ZUG

Ein Kontrast in Farbe und Ausrichtung

Man nimmt kaum wahr, dass das elegante Stahlobjekt mitten auf dem Trottoir in der Zuger Neustadt zum Gebäude daneben gehört. Doch gerade darin liegt die Ursache für das ausgeprägte optische Spannungsfeld, welches das Kunstwerk generiert.
19.07.2017 | 04:39

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

Das dominante Wohn- und Geschäftshaus an der Ecke Bundesplatz/Bahnhofstrasse mag wohl weitgehend das sein, was man sich unter der modernen Architektur der 1980er-Jahre vorstellt. Eher klobig und in dunklem Braunton gehalten, entsprach es damals dem gängigen Zeitgeschmack. Es ist unter anderem Heimstätte des Café Treichler sowie der Zuger Niederlassung von PKZ.

Fertiggestellt wurde das stattliche, vom einflussreichen Zuger Architektengespann Leo Hafner und Alfons Wiederkehr konzipierte Gebäude im Jahre 1984 nach gut vier Jahren Planungs- und Bauzeit. Nach Bauabschluss wurde auf der Gebäudeseite zur Bahnhofstrasse hin mitten auf dem Trottoir eine Stahlskulptur aufgestellt. Sie war eine Schenkung des Schweizerischen Bankvereins, der damals im neuen Geschäftsgebäude die Räume bezog.

Das schlanke Kunstwerk ohne Titel besteht aus drei dreikantigen, rund 7,20 Meter hohen Chromstahlelementen. Sie sind so angeordnet, dass sie in ihrer Gesamtheit wiederum einen dreieckigen Grundriss bilden mit einer Seitenlänge von gut 0,9 Metern. Der Abstand zwischen den einzelnen Elementen beträgt bloss wenige Zentimeter. Die dadurch fürs Auge schmal erscheinenden Durchbrüche geben dem Kunstwerk trotz seiner Grösse eine geradezu filigrane Leichtigkeit. Verstärkt wird dieser Effekt einerseits durch die glatt geschliffenen Oberflächen des Stahlblechs und andererseits durch die seitlich vom Gebäude weg in Richtung Strasse geneigte Positionierung der Skulptur. Obschon das Kunstwerk mit dem Gebäude zumindest kontextuell ein Ensemble bildet, steht es in seiner hell schimmernden Erscheinung stark im Kontrast zur dunklen, matten Fassade. Auch die Neigung der Skulptur gegenüber des Bodens schafft für den Betrachter ein Spannungsfeld zur strengen, waagrechten Linienführung des PKZ-Hauses. Eine in den Boden eingelassene Lampe sorgt für die Illumination des Kunstwerkes.

Erschaffen hat die namenlose Stahlskulptur der Winterthurer Plastiker Walter Vögeli (1929–2009) unter Mitarbeit von Urs von Arx, wie eine unauffällige Prägung am Fuss der Skulptur verrät. Vögeli war ab 1952 in Bern wohnhaft, wurde im Lauf seiner Künstlerkarriere wiederholt ausgezeichnet und geehrt und nahm an zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland teil. Viele seiner Plastiken, Malereien und Reliefs sind im öffentlichen Raum zu sehen.

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