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17.12.2015 18:00

Vom Chiemen kam einst der Stein

  • Oben: Wenn der Wasserspiegel des Zugersees tief liegt, wird der ehemalige Sandsteinbruch am Chiemen gut sichtbar. Unten links: Musterung im Gestein. Hier wurden Blöcke herausgearbeitet. Unten rechts: Ganze Abbaukanäle sind entstanden.
    Wenn der Wasserspiegel des Zugersees tief liegt, wird der ehemalige Sandsteinbruch am Chiemen gut sichtbar. | Usah Fath
  • Ganze Abbaukanäle sind entstanden.
    Ganze Abbaukanäle sind entstanden. | Usah Fath
  • Musterung im Gestein. Hier wurden Blöcke herausgearbeitet.
    Musterung im Gestein. Hier wurden Blöcke herausgearbeitet. | Usah Fath
GEOLOGIE ⋅ Auf der Halbinsel wurde früher Sandstein abgebaut. Jetzt, wo der Seespiegel tief ist, kann man davon bei genauerem Hinsehen noch deutliche Spuren erkennen.

Über Jahrmillionen wurde unsere Landschaft geformt. In der Zugersee-Region haben sich dabei reiche Vorkommen an hochwertigem Sandstein gebildet, mit denen bereits vor Jahrhunderten die Städte gebaut wurden. Die Steinvorkommen im Zugerland waren überregional begehrt und lieferten Material selbst für Bern, Basel oder Zürich. Eines dieser beliebten Sandsteingebiete war der Chiemen. Nach dem katastrophalen Seeabbruch von Zug im Jahre 1435 verwendete man Sandstein vom Chiemen, um die Häuser neu zu erbauen und das Seeufer zu stabilisieren. Der Transport mittels Nauen über den See war damals die einfachste Beschaffungsmethode.

Bereits im Folgejahr kaufte die Stadt Zug den gesamten Chiemer Wald, um sich das dortige Sandsteinvorkommen zu sichern. Mindestens bis ins 18. Jahrhundert wurde hier das Sediment abgebaut. Auch die einstige Einsiedelei auf dem Chiemen bestand aus dem dortigen Sandstein. Um 1619 wurden die verwahrlosten Gebäude abgebrochen. Ihre Bauteile und weiterer Sandstein aus dem Steinbruch am Chiemen verwendete man, um die Niklausenkapelle in Oberwil zu errichten. Auch für einige Teile von Schloss Buonas dürfte Stein vom Chiemen verbaut worden sein.

Als man auf der gegenüberliegenden Seeseite und in den höheren Lagen im Zugerberg-Gebiet Sandsteinvorkommen entdeckte, die qualitativ besseres Material lieferten als dasjenige auf dem Chiemen, wurde der dortige Abbau allmählich eingestellt. Am Gubel etwa, beim Lothenbach oder auch im Ägerital stiess man auf hochwertigeres Gestein. Dasjenige auf der anderen Seeseite wies mehr Nagelfluheinschlüsse aus der Rossberg-Region auf. Je weniger Nagelfluhspuren aber in einem Sandstein vorkommen, desto besser eignet er sich für die Verarbeitung.

Von der einstigen Sandsteingewinnung auf dem Chiemen ist heute wenig mehr zu sehen. Wenn aber der Seespiegel – so wie in den vergangenen Wochen – wegen Niederschlagmangels besonders tief ist, kommen die Stellen, wo einst Sandstein abgebaut worden ist, zum Vorschein. Unsere Bilder zeigen die Uferpartie knapp einen Kilometer östlich vom Baumgarten. Unterhalb des Fussweges erkennt man Bruchstellen, Wannen, ja ganze Kanäle, wo Sandstein herausgearbeitet worden ist. Abbaustellen mit Spitzstrukturen verraten auch, wie man vorging: Mit Spitzhacken aus Eisen wurden Sandsteinquader, -blöcke oder was auch immer man für Formen benötigte, minutiös herausgearbeitet. Mit befeuchteten Holzkeilen, die man in eine Kerbe unter dem Block trieb, liess sich der Brocken vom Boden trennen, auf den Nauen laden und über den See zur Weiterverarbeitung transportieren.

 

Spätestens mit der Fertigstellung der Gotthard-Bahn in den Jahren 1895 bis 1897 verlor der Sandsteinabbau im Zugerland an Bedeutung. Man hatte nun die Möglichkeit, Granit aus dem Urnerland oder dem Tessin für den Gebäudebau heranzuschaffen, auch Muschelkalk aus dem Aargau und natürlich Marmor aus dem Süden wurden per Bahn in die Zentralschweiz transportiert. Doch die eindrucksvollsten Gebäude in der Stadt Zug, wie etwa die Oswaldkirche oder die Stadtbefestigung, zeugen bis heute vom einst wichtigen Sandsteinabbau in der Region.

Andreas Faessler

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