Home
30.11.2016 07:12

Vom Fenster auf die Iffele

  • Bewusst wich Bruno von Ah von der traditionellen Iffele-Bauweise ab, um den hl. Nikolaus im Kapellenfenster originalgetreu auf die Iffele übertragen zu können. Bis kurz vor Weihnachten ist das Exemplar in der Hünenberger Kapelle aufgestellt.
    Bewusst wich Bruno von Ah von der traditionellen Iffele-Bauweise ab, um den hl. Nikolaus im Kapellenfenster originalgetreu auf die Iffele übertragen zu können. Bis kurz vor Weihnachten ist das Exemplar in der Hünenberger Kapelle aufgestellt. | Bild: Werner Schelbert (24. November 2016)
HÜNENBERG ⋅ Jetzt zur Adventszeit ist in der Weinrebenkapelle wieder eine besondere Iffele ausgestellt. Ohne den Erfindergeist ihres Erbauers hätte diese so kaum angefertigt werden können.

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

Der Iffele-Bau hat in der Innerschweiz seit Jahrzehnten Tradition. Die Kunstwerke sind untrennbar mit der Adventszeit verbunden, sind auch in diesen Tagen vielerorts wieder präsent, bereiten dem Betrachter Freude und ein ästhetisches Erlebnis fürs Auge. Nicht nur werden die Mitra-ähnlichen Kunstwerke im Rahmen eines spektakulären Umzuges wie etwa demnächst in Küssnacht (und morgen in Hünenberg) zur Schau getragen; man findet einige von ihnen auch «stationär» ausgestellt, in Schaufenstern oder in Kirchen und Kapellen.

Seit 2012 steht während der Adventszeit in der Weinrebenkapelle in Hünenberg eine Iffele neben dem Altar, welche sich vor allem in ihrer Machart von den traditionellen Exemplaren unterscheidet. Der Grund liegt im Sujet: Der aufmerksame Besucher der Kapelle stellt fest, dass auf der Iffele das Motiv eines der vier Hauptfenster im Kapellenschiff abgebildet ist. Die neobarocken Fenster wurden anno 1897 angefertigt und eingesetzt. Neben den Heiligen Josef, Stephan und Michael finden wir auch den heiligen Nikolaus von Myra – den «Samichlaus» – mit seinen wichtigsten Attributen, Bischofsstab und drei Äpfel, dargestellt. Dieses Fenster gefiel dem Hünenberger Iffelebauer Bruno von Ah einst so gut, dass er es als Vorlage für eine Iffele wählte, welche zur Adventszeit in der schmucken Kapelle ihren Platz haben sollte.

 

So einfach war die Ausführung aber nicht, denn mit der traditionellen Iffele-Herstellungsweise lässt sich so ein Sujet kaum umsetzen; viel zu detail- und konturenreich ist das Konterfei. Und zu gross sind die Felder zwischen den Stegen, wie man die stabilisierenden Kartonverstrebungen nennt. Das feine Seidenpapier würde zu reissen drohen. So hat Bruno von Ah nach Alternativen gesucht, bei der auch grosse Felder dauerhaft stabil genug sind. Die Lösung fand er im Einsatz von Plexiglas und Aceton. Plexiglas dient ihm als belastbarer Träger für das Seidenpapier. «Auf diesen aufgezogen, lässt sich das Papier sogar mit Wasserfarben einfärben», erklärt von Ah. Herkömmlicherweise werden bekanntlich verschiedenfarbige Seidenpapierschichten übereinandergelegt, bis der gewünschte Farbton erreicht ist. «Um zu verhindern, dass sich das Seidenpapier durch die Feuchtigkeit wellt, bestreiche ich es zuerst mit Aceton. Es bleibt bei der Einfärbung somit schön glatt.» Generell sind die Iffele so schlussendlich um einiges robuster, und für die Herstellung benötigt von Ah bloss etwa ein Viertel der Zeit wie für eine traditionell angefertigte Iffele. Damit nicht genug: Auch in Sachen Beleuchtung geht Bruno von Ah neue Wege: Der Einsatz von LED-Streifen (ca. 240 LEDs) hat eine Flächenbeleuchtung zur Folge, wonach es die unregelmässigen «Lichtflecken» nicht mehr gebe.

