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21.09.2016 00:00

Hingeschaut

Wo Maggie Thatchers Baum steht

  • Das Schloss Freudenberg...
    Das Schloss Freudenberg... | Charly Keiser
  • ... dessen Garten...
    ... dessen Garten... | Charly Keiser
  • ... und das Emblem, das die Umarmung von Erwin und Eleanor darstellt
    ... und das Emblem, das die Umarmung von Erwin und Eleanor darstellt | Charly Keiser
ROTKREUZ ⋅ Versteckt hinter einem Wald und umgeben von einem wunderschönen Garten thront das Schloss Freudenberg. Es konnte kürzlich erstmals besichtigt werden.

Nur gerade acht Einträge sind auf der Wikipedia- Liste «Burgen und Schlösser im Kanton Zug» zu finden. Der mit Abstand jüngste Bau betrifft das Schloss Freudenberg in Rotkreuz. «Margaret Thatcher verbrachte als Gast von Lady Glover einen Sommerurlaub auf dem Anwesen und pflanzte hier mit Hilfe des berühmten Gartenarchitekten Russell Page einen Baum.» So wird im grossen Internetlexikon das «Schloss» beworben, das erst 1933 fertig erbaut worden ist.

Schloss Freudenberg? Kaum eine Zugerin oder ein Zuger kennt das Schloss. Das liegt zum grossen Teil auch daran, weil das wunderbare Gebäude mit seinem herrlichen Garten nur schwer zu Gesicht zu bekommen ist. Denn ganz anders als zum Beispiel das Schloss St. Andreas in Cham oder das Schloss Buonas ist der «Freudenberg» vom See aus nur schwer auszumachen.

Im Rahmen der europäischen Tage des Denkmals vor zwei Wochen öffneten Schlossherr Richard Raynar und seine Gemahlin Véro­nique Hottinger für die Öffentlichkeit erstmals die Tore, genauer das Tor neben dem Pförtnerhaus, das 1931 erbaut worden ist und ein auffallendes Teilwalmdach mit apsisartigem, zweigeschossigem Vorbau hat. Von dort führt der Weg entlang dem Wald in Richtung Schloss.

Vor dem Schloss teilt sich die Strasse, um ringartig links und rechts des Eingangs zu enden. Die Wiese und die Bäume auf der Nordseite des Schlosses sind atemberaubend. Der Schlossherr empfängt alle Gäste mit einem persönlichen Händedruck. Daniel Schulz vom Amt für Denkmalpflege und Archäologie des Kantons Zug führt die Gäste ums Haus und durch den Garten und erzählt dabei die Geschichte des Anwesens, dessen Bewohner und dessen Erbauer. Schulz zeigt auf zwei Bäume, die am Rand des Waldes stehen. Der rechte grosse Baum sei von Maggie Thatcher und der kleinere links davon von Thatchers Mann gepflanzt worden, sagt er.

In den Jahren 1928 bis 1929 kaufte Erwin Hürlimann die Höfe Freudenberg, Ober Freudenberg, Dersbach, den Hof Erler in Gangolfswil sowie zwei weitere kleinere Höfe. So entstand der Gutsbetrieb Freudenberg mit 60 Hektaren Wies- und Ackerland, zirka 25 Hektaren Streuland und 6,5 Hektaren Wald. Hürlimann kam 1880 in Zürich auf die Welt und verliebte sich in den «Freudenberg». Der ehemalige Seidenfabrikant war dannzumal Verwaltungsratspräsident und Chef der Schweizer Rückversicherungsgesellschaft. Er beauftragte nach dem Landkauf die britischen Architekten Howard Robertson und J. Murray Easton, sein Schloss in Form eines E für Erwin zu zeichnen und zu bauen. Der Bau wurde 1933 fertig, umgeben von einem Garten im französischen Stil. 1960 und 1970 wurde der Garten vom bekannten englischen Gartenarchitekten Russel Page neu gestaltet.

Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete Hürlimann die Britin Eleanor, die ihm Page vorstellte. Nach dem Ableben von Hürlimann ehelichte Eleanor Sir Douglas Glover, der bis 1976 im britischen Parlament sass. Glover war ein Kollege von Maggie Thatcher, die darum oft in Rotkreuz zu Besuch war. Weder mit Hürlimann noch mit Glover hatte Eleanor Kinder, und so vermachte sie das Schloss dem einzigen Sohn ihrer Schwester, Richard Raynar.

Sie seien das ganze Jahr über in Rotkreuz, sagt Véronique Hottinger und schwärmt von der tollen Aussicht von der Südseite des Schlosses aus. Den Gästen wird Orangensaft und Wasser gereicht. Man kann sich gut in Maggie und Denis Thatcher reinfühlen. Der Schlossgarten ist betörend und überwältigend schön. Und dies, obwohl Mitte September die Blumenpracht nicht mehr so üppig ist wie noch ein paar Wochen zuvor. Véronique Hottinger gibt dem Journalisten eine kleine Privatführung, da dieser ob seiner Fotografiererei hinter der Gästeschar zurückgeblieben ist. Sie zeigt, wo der letzte Sturm eine Hecke zerstört hat. Sie lächelt charmant. Ein perfekter Besuch bei perfekten Schlossherren.

Charly Keiser

charly.keiser@zugerzeitung.ch

Hinweis

Mit «Hingeschaut!» gehen wir Details mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach. Frühere Beiträge finden Sie online unter www.zugerzeitung.ch/hingeschaut.

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