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STADTWÄRTS

Stammtisch ade!

Sandra Monika Ziegler, Redaktorin Stadt/Region, über den Umstand, dass auch in der modernen Gastronomie ein Stammtisch seine Berechtigung hat.
12.02.2018 | 10:04

So ein Tisch hat es in sich. Er steht im Zentrum der Beiz, ist meist rund und für den Stamm – will sagen eine Gruppe Menschen – ein fixer Treffpunkt. Wer sich hierhin setzt, findet immer einen Gesprächspartner. Der Stammtisch eben. An ihm scheiden sich die Geister, werden Beziehungen gepflegt und wird frisch von der Leber geschwafelt. Nicht alles muss für bare Münze genommen werden.

Das gesellige Zusammensein steht im Mittelpunkt. So ein Stamm kann durchaus Tradition haben, und rentabel ist er alleweil. So auch jener, der sich über 25 Jahre im Weyquartier in einer Beiz traf. Damit ist mittlerweile Schluss. Nicht etwa, weil die Beiz dichtgemacht hätte; nein, weil dem neuen Wirt diese Gäste nicht mehr genehm waren.

Das darf er natürlich. Stammtische sind immer vom Goodwill des Wirts abhängig. Muss er doch diesen frei halten. Und ab und zu kann die Runde auch mal lautstark debattieren. Störend ist aber, dass der neue Wirt bei seinem Start vollmundig versprach, alte Traditionen weiterzuführen und weiterhin ein Quartiertreffpunkt zu sein.

Der Rausschmiss machte schnell die Runde, und die Beiz bekam den Übernamen «Zur gähnenden Leere». Übrigens: Die Stammtischrunde wurde im Quartier schnell wieder fündig. Sie debattiert nun wöchentlich an einem eckigen Tisch. Für einmal hat der Wirt die Rechnung ohne die Gäste gemacht.

Sandra Monika Ziegler

sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch

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