HÜNENBERG

Wolfgangs verblasstes Leben

Der bemerkenswerte Gemäldezyklus in der Kirche St. Wolfgang ist bedeutend jünger als die Kirche selbst – aber in einem viel schlechteren Zustand. Der Umgang damit war einst sehr nachlässig.
13.07.2016 | 10:55

Freskenzyklen in mittelalterlichen Kirchen sind nicht selten fast so alt wie das Gotteshaus selbst. Auf den ersten Blick würde man daher auch die Bilder an den Seitenwänden der im 15. Jahrhundert erbauten Kirche St. Wolfgang in Hünenberg viel älter schätzen als sie wirklich sind – allein wegen ihres stark verblassten Zustandes. Entstanden sind die Malereien jedoch wohl erst im frühen 17. Jahrhundert, als die spätgotische Kirche bereits um die 150 Jahre alt war.

Die 24 Gemälde zeigen bis auf eine Ausnahme (die Gründungslegende der Kirche) das wechselvolle Leben des hl. Wolfgang, Bischof von Regensburg und Kirchenpatron, der im 10. Jahrhundert gelebt hat. Dieses Patrozinium ist in der Schweiz im Vergleich zu Deutschland und Österreich ziemlich selten, was die Existenz eines so umfassenden Wolfgang-Zyklus wie in Hünenberg umso beachtenswerter macht. Dass er bis heute erhalten ist – wenn auch in schlechtem Zustand und teils nur fragmentarisch – ist ein Glücksfall. Dies ist primär dem Hünenberger Historiker Klaus Meyer zu verdanken, der mit Unterstützung der Denkmalpflege und weiteren Fachkundigen den Zyklus konservieren liess und die Bildaussagen aufgearbeitet hat.

Der Urheber der Wandbilder ist nicht bekannt. Ausgeführt sind sie in der so genannten Secco-Technik, also aufgetragen auf den bereits trockenen Putz, weshalb es sich faktisch nicht um Fresken handelt, wie Malereien dieser Art oft allgemein bezeichnet werden. Irgendwann verschwanden die Bilder unter einer Schicht Mörtel. Erst bei der Kirchenrenovation von 1909 kamen sie erstmals wieder zum Vorschein, aber man befand sie für unbedeutend und überdeckte sie abermals. Damit die neue Mörtelschicht besser haftete, schlug man mit einer Axt zahlreiche Löcher in die Wand, ohne Rücksicht auf die in empfindlicher Technik ausgeführten Gemälde zu nehmen. Als die Kirche von 1946 bis 1949 ein weiteres mal restauriert wurde, legte man den Wolfgang-Zyklus erneut frei, restaurierte und ergänzte ihn, wo überhaupt noch möglich. Dies wurde aber mit ungeeigneten Mitteln wie Kasein vollzogen, so dass die Gemälde weiterhin litten und bei der neusten Restaurierung von 2009 umfassende Korrekturen vorgenommen werden mussten, um eine weitere Dezidierung zu verhindern. Und hierin liegt auch die Absicht der heutigen Denkmalpflege: Verlust wird als Teil der Geschichte des Objekts angesehen, weshalb der Fokus auf der Konservierung liegt und nicht auf Rekonstruktion.

Historiker Klaus Meyer studierte die einzelnen Abbildungen, respektive was davon noch übrig war, über zwei Jahre hinweg und schaffte es mit technischen Hilfsmitteln, die ursprünglichen Konturen soweit sichtbar zu machen, dass sich das jeweilige Bild einigermassen nachzeichnen liess. Die Publikation «Die Wandbilder in der Kirche St. Wolfgang» (Herausgeberin: kath. Kirchgemeinde Cham-Hünenberg) dokumentiert Klaus Meyers aufwendige Arbeit.

Andreas Faessler

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