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08.06.2016 00:00

Wettlauf um ein kleines Juwel

  • Es gehört einfach zum Neuheimer Dorfbild: das historische Riegelhüsli.
    Es gehört einfach zum Neuheimer Dorfbild: das historische Riegelhüsli. | Andreas Faessler / Neue ZZ
NEUHEIM ⋅ Das Wasch- und Brennhaus des Zehnderhofes ist ein reizvoller historischer Zeitzeuge im Neuheimer Dorfbild. Sein Erhalt wäre ein Glück für die Gemeinde und jeden Nostalgiker.

Der so genannte Zehnderhof im Zwickel Maiackerstrasse und Lindenweg mitten in Neuheim ist eines der kulturhistorisch bedeutendsten Gebäude im Dorf. 1649 erstmals erwähnt, war das stattliche Haus lange Zeit repräsentativer Sitz der angesehenen Zehnder-Familie und der grösste Hof innerhalb des Dorfes. Im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts wurde kaum ein Steinwurf nördlich vom Zehnderhof ein dazugehöriges Wasch- und Brennhaus errichtet, das mit seinen «wohlproportionierten Formen» zusammen mit dem Haupthaus eine «reizvolle Gruppe» bildet. So beschreibt es der Zuger Kunsthistoriker Josef Grünenfelder sehr treffend, denn das ehemalige Wirtschaftsgebäude, dessen heutige Gestalt laut anderen Quellen auf das Jahr 1902 zurückgeht, greift die Formen des Wohnhauses auf und lässt deutlich einen Rückschluss auf die ursprüngliche Einheit des Ensembles ziehen. So weist das zweigeschossige Haus wegen seines südseitig angefügten Schopfes ebenfalls eine verlängerte Dachseite auf. Ein Klebdach schützt den Eingang an der Westfassade, welche wie auch die Ostfassade eine Riegelbauweise mit origineller Verstrebungsanordnung zeigt. Der noch immer vorhandene Kamin auf dem Dachfirst zeugt bis heute von der einstigen Verwendung des Gebäudes – Wäsche wurde gekocht, Nahrungsmittel wurden gedörrt. Nach Aufgeben dieser Funktionen fand das Gebäude unter anderem als Hühnerstall und als Abstellkammer Verwendung.

Von den Neuheimern wird das historische Ökonomiegebäude des Zehnderhofes liebevoll «Riegelhüsli» genannt. Es macht derzeit auf den ersten Blick einen etwas verwahrlosten und verlorenen Eindruck, weil es rundherum wuchert. Doch einmal drübergemäht, sieht alles wieder ganz anders aus, und das putzige Häuschen kommt voll zur Geltung. Es gehört seit seiner Erbauung zum historischen Dorfkern der Gemeinde – oder zumindest zu dem, was man davon noch übrig gelassen hat. Galt das Haupthaus des Zehnderhofes einst als abbruchgefährdet, so schaffte es die kantonale Denkmalpflege glücklicherweise, dass das Gebäude unter Schutz gestellt wurde. Denn wie es sich ja so oft zuträgt im schönen Zugerland – und an vielen anderen Orten in der boomenden Schweiz –, stand das historische Gebäude einem Neubauprojekt im Wege. Doch konnte schliesslich ein Bebauungsplan erarbeitet werden, der trotzdem eine Umsetzung mit höchstmöglicher Ausnützung ermöglicht.

Das Riegelhüsli aber hat dabei das grosse Nachsehen. Es wird der Zehnder­hof-Überbauung zum Opfer fallen. Ein paar Neuheimer jedoch mit Sinn und Auge für erhaltenswertes Kulturgut, was das Riegelhüsli zweifelsfrei ist, machen sich derzeit stark für die Rettung des kleinen Gebäudes. Mit der Gründung eines Vereins wollten und wollen sie die erforderlichen finanziellen Mittel aufbringen, dass das Gebäude abgetragen und an einem neuen Ort wieder aufgebaut und so erhalten werden kann. Der neue Standort wäre die kleine Parzelle gegenüber der Adresse Windenweg 9, knapp 250 Meter Luftlinie weiter östlich. Dort plant der Verein, das Riegelhüsli als kleine Kultur- und Veranstaltungsstätte für gelebtes Brauchtum, Gewerbe und auch Privatpersonen zu betreiben. Eine Visualisierung, welche der Verein auf seiner Internetseite aufgeschaltet hat, demonstriert, wie das Riegelhüsli dereinst aussehen könnte am neuen Standort, welcher durch seine lichte Beschaffenheit reichlich Gestaltungsmöglichkeiten bieten würde.

Ursprünglich hätten die Bauarbeiten für die neue Überbauung bereits in diesem Frühjahr beginnen sollen. Doch aus bisher nicht ganz klar ausgesprochenen Gründen verzögert sich der Baustart bis mindestens Herbst 2016. Somit bleibt dem Riegelhüsli noch eine Gnadenfrist, und der Verein hofft, bis dahin das nötige Geld zu sammeln und den Wettlauf gegen die Zeit doch noch zu gewinnen. Somit möge das heutige «Hingeschaut!» für einmal einen zusätzlichen, interessensgebundenen Zweck erfüllen und Interessierte dazu aufrufen, mit der Unterstützung des Vereins für den Erhalt eines Kulturgutes einzutreten und auch für den Erhalt eines Teils der Geschichte und des Gesichts der sich stark wandelnden Gemeinde Neuheim beizutragen. Alle erforderlichen Informationen unter www.riegelhüsli.ch

Andreas Faessler

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