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01.06.2016 00:00

Rosenlaube und Brombeerhecke

  • Im «Schnapstürmli», am Rande des prächtigen Ziergartens 
des Zurlaubenhofs, hat sich der Hausherr gerne einen genehmigt. (© PD)
    Im «Schnapstürmli», am Rande des prächtigen Ziergartens des Zurlaubenhofs, hat sich der Hausherr gerne einen genehmigt. | PD
ZUG ⋅ Eine Besonderheit des Zurlaubenhofs ist der Architekturgarten, der von Bauernland umgeben ist. Ein Merkmal, das sich im Garten selbst widerspiegelt: Er ist parkähnlicher Ziergarten und Nutzgarten zugleich.

Herrschaftlich und prächtig, eingebettet in eine Wiesen-, Baum- und Gartenlandschaft, präsentiert sich der Zurlaubenhof an der Hofstrasse. Als Sitz des bekannten Zuger Patriziergeschlechts Zurlauben war er immer Herrenhof und Bauernhof zugleich. Seit den Anfängen wurde das Anwesen mehrfach umgebaut und verändert, so auch der Garten. Dieser spiegelt heute in seiner bunten Vielfalt als Zier- und Nutzgarten die Geschichte des Landgutes.

Der Zurlaubenhof wurde von 1597 bis 1621 im Auftrag von Konrad Zurlauben durch den bekannten Zuger Baumeister Jost Knopfli erbaut. Der einzigartige Festsaal und das Renaissancezimmer aus dieser Zeit über­dauer­ten bis heute. Die kleine Kapelle neben dem Herrenhaus wurde 1623 errichtet. 1747 gestaltete man den Repräsentationsraum im Obergeschoss des hinter dem Herrenhaus gelegenen Pächterhauses zum eleganten Rokokosaal um. Dieser wird auch Gartensaal genannt, denn die Fensterfront öffnet sich zum wunderschönen Springbrunnengarten hin. Die Scheune im Süden der Anlage wurde – damals als grösste im Kanton Zug – 1832 erbaut.

Die ersten Gärten um den Hof dürften Mitte des 17. Jahrhunderts angelegt worden sein. Auf dem älteren Zuger Staatskalender von 1675 sind – wie für die Zeit der Renaissance typisch – zwei in sich geschlossene, nebeneinander liegende Gartenräume dargestellt: der obere Herrschaftsgarten südlich des Herrenhauses und das tiefer gelegene Gartenparterre vor der Hauptfassade zum See hin. Der Bauerngarten befand sich südlich des Pächterhauses und war von beiden Ziergärten getrennt. Vorbild für die Gestaltung der Herrschaftsgärten waren – wie damals für viele Landsitze der Patrizierfamilien in der Innerschweiz – die Gärten französischer Schlösser. Da die Zurlauben als Offiziere in französischen Diensten standen, kannten sie deren Formensprache: Im unteren, in geometrischen Grundformen angelegten Ziergarten gab es in der Mitte einen Springbrunnen. Der obere Ziergarten war von einer Mauer mit Ecktürmchen umgeben, und an den Mauern und Wänden kletterten an Holzgittern Spalierbäume, Reben und Efeu empor. Eines dieser Ecktürmchen – das mittlere von ursprünglich dreien – existiert heute noch: das sogenannte «Schnapstürmli». Heinz Greter, Autor eines Beitrags über den Garten des Zurlaubenhofs in der Publikation «Nutzen und Zierde. Fünfzig historische Gärten in der Schweiz» erklärt: «Zu diesem Namen kam es erst im 20. Jahrhundert, und zwar, weil der Hausherr am Feierabend gerne mit Kollegen im Stübchen im Obergeschoss ein Schnäpschen getrunken hatte. Das Türmchen, in dem auch drei Schlüssellochscharten eingebracht sind, hatte keine militärische Funktion, sondern war Teil eines zeittypischen emblematischen Programms.»

Im 18. Jahrhundert erfuhr die ursprüngliche Gartenanlage grundlegende Veränderungen. Der obere Garten wurde vergrössert und die Umfassungsmauer mannshoch erhöht. Nach französischem Vorbild legte man ein barockes Broderie-Parterre an: Dabei versetzte man den Springbrunnen des unteren Gartens nach oben und dressierte die Fläche mit Buchs. Im unteren Garten entstand ein vielfältiger Zier- und Nutzgarten. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Gärten erneut umgestaltet: Im oberen Garten trug man die mächtige Mauer wieder deutlich ab und pflanzte eine Rasenfläche um den sechseckigen Springbrunnen. Um die Jahrhundertwende wurde ein kleines Wäldchen mit Föhren, Zypressen, Stechpalmen, Kirschlorbeer und Eibe angelegt. Dieses sogenannte «boschett», das noch heute das Erscheinungsbild des Zurlaubenhofs prägt, diente als Abgrenzung gegen die neu entstehenden Industriebauten von Landis & Gyr an der Hofstrasse. Der barocke Ziergarten hatte sich zum zeittypischen, mit Tischen und Bänken möblierten Wohngarten entwickelt. Im unteren Garten indes übernahm man dessen ehemalige barocke Formensprache: Hier wurde ein französischer Parterregarten mit Buchsrondellen und -einfassungen in Verbindung mit Blumen- und Gemüsebeeten angelegt. Es entstand der heute noch bestehende Nutz- und Ziergarten mit der prachtvollen Rosenlaube auf der einen Seite und der Brombeerhecke auf der anderen Seite.

Die zweiteilige Gartenanlage des Zurlaubenhofs geht in ihrer Grundstruktur auf den Ursprungsbau zurück. Im Laufe der Zeit erfuhren die Gärten, dem Geschmack der Zeit folgend, innere Umgestaltungen. Aus den einstigen Ziergärten sind auch Nutzgärten geworden. Das unter kantonalem und nationalem Denkmalschutz stehende Herrenhaus mit seinen Gärten ist jeweils am 1. August geführt zu besichtigen.

Brigitte Moser, Kunsthistorikerin

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