Home
12.08.2015 00:00

Sie heisst «Hongkong»

  • Aus viel Grün ragt die stattliche Villa Hongkong
hervor. Rechts das Turmdach des Chalets Alpina.
    Aus viel Grün ragt die stattliche Villa Hongkong hervor. Rechts das Turmdach des Chalets Alpina. | Bild Maria Schmid
ZUG ⋅ Eine stattliche Villa hat von ihrem heimgekehrten Erbauer, einem wohlhabenden Uhrmacher, ihren exotischen Namen bekommen.

Man nimmt sie kaum wahr, die Reihe an bemerkenswerten Villenbauten am Oberwiler Kirchweg. Versteckt hinter viel Grün an einer Strasse mit Fahrverbot – sind sie Zeugen des Zuger Grossbürgertums in der Zeit um die Jahrhundertwende. Errichtet in der Zeitspanne von 1898 bis 1906, zitieren sie ganz unterschiedliche Architekturtypen, was wohl vom Geschmack des jeweiligen Bauherrn zeugt. Die Villa Sonnhalde beispielsweise, das erste Gebäude am Weg, entspricht am ehesten dem damals gängigen Stil des Historismus, gründerzeitliche Zierelemente auffassend. Auffallender hingegen ist das dritte Gebäude, das Chalet Alpina, welches – die Bezeichnung verräts – im rustikalen Schweizer Heimatstil mit viel Holz gehalten ist. Der markanteste Teil ist sein turmartiger Gebäudeaufsatz.

Wir schauen uns jetzt aber das zweite Gebäude in der Reihe etwas genauer an. Auch hier überragt ein Gebäudeteil die anderen, wenn auch marginal. Das aufgesetzte Helmdach jedoch markiert diesen Risalit deutlich als Turm. Während die Bezeichnungen der Nachbargebäude Sonnhalde und Alpina – recht herkömmlich scheinen, ist unser Gebäude mit dem Namen Villa Hongkong doch etwas aussergewöhnlich. Der Architekt Gustav Adolf Müller erbaute den Wohnsitz für den Zuger Uhrmacher Julius Keiser (1847–1930), Sohn des Franz Josef Keiser (1816–1896), ebenfalls Uhrmacher. Keiser Junior wirkte fast ein Vierteljahrhundert in Hongkong, wo er sein Handwerk ausübte. In Erinnerung an diese Zeit gab er dem Haus diesen für hiesige Gewohnheiten exotischen Namen.

Nun hat die Villa jedoch weder geschwungene Dachsparren, wie sie etwa chinesische Pagoden aufweisen, noch flankieren Wächterlöwen den Eingang. Das Erscheinungsbild des Gebäudes orientiert sich an einem heute nicht mehr existenten herrschaftlichen Haus im St. Galler Nobel-Wohnquartier Rosenberg. Seit 1990 steht die Zuger Villa unter Denkmalschutz. Eine umfassende Renovation brachte den Glanz alter Zeiten zu Tage. Die Räume des Hauses zeigen sich repräsentativ für den offensichtlichen Wohlstand des Bauherrn. Edle Parkett- und Plattenböden, kostbare Holzvertäfelungen, feine Stuckie­rungen, farbenfrohe Zierranken und qualitätvolle Fenstermalereien zeugen von Keisers gehobenem Wohnstandard.

Andreas Faessler

Hinweis

Mit «Hingeschaut!» gehen wir wöchentlich mehr oder weniger auffälligen Details mit kulturellem Hintergrund im Kanton Zug nach.

Kommentare

Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!

Meist gelesene Artikel

Stau auf der Seebrücke in der Stadt Luzern.
VERKEHR

Luzern – eine unerreichbare Stadt?

Der tödliche Unfall ereignete sich im Sonnenbergtunnel in südlicher Fahrtrichtung.
STADT LUZERN

Cabriolet-Fahrer stirbt nach Unfall im Sonnenbergtunnel

Die ersten Pirouetten auf dem Eisfeld beim KKL können ab Samstag gedreht werden.
LUZERN

Vorweihnächtliches Angebot: Vier Märkte, ein Eisfeld und Besinnliches

Die Zuger Marisa Gnos und Oliver Müller in der Kategorie Sie und Er (links). Simon Stalder vom TV STV Rickenbach (oben) am Barren und Nicole Strässle vom BTV Luzern am Boden.
GERÄTETURNEN

Schweizer Meisterschaften: «Wahnsinnig, diese Innerschweizer»

Es weihnachtet in der Mall – sicher auch zur Freude ausländischer Touristen.
SHOPPING

Erst auf den Pilatus – dann in die Mall?

Stéphanie Berger, hier an einem letztjährigen Auftritt in Hergiswil, sagt ihre Show in Luzern aus gesundheitlichen Gründen ab.
LUZERN

Stéphanie Berger sagt Auftritt in Luzern ab

Am Montag folgte die Replik von Walkers Verteidiger, Linus Jaeggi (links).
URI

Fall Walker: Verteidiger zieht Kronzeugin in Zweifel – Oberstaatsanwalt schiesst zurück

«Bei allem Respekt für die FDP» bedaure sie den Abbruch der Sondierungsgespräche durch die Liberalen, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Nacht auf gestern in einer Erklärung der Unionsparteien.
DEUTSCHLAND

Merkel gibt sich nicht geschlagen

Eine Patrouille der Luzerner Polizei: Laut dem Kommandanten braucht es mehr Personal.
LUZERNER POLIZEI

Das Polizeikorps wächst nicht gleich schnell wie unsere Bevölkerung

Russland hat nunmehr die internationalen Befürchtungen bestätigt, dass es an zahlreichen Messstationen des Landes extrem hohe Werte von radioaktiver Strahlung gab. (Archivbild)
UMWELT

Russland bestätigt radioaktive Verseuchung

Zur klassischen Ansicht wechseln