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20.04.2016 00:00

Zwei unbekannte Tote

  • Noch heute steht zwischen Lindencham und St. Wolfgang das «Helgenhüsli», welches ursprünglich an den Fund zweier Skelette erinnert.
    Noch heute steht zwischen Lindencham und St. Wolfgang das «Helgenhüsli», welches ursprünglich an den Fund zweier Skelette erinnert. | Bild Stefan Kaiser
LINDENCHAM ⋅ Ungefähr da, wo einst Chamer tagten, steht noch heute ein «Helgenhüsli». Genau genommen handelt es sich allerdings um eine Gedenkkapelle.

Wo heute das Kloster Heiligkreuz in Lindencham steht, ist bereis im 16. Jahrhundert eine kleine Kapelle erwähnt, im damaligen Sprachgebrauch als «Helgenhüsli» bezeichnet. Später durch eine Heiligkreuzkapelle ersetzt, entstand an dieser Stelle schliesslich das heutige Kloster. Der Wiesengrund zwischen diesem und der Autobahn hiess einst «Helgenhüslifeld» oder in gewissen Dokumenten auch «Helgenhüslimatt» und «Helgenhüsliacher».

In den Aufzeichnungen des Zuger Geschichtsschreibers Franz Karl Stadlin (1777–1829) aus dem Jahre 1819 ist in der Umgebung des heutigen Klosters in Lindencham noch von einem weiteren «Helgenhüsli» die Rede, was offenbar auf eine heute noch existierende, freilich erneuerte Wegkapelle Bezug nimmt – namentlich jene auf dem Gütsch, direkt an der Strasse nach St. Wolfgang etwas oberhalb des Klosterkomplexes. Sie steht etwas höher als das Strassenniveau, aber an sich gut wahrnehmbar, umgeben von mehreren mächtigen Lindenbäumen. Ein Holzzaun und ein Lebhag fassen das kleine Grundstück ein.

Der Anlass, warum dieses Kapellchen hier einst erbaut worden war, geht ebenfalls aus Stadlins Aufzeichnungen hervor. Gemäss diesen nämlich haben an dieser Stelle schon in uralter Zeit solche Lindenbäume gestanden. Als man um 1769 die Strasse nach St. Wolfgang anlegte, hat man nach Stadlin eine dieser alten Linden fällen müssen. Sie hatte einst als Versammlungsort der Einwohner der Vogtei Cham gedient. Hier verhandelten und berieten sie jeweils über allerlei Feld- und Waldangelegenheiten. Als die Linde schliesslich am Boden war und man die Wurzeln entfernen wollte, seien zwei menschliche Gerippe ans Tageslicht gekommen. Darauf habe man genau an dieser Stelle ein «Helgenhüsli» errichtet. Quasi als Gedenkkapelle für zwei unbekannte Tote.

Das jetzige Kapellchen mit Satteldach und von toskanischen Säulen flankierter Öffnung beherbergt eine halbplastische Figurengruppe moderner Machart: eine Mondsichelmadonna – entgegen der verbreiteten Darstellungsweise ohne Jesuskind. Zu ihren Seiten je eine kniende Engelsfigur. Ein schlichtes, etwa schulterhohes Eisengitter trennt den überwölbten Innenraum gegen aussen ab. Blendet man das verhältnismässig hohe Verkehrsaufkommen auf der Strasse von und nach Hünenberg aus, so findet man sich hier an einem sehr stimmungsvollen Ort wieder. Direkt hinter dem Kapellchen übrigens steht – wohl weitgehendst unbemerkt – eine Panoramatafel, welche dem Besucher das Alpenpanorama erklärt, das bei guter Sicht von genau dieser Stelle aus zu sehen ist.

Andreas Faessler

Hinweis

Mit «Hingeschaut!» gehen wir wöchentlich mehr oder weniger auffälligen Details mit kulturellem Hintergrund im Kanton Zug nach. Frühere Beiträge finden Sie unter www.zugerzeitung.ch/hingeschaut

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