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23.12.2015 00:00

Zugs stolze Knechte

  • Zwei erhabene Löwen bewachen das Zuger Wappen im Giebel des Verwaltungsgebäudes am Postplatz. (© Werner Schelbert  / Neue ZZ)
    Zwei erhabene Löwen bewachen das Zuger Wappen im Giebel des Verwaltungsgebäudes am Postplatz. | Werner Schelbert / Neue ZZ
SYMBOLIK ⋅ Wappen präsentieren sich oft mit prunkvollem Zusatzschmuck. Dazu gehören die sogenannten Schildhalter. Ein besonders schönes Beispiel in Zug verdient mehr Aufmerksamkeit.

Ein Wappen an sich hat bereits einen stark repräsentativen Charakter. Ob Familie, Gilde, Zunft, Verein, Dorf, Stadt ... – das Wappen als Hoheitszeichen ist ein stellvertretendes Emblem gegen aussen. Da ein Wappen auch mit Stolz, Ansehen und Rang verbunden ist, beschränkt sich die Darstellung häufig nicht auf den simplen Wappenschild mit den entsprechenden heraldischen Symbolen und/oder Farben. Vor allem in der Barockzeit und in der entsprechenden historistischen Strömung im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurden Wappen mit zuweilen überbordender Aufmachung gestaltet, sei es in abgebildeter Form oder als halb- bis vollplastische Kartuschen über Portalen oder andernorts an Fassaden – als hochrepräsentatives Element. Die Schilder zeigen sich häufig üppigst umrankt von Rocailles, Voluten oder floralem Zierwerk, sind reich bekrönt als Hinweis auf Rang oder Status, tragen zuweilen auch einen Wahlspruch als Inschrift und weiteren Prunk und Glorifizierungen. Alles fakultativ, denn massgeblich ist und bleibt der Inhalt des Schildes.

Eines der häufigsten Elemente solch zusätzlichen Wappen-«Beiwerks» sind die sogenannten Schildhalter oder Wappenknechte. Das sind Wesen, welche den Wappenschild halten oder ihn zumindest flankieren – offensichtlich in der Funktion als Wächter. Schildhalter können menschliche Figuren sein, Tiere, allegorische Gestalten, Fabel- oder auch Himmelswesen. Unter den Tieren ist der Löwe der beliebteste Schildhalter. Naheliegenderweise ist diese Popularität in der Symbolik des Löwen als (Wappen-)Tier zu suchen: Er steht für Mut, Tapferkeit, und als «König der Tiere» für das Royale, Erhabene. Fast immer wird der Löwe in stolzer Pose gezeigt, aufrecht, siegreich, manchmal gar kampf- oder abwehrbereit.

Ein besonders imposantes Paar Löwen als Schildhalter finden wir in Zug im Giebel an der Ostseite des 1912 erbauten Verwaltungsgebäudes Neugasse 2, einer der dominantesten Bauten um den Postplatz, in dem unter anderem die Direktion des Innern ihre Büroräume hat. Als Prunkstück der eigentlichen Schaufassade entzieht sich das Figurenpaar leider aufgrund der Ausrichtung auf die Neugasse weitgehend dem Blick des Vorbeikommenden. Während die strenge Form des mächtigen Dreieckgiebels mit grobem Zahnfries weitgehend den Klassizismus aufgreift, zitiert die grosse Kartusche mit dem bekrönten Zuger Wappen in reicher Fassung die Formen des Barock. Auf dem schwungvoll geformten Postament sich abstützend posieren links und rechts die beiden muskelbepackten Löwen. In aufrechter, streng bewachender Haltung sind ihre Körper zum Wappen hin gerichtet, ihr Blick schweift selbstbewusst in die Ferne, als wären sie sich der Unversehrbarkeit Zugs sicher.

Betrachtet man dieses beeindruckende Relief im Giebel vom Trottoir der Neugasse aus, so braucht man sich bloss umzudrehen und um die Ecke des gegenüberliegenden Gebäudes zu schauen, um ein anderes, ebenfalls imposantes Paar an Schildhaltern auszumachen: Auf der Brüstung des ausschwingenden Mittelrisalits der einstigen Hauptpost prangt das Schweizer Wappen. Es wird gehalten von zwei menschlichen Figuren. Sie sitzen in entspannter Haltung auf der Balustrade und scheinen lediglich dafür zu sorgen, dass die Wappenkartusche nicht runterfällt.

Und zu guter Letzt – wer gerne vergleichen mag: Ein anderes, bemerkenswertes Beispiel von Schildhaltern in Zug – ebenfalls Löwen – finden wir an der Rückseite der Ankenwaage zur Grabenstrasse hin – Hausnummer 18. Die in rot gefasste quadratische Kartusche über der Tür zeigt das bekrönte Reichswappen mit Doppeladler auf gelbem Grund. Die zwei Löwen stehen dabei je hinter einem Zuger Wappen. Ihre aufrechte Haltung – auf den Hinterläufen stehend, die Wappenschilder haltend – unterscheidet sich stark von derjenigen der beiden Löwen am Verwaltungsgebäude.

Andreas Faessler

Hinweis

Mit «Hingeschaut!» gehen wir wöchentlich mehr oder weniger auffälligen Details mit kulturellem Hintergrund im Kanton Zug nach. Frühere Beiträge finden Sie unter www.zugerzeitung.ch/hingeschaut

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