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03.01.2017 20:57

Zugs kleiner «Bildersturm»

  • In einem eigens konstruierten Wandregal im Foyer des reformierten Kirchenzentrums werden die beiden Burnand-Bilder aufbewahrt. Aktuell wird David Burnands «Die Anbetung der drei Könige» gezeigt.
    In einem eigens konstruierten Wandregal im Foyer des reformierten Kirchenzentrums werden die beiden Burnand-Bilder aufbewahrt. Aktuell wird David Burnands «Die Anbetung der drei Könige» gezeigt.
GESCHICHTE ⋅ Einst befanden sich zwei grossformatige Gemälde in der reformierten Kirche in Zug. Bis sie in einem Magazin landeten. Nun sind sie eine «saisonale» Sehenswürdigkeit im Kirchenzentrum.

Es gibt bis auf ein paar Ornamentmalereien nur wenig schmückende Ausstattungselemente in der reformierten Kirche in Zug. Der schlichte Raum lebt hauptsächlich durch seine architektonische Ästhetik. Diese Reduziertheit ist allerdings erst in der jüngeren Geschichte des 1906 fertiggestellten Gebäudes entstanden, durch Renovationen und damit einhergehende Umgestaltungen. Einst markierte eine imposante Kanzel aus Lyoner Sandstein vor der Orgelempore das Zentrum der Kirche.

Um 1922 wurde links und rechts davon je ein grossformatiges Gemälde aufgehängt, was dem Raum schlagartig eine geradezu «katholische» Festlichkeit verlieh – so auf historischen Aufnahmen ersichtlich. Urheber dieser beiden Darstellungen – Öl auf Leinwand – waren Eugène und David Burnand.

Einst Prunkstücke der Kirche

Eugène Burnand,1850 im waadtländischen Moudon geboren und zum schaffenskräftigen Kirchenmaler avanciert, schuf das Gemälde «Ostermorgen» um 1920 – ein Spätwerk. Der Tiefgläubige galt gemäss Kunsthistoriker Adolf Reinle seinerzeit als einziger ­protestantischer Künstler der Schweiz, welcher sich um die Erneuerung der religiösen Kunst bemühte. Eugène Burnands Sohn David vollendete «Ostermorgen» nach Ableben seines Vaters um 1921 und schuf in ähnlich grossem Format «Die Anbetung der Könige». Die beiden Gemälde waren im Besitz der Industriellenfamilie Landis-Fierz, sie schenkte sie der reformierten Kirche Zug. Bis zur Kirchenrenovation von 1931 hingen die beiden knapp zwei mal drei Meter grossen Gemälde je in einem hölzernen Rahmen, wurden dann mit demselben Lyoner Sandstein ummantelt, den man für die Kanzel verwendet hatte. Sie waren Prunkstücke der Kirche. Dieser Zustand währte allerdings weniger als vier Jahrzehnte. Als die Kirche 1968 abermals renoviert wurde, dominierte das Streben nach Einfachheit in der sakralen Raumgestaltung die Pläne: Das Innere wurde stark verändert, die Ausstattung reduziert und modernisiert. Die beiden Burnand-Bilder wurden unter der südlichen Empore platziert, wo sie kaum mehr zur Geltung kamen. Irgendwann im Verlaufe der Zeit – noch vor der letzten Kirchenrenovation von 2004/05 – seien die Gemälde in einem Magazin verschwunden, wie der Zuger Lokalhistoriker Jürg Johner weiss. Seit kurzem sind die eindrucksvollen Gemälde wieder sichtbar – wenigstens jeweils «saisonbedingt»: Nach einer Restaurierung befinden sich die Kunstwerke im Foyer des reformierten Kirchenzentrums an der zurückversetzten Wand rechts hinter dem Eingang. Beide Gemälde sind in einem Gestell gesichert, welches dergestalt konstruiert ist, dass sich jeweils entweder das eine oder andere herausnehmen lässt, um es vorzuführen, wie Johner erklärt.

Es sei wohl die Absicht der Kirchenpflege, jeweils zur Weihnachtszeit, respektive vor Ostern, das entsprechende Bild zu präsentieren. Folglich ist derzeit «Die Anbetung der Heiligen Drei Könige» von David Burnand im Kirchenzentrum zu sehen. In der Szene im Stall zu Bethlehem rückt David Burnand Maria und das Jesuskind in den Fokus, indem er die beiden durch das eintretende Tageslicht am prominentesten erscheinen lässt, obschon die Figur des Königs im mittigen Vordergrund bezüglich Grösse doch am dominantesten bleibt. Mit der «Rettung» der beiden Burnand-Gemälde hat sich Zug zweifelsohne um die Schweizer Kunstgeschichte verdient gemacht. Und auch um die eigene, legen die kostbaren Werke doch ein eindrucksvolles Zeugnis ab vom Wandel des bedeutendsten reformierten Kirchengebäudes im Kanton.

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

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