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MOFAS

Beliebte Sackgeldverdunster

Man hört es wieder öfter knattern. Die Töfflis erleben eine Renaissance. In erster Linie allerdings bei den älteren Töfflibuben, die in Erinnerungen schwelgen. Das sagt Marc Zürcher, Inhaber der Mofakult AG.
17.11.2017 | 08:03

Bruno Knellwolf

Für viele Männer im besten Alter gehört das Töffli zu den markantesten ihrer Jugenderinnerungen. Im Gedanken an den geschalteten Condor-Puch, den Sachs oder den Puch maxi melden sich die positiven Hormone im männlichen Gehirn mit einem Backflash, auch wenn es in der Jugend vielleicht nur zu einem Solex gereicht hat. Egal, auf mancher Spritztour war der Töff treuer und lauter Begleiter, die erste freie Fahrt im Teenageralter. Erst das Mofa-Helmobligatorium liess die motorisierten Zweiräder weniger sexy werden, weil Helmtragen dem Teenagerbefinden nach alles andere als cool war.

Nun erleben die Töffs eine Renaissance, sagt Marc Zürcher, Chef der Firma Mofakult.ch in Frauenfeld. Allerdings nicht unbedingt in erster Linie bei den heutigen Teenagern. «Sondern bei der Jugend von damals. Sprich bei den heute 30 bis 60-Jährigen», sagt Zürcher. Als Töfflibuben gross geworden, sind die heutigen Väter immer noch von den kleinen Zweitaktern fasziniert. Das färbe auf die heutige Jugend ab und mache auch für Junge das Töfflifahren wieder attraktiv, sagt Zürcher.

Zwei Kalender mit und ohne

«Die älteren schwelgen in Erinnerungen und können dank des Töfflis dem hektischen Alltag entfliehen», sagt Marc Zürcher. In diesem Sinne hat Mofakult nun zwei Mofa-Kalender für das Jahr 2018 herausgegeben. Auf dem einen Mofakult-Kalender «Classic» sind die legendärsten Mofas sozusagen nackt zu sehen. Wem das zum Schwelgen und Entschleunigen nicht reicht, der kann sich mit der Version «Original» bedienen, in der Zweitakter von spärlich bekleideten Models umrahmt werden. Sozusagen der Pirelli-Kalender für Töfflibuben. Ein Töffllibub war auch Marc Zürcher. Die Firmengeschichte von Mofakult.ch hat in seinem Kinderzimmer begonnen. Vor sieben Jahren fehlten ihm Ersatzteile, um seine Mofas, die er «Hödis» nennt, wieder auf Trab zu bringen. Zürcher machte sich deshalb auf die Suche nach Ersatzmaterial. Eine mühsame Angelegenheit, weshalb er parallel zur Suche gleich auch damit begann, nicht mehr erhältliche Teile selbst herzustellen. «Das war die Geburtsstunde von Mofakult.ch mit anfänglich zehn Ersatzteilen im Kleiderschrank des Kinderzimmers», sagt Zürcher. Mit Fleiss und Geschick sei das Unternehmen heute zu einem führenden Ersatzteil-Lieferant der Mofaszene geworden. Mit rund 10000 ab Lager lieferbaren Ersatzteilen.

Bleibt die Frage nach den beliebtesten Töffmarken heutzutage. «Das kann man nicht generell sagen. Je nach Region und Altersklasse ist das sehr unterschiedlich», sagt der Firmeninhaber. «Im Appenzellerland sind dies sicher Puch X30 Sport Töffli, in der Stadt Zürich Piaggio Mofas und in den Bergen 2-Gang Sachs oder Zündapp Belmondo Mofas.» Für weltweit verbreitete Marken wie zum Beispiel Puch Maxi gebe es eine grosse Auswahl an Ersatzteilen. Für Töffli aus bestimmten Ländern habe es bislang kaum noch Ersatzteile gegeben, so zum Beispiel für den Sachs 503 oder den Zündapp Belmondo. Mofakult.ch habe die Verfügbarkeit solcher Teile in den vergangenen sieben Jahren verbessern können. Die Firma habe heute für jedes relevante Mofa-Ersatzteil eine Lösung oder sei zumindest in der Entwicklungsphase eines solchen. Mit der Eigenmarke «swiing» baut die Firma Ersatzteile selber nach.

Noch drei Mofas in Produktion

Drei Mofas werden heute noch produziert: Tomos, Pony und ByeBike. Deren Beliebtheit halte sich in Grenzen, sagt Zürcher. Mofakult.ch verkauft keine kompletten Töffli, sondern nur Ersatzteile. Das Hauptaugenmerk liege dabei auf den Schnäppern der 1960er, 70er und 80er. Um das Sortiment abzurunden, würden aber auch Teile neuer Mofas angeboten. «Doch mein Herz schlägt für die Sackgeldverdunster aus vergangenen Zeiten», sagt Marc Zürcher.

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