zurück
LUZERN

Podium zum Thema Alter: «Die Attraktivität des Pflegeberufs steigern»

«Wer pflegt 2030 die Alten?» Dieser Frage ging auf der Allmend anlässlich der Messe «Zukunft Alter» eine Podiumsdiskussion des LZ Forums auf den Grund.
18.10.2017 | 04:39

Andrea Hofstetter

Während die Menschen immer älter werden, geht die Geburtenrate sukzessive zurück. Traut man diversen Statistiken, kommt es bis zum Jahr 2030 zu einer erheblichen Verschiebung in der Altersstruktur der Schweizer Bevölkerung. Wie gelingt es uns, die für die Betreuung von alten Menschen erforderlichen Fachkräfte auszubilden? Mit dieser Frage beschäftigten sich Moderator Franz Odermatt mit sechs Gesprächspartnern an der Podiumsdiskussion des LZ Forums «Wer pflegt 2030 die Alten?» im Rahmen der Messe «Zukunft Alter».

«Ein Grossteil des Pflegepersonals steigt zu schnell aus dem Beruf aus», stellte der Präsident von Curaviva Luzern, Roger Wicki, zu Anfang fest. Man müsse die Rahmenbedingungen verbessern und das Feedback der Fachkräfte ernst nehmen. «Viele Pflegefachkräfte sind täglich mit einem Berg an administrativen Arbeiten konfrontiert. Dadurch bleibt weniger Zeit für den persönlichen Kontakt mit den Bewohnern», erklärte Luzia Nietlispach, Pflegedienstleiterin des Alterszentrums Frauensteinmatt in Zug, und ergänzte: «Viele Lehrabgänger stellen sich den Beruf oftmals anders vor.»

«Auch andere Berufe kämpfen mit Nachwuchsproblemen»

Roman Wüst, Präsident von ZAPAplus, war hingegen anderer Auffassung: «Man darf den Pflegenotstand nicht pauschalisieren. Andere Berufssparten wie Mechaniker oder Schreiner kämpfen genauso mit Nachwuchsproblemen.» Der Beruf des Fachmanns bzw. der Fachfrau Gesundheit sei immer noch sehr attraktiv für Jugendliche, insbesondere auch, weil er sehr gute berufliche Entwicklungsmöglichkeiten biete.

Wie die Attraktivität der Lehre im Pflegefachwesen in Zukunft gesteigert werden soll, zeigte der Direktor von Curaviva Schweiz, Daniel Höchli, auf: «Ab Januar 2018 fördert der Bundesrat branchenübergreifend die höhere eidgenössische Berufsbildung.» Der Staat beteiligt sich mit bis zu 50 Prozent an den Kosten für die Vorbereitungskurse der Lehrabschlussprüfung. Durch die finanzielle Unterstützung sollen dem Nachwuchs die Gesundheitsberufe schmackhaft gemacht werden.

Guido A. Zäch, Gründer der Schweizer Paraplegiker-Stiftung, startete seinen Diskussionsbeitrag mit einer berechtigten Frage: «Was sind meine Wünsche, wenn ich im Alter Pflege benötige?» Damit sich die Bewohner wohl und verstanden fühlen, muss zuerst das Pflegepersonal entsprechend wertgeschätzt werden. Er habe kaum Erfahrungen mit Personalmangel gemacht: «Bei einer Fluktuation von nur 11 Prozent bleibt ein Grossteil unserer Mitarbeiter im Schnitt 9,5 Jahre bei uns», verwies Zäch auf die Zahlen der Schweizer Paraplegiker-Stiftung. Allerdings sei es für die Attraktivität des Berufs essenziell, dass sich die Fachkräfte auf das Wesentliche konzentrieren können.

Als Roman Wüst betonte, dass es auch in Zukunft genug Pflegepersonal geben werde, konfrontierte ihn Yvonne Good aus dem Publikum (siehe Box unten) mit dem Magazin «Der Beobachter» und dessen Titelthema: «Notstand im Altersheim». Der Präsident von ZAPAplus antwortete: «Ich spreche vor allem aus meiner eigenen Erfahrung, wenn ich sage, dass wir derzeit ausreichend Fachkräfte haben.»

Podiumsteilnehmer optimistisch

Für Damian Müller, Ständerat Kanton Luzern, war klar, dass der Pflegefachbereich zumindest nicht an den Folgen der Digitalisierung leiden werde. Einen Einsatz von Robotern oder Computern, die menschliches Pflegepersonal ersetzen, schliesst der 32-Jährige aus: «Meine beiden Grossmütter waren aufgrund von Demenz im Pflegeheim untergebracht. Bei Besuchen habe ich gemerkt, dass sich Berührungen sehr positiv auf ihr Wohlbefinden auswirkten. Das kann keine Maschine übernehmen.»

Moderator Franz Odermatt stellte zum Abschluss eine persönliche Frage an die Runde: «Denken Sie, dass Sie selbst vom Pflegenotstand betroffen sein werden?» Hier zeigte sich ein Grossteil der Podiumsteