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Lesermeinungen zur No-Billag-Initiative

Zur eidgenössischen Abstimmung vom 4. März über die Volksinitiative «Ja zur Abschaffung der Radio- und Fernseh­gebühren»
14.01.2018 | 04:38

Warum mit Kanonen auf Spatzen schiessen? Wenn diese Initiative angenommen würde, zerstörten wir die viersprachige Vielfalt der Schweiz. Die SRG ist auch notwendig, um die verschiedenen Kulturen zu erhalten. Ich bezweifle, wenn wir alles dem Kommerz überlassen, dass noch ein vernünftiges Programm gesendet wird.

Die Gebühren werden nicht kleiner werden, denn wenn man für jede Sparte (Sport, Information, Kultur, Unterhaltung) zahlen muss, wird das noch teurer werden. Was die Werbung betrifft, ist es jetzt schon schwierig, nur einen Bruchteil der Kosten zu decken. Möchten Sie überhaupt mehr Werbung am Radio und am Fernsehen?

Gefährlich wird es, wenn politische und kommerzielle Interessenten Radio- und Fernsehstationen betreiben oder sogar ausländische Investoren! Bei einer Annahme ist dies aber möglich.

Wollen wir das? Es ist sicher richtig, wenn bei der SRG gespart und das Programm gestrafft wird. Es wird nicht einfach sein, da bei Tennis, Fussball, Auto- und Motorradrennen, Skirennen usw. und auch bei Unterhaltungssendungen grosse Kosten anfallen für die Übertragungsrechte.

Es werden schon Anstrengungen unternommen, so werden die Gebühren auf 2019 gesenkt. Es ist wichtig, diese extreme No-Billag-Initiative abzulehnen, um unsere Radio- und Fernsehsender als unabhängige Institutionen zu erhalten.

Kurt Nägeli, Hünenberg

 

Übers Wochenende haben über eine halbe Million Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder die Skirennen in Adel­boden auf SRF verfolgt; dazu kommen noch Zehntausende Zuschauerinnen und Zuschauer auf den Sendern der französisch- und der italienischsprachigen Schweiz. Am nächsten Wochenende sind es dann die Rennen am Lauberhorn in Wengen. Die Livebilder, welche die Mitarbeitenden der SRG produzieren, sind von höchster Qualität.

Von dieser Qualitätsarbeit wissen auch das Olympische Komitee (IOC) und die Veranstalter der Olympischen Spiele im koreanischen Pyeongchang. Die SRG hat nämlich den Auftrag erhalten, das Welt­signal der alpinen Skirennen in Korea zu produzieren. Die tollen Livebilder vom Start bis ins Ziel stammen alle von SRG-Mitarbeitenden. Dahinter stecken viel Know-how und Erfahrung. Wollen wir dies am 4. März wirklich aufs Spiel setzen und solche rentablen Aufträge in Zukunft dem Ausland überlassen?

Franz Lustenberger, Baar

 

Die Befürworter der No-Billag-Initiative überzeugten bei der «Arena»-Sendung vom vergangenen Freitag nicht. Je länger «Arena» dauerte, desto mehr ernteten die Gegner kräftigen Applaus. Andreas Kleeb, der Exponent, der die Abschaffung der Gebührenpflicht vertrat, verfolgte eine interessante Logik. Im ersten Schritt lobte er die SRG-Medien Radio und Fernsehen in hohen Tönen als unverzichtbar, im zweiten Schritt erklärte er, man müsse der Billag-Abschaffungsinitiative zustimmen, und folgerte drittens, was so gut sei, könne ohne Gebühren am freien Markt bestehen. «Wie das?», fragten die Gegner erstaunt. «Irgendwie!» Von da an herrschte bei den Befürwortern der Initiative nur noch Wischiwaschi. Hätte, könnte, würde – der Konjunktiv überwog. Kleebs Logik funktionierte deshalb nicht, weil er in der Beweiskette für den Erfolg die Gebührenpflicht wegliess. Ohne Gebühren hätte es in seinem Sinne nie eine so gute SRG gegeben. So war es am Ende nicht überraschend, dass das Ergebnis der Diskussion «Nein zu No Billag» hiess.

 

Andreas Iten, Unterägeri

 

Kürzlich flatterte die Billag-Rechnung ins Haus, und bei der Zahlungsfrist staunt die Empfängerin nicht schlecht! Seit 2012 war die Frist stets auf den 1. Mai anberaumt, bei der Rechnung 2018 aber auf den 31. Januar. Offensichtlich wird befürchtet, dass bei Annahme der Initiative am 4. März das Geld dann nicht mehr fliessen würde, so ändert man deshalb flugs die Zahlungsmodalität.

Für mich nun erst recht ein Grund, am 4. März ein Ja in die Urne zu legen!

Susi Infanger-Gassmann, Unterägeri

 

Die momentane Pattsituation zwischen den Befürwortern und den Gegnern der No-Billag-Initiative zeigt die Brisanz des Themas, aber auch die zum Teil vernebelte Sicht der Beteiligten. Übertreibungen und Schwarzmalereien auf beiden Seiten machen es dem geneigten Stimmbürger etwas schwierig, emotionslos und sachlich zu entscheiden. Zu bedenken ist auch, dass künstlich aufrechterhaltene Geschäftsmodelle selten Zukunft haben. Getreu der Erkenntnis: «Entweder man geht mit der Zeit – oder man geht mit der Zeit» ...

 

Ruedi Auf der Maur, Cham

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