 

Neues auszuklügeln, hat der 76-jährige Hünenberger im Blut: 27 Jahre hat er einst bei der Crypto AG in Steinhausen als Entwickler gearbeitet. «Dass ich mit meiner Erfindung von der traditionellen Bauweise abweiche, bereitet mir kein schlechtes Gewissen», sagt Bruno von Ah augenzwinkernd. Schliesslich handle es sich bei der St.-Nikolaus-Iffele in der Weinrebenkapelle um eine Spezialanfertigung für einen speziellen Zweck. Und da sich diese Bauweise bewährt hat, existieren mittlerweile mehrere solcher Exemplare in Von-Ah-Bauweise. Erst vorgestern brachte er eine fertige Iffele höchstpersönlich nach Sachseln für die dortige Pfarrkirche. Das Motiv liegt auf der Hand: Bruder Klaus – von Ahs Beitrag für den 600. Todestag des Nationalheiligen.

 

Für Bruno von Ah ist und bleibt das Iffele-Bauen aber ein Hobby. «Und wenn ich damit den Leuten eine Freude machen kann, hat es seinen Zweck erfüllt.» Und das tut auch die Iffele in der Weinrebenkapelle, in deren Nachbarschaft Bruno von Ah früher gewohnt hat: «Sowohl die Besucher als auch die Chäppeli-Genossen freuen sich über die St.-Nikolaus-Iffele.» Sie ist während der Adventszeit aufgestellt. So lange, bis sie dem Christbaum und der Krippe Platz machen muss.

Kommentare

Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!

Meist gelesene Artikel

Via Steuern lässt sich nicht mehr Geld generieren; der Kanton ist auf andere Quellen und Möglichkeiten angewiesen.
LUZERN

Finanzdebakel: Gemeinden reichen dem Kanton die Hand

Ob beim Geschicklichkeitsfahren mit einem Lastwagen in Aplnach, beim Bewundern eines Oldtimer-Wohnmobils in Luzern oder beim Testen von Elektromobilen in Buochs: Wer sich für Autos begeistert, kommt dieses Wochenende voll auf seine Kosten.
REGION

Es dröhnt und brummt in der Zentralschweiz

KINDERSCHUTZ

Der Sturm über der Kesb verzieht sich

UNFALL

Motorradfahrer wurde bei Kollision mit einem Auto mittelschwer verletzt

Trotz hoher Temperaturen voller Einsatz für die Musik: Schüpfheim gestern am Luzerner Kantonal-Musiktag.
MUSIKTAG

Musikanten übernehmen Schüpfheim

ZUG

Brand in einer Wohnung

"Er wird Euch keine Fritten machen", heisst es in einem Werbespot von Burger King mit Blick auf den belgischen König. Das Königshaus reagierte verschnupft. (Archivbild)
BELGIEN

Belgisches Königshaus verschnupft

Die landwirtschaftliche Erschliessungsbahn mit Touristischer Nutzung: Die Spiess - Sinsgäu-Bahn in der Gemeinde Oberrickenbach.
NIDWALDEN

Die Kleinseilbahnen bekommen ihren Fanclub

Für einen Hitzetag braucht es mindestens 30 Grad. Am Samstagnachmittag wurde diese Marke auch im Norden der Schweiz geknackt. (Symbolbild)
WETTER

Norden der Schweiz erlebt ersten Hitzetag

Das Nadelöhr bei der Bahnhofzufahrt. Ein Tiefbahnhof soll Abhilfe schaffen.
VERKEHR

Tiefbahnhof Luzern: Bund erhöht Preis um 1 Milliarde Franken

Zur klassischen Ansicht wechseln