisenskulpturen. | Bild Andreas Faessler
ZUG ⋅ Aussen identisch, doch mit unterschiedlichem «Innenleben» sind die vier Doppelstelen, welche den Sitz der Korporation Zug im Boden zu verankern scheinen.

Es war im September 1995, als die Korporation Zug ihr neues Quartier bezog. Nach fast zweijähriger Bauzeit war das Gebäude an der Poststrasse 16 vollendet. Das schlicht und zweckmässig, aber dennoch ästhetisch gestaltete sechsgeschossige Haus an der Ecke Poststrasse/Guggiweg beherbergt Wohnungen, Gewerberäume sowie Büros der Korporation.

Die Korporation Zug legt bei Neubauten stets Wert auf das Thema «Kunst am Bau». So war auch bei der Planung ihres Gebäudes an der Poststrasse eine künstlerische Komponente Bestandteil des Ganzen. Auf eine Wettbewerbsausschreibung folgten die Vorschläge von fünf Künstlern, von welchen das Konzept «Vier Elemente» des bedeutenden Nidwaldner Eisenplastikers Josef Maria Odermatt (1934–2011) den Zuschlag erhielt. Es sind dies vier Stelenpaare aus Eisen, welche in den horizontal vortretenden Gebäudesockel – dieser wirkt für den Betrachter wie eine kniehohe Umfriedung des Gebäudes – so eingefügt sind, dass sie auf Gehsteighöhe fussen. Zwei Paare befinden sich auf Seite Poststrasse und deren zwei auf Seite Guggiweg.

Die vier Stelenpaare symbolisieren die vier öffentlich-rechtlichen Gemeinden der Stadt Zug: die Einwohner-, die Bürger-, die Kirch- und die Korporationsgemeinde. Sie betonen mit ihrer Platzierung die vier Fassadenpfeiler, welche durch ihre Verkleidung mit Rosa-Porrino-Granitplatten als solche hervorgehoben sind. Die Sockelmauer, in welche die Skulpturen eingefügt sind, weisen dieselbe Verkleidung auf. Die Eisenelemente vermitteln mit ihrer mannshohen Gestalt eine kreative Abgrenzung des Verwaltungsbezirkes der Korporation zum öffentlichen Raum.

Aus einem Winkel betrachtet, dominieren jeweils die grossflächigen Seiten der einzelnen, mittlerweile von Korrosion geprägten Stelenpaare: Ihre Tiefe wird so gut ersichtlich. Betrachtet man sie direkt vor ihnen stehend – so wie auf unserem Bild –, so wirken sie schlank und luftig. Nur die «Innenleben» der vier Skulpturen unterscheiden sich voneinander. Die Anordnung sowie die freien Formen der ein bis zwei inneren Elemente nehmen Bezug auf die Aufgaben und die Aktivitäten der Korporationsverwaltung. Eine detaillierte Beschreibung dieser Zwischenelemente würde den Rahmen dieses Beitrags jedoch sprengen. Es lohnt sich, beim Vorbeigehen einen vergleichenden Blick zwischen die Stelen zu werfen.

Josef Maria Odermatts Plastiken bestehen vorwiegend aus Vierkanteisen und/oder Eisenplatten. Die Schweisstechnik wandte er erst seit Anfang der Neunzigerjahre anstelle des Schmiedens vermehrt an. Im Zuge dieser neuen Verfahrensart entstanden in seinem Atelier häufiger Skulpturen aus rechteckigen Stelen, wie sie bei den «Vier Elementen» am Korporationsgebäude vorzufinden sind. Die Schweisstechnik ermöglicht eine blockhaftere Geschlossenheit einer derart kantigen, gradlinigen Eisenskulptur. Sprich, die Einzelteile sind weniger als solche mehr auszumachen, als dass alle vier Teile des Kunstwerkes wie aus einem Guss gefertigt erscheinen.

Schlussendlich waren es die wohlüberlegte Positionierung des Kunstwerkes sowie die skulpturelle Verdichtung zwischen dem Fussgängerbereich und der vertikalen Gebäudestruktur, welche die Jury bei der Werkwahl einerseits überzeugten. Und andererseits gefiel ihr Odermatts Einfall, den hervortretenden Sockel des Gebäudes durch die klaren Proportionen der «Vier Elemente» zu verstärken und den Bezug zum Betrachter in eine künstlerische Dimension zu erweitern.

Andreas Faessler

Hinweis

Mit «Hingeschaut!» gehen wir wöchentlich mehr oder weniger auffälligen Details mit kulturellem Hintergrund im Kanton Zug nach. Frühere Beiträge finden Sie unter: www.zugerzeitung.ch/hingeschaut

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