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MOTORENTECHNIK

Das Beste aus zwei Welten

Kompressionszündung im Benziner: Mit dem Diesotto-Motor, den Mazda Skyactiv-X-Motor nennt, will der japanische Autohersteller den Verbrennungsmotor retten und geht damit wieder einmal seinen eigenen Weg.
24.11.2017 | 08:39

Während alle Welt an der Elek­trifizierung des Antriebs arbeitet und schon den Abgesang auf den Verbrenner anstimmt, zettelt Mazda jetzt noch einmal eine Revolution des Hubkolbenmotors an. Denn als erster und auf absehbare Zeit wohl auch einziger Hersteller bringen die Japaner in zwei Jahren den sogenannten Diesotto-Motor in Serie – einen Benziner, dessen Treibstoffgemisch sich wie bei einem Dieselmotor durch die Kraft der Kompression selbst entzündet und dann noch effizienter verbrennt. «So vereinen wir das Beste aus zwei Welten», sagt einer der Entwickler mit Blick auf die hohen Drehzahlen und den niedrigen Verbrauch des neuen Triebwerks. Unter dem Namen Skyactiv-X kommt er als 2,0-Liter mit vermutlich 190 PS und 230 Newtonmetern in zwei Jahren in den Handel – zeitgleich mit dem neuen Mazda 3, für den die Japaner gerade auch noch eine neue Plattform samt geänderter Lenkung und besserer Sitze entwickeln.

Die steckt auch unter den Prototypen, in denen die Japaner zur ersten Ausfahrt mit ihrem revolutionären Antrieb bitten. Der schlägt sich dabei tapfer, spricht ausgesprochen spontan an, dreht viel leidenschaftlicher hoch als jeder Diesel und hat trotzdem fast so viel Punch, wie man ihn vom Selbstzünder kennt. Und auch wenn sich der Vierzylinder bisweilen ein bisschen verschluckt und dann ein lästiges Räuspern aus den Tiefen des ­Motorraums dringt, klingt er viel harmonischer, leiser und kultivierter als der Mazda-Diesel – ein weiterer Vorteil der neuen Technologie. Zwar treiben die Japaner für diese sogenannte Kompressionszündung einen extrem ­hohen Aufwand, schalten dem Motor einen Kompressor vor, um überhaupt so einen hohen Druck zu erzeugen, und bauen als Kontrollinstanz für die Selbstzündung trotzdem noch konventionelle Kerzen ein, die den Motor in bestimmten Lastbereichen auch ganz konventionell anfeuern können. Doch versprechen die Entwickler entsprechend grosse Vorteile: Das Drehmoment sei immerhin 30 Prozent höher als bei den aktuellen Benzinmotoren in der Mazda-Palette, und der Verbrauch gehe um etwa ein Viertel zurück. Obwohl Mazda den Skyactiv-X-Motor als den besseren Diesel feiert, weil er im besten Fall sparsamer ist, keine ganz so aufwendige Abgasreinigung benötigt und unter dem Strich weniger kostet, wollen die Japaner noch nicht das Ende des Ölbrenners einleiten.

Weil er in vielen Ländern noch immer steuerlich begünstigt ist und auch der beste Diesotto kein ganz so hohes Drehmoment erreicht, wird es die beiden verschiedenen Selbstzünder auf absehbare Zeit erst einmal parallel geben. Und während VW oder Porsche so langsam ihre Ausstiegsszenarien vorbereiten, bringen die Japaner den Diesel sogar gerade in die USA.

Thomas Geiger

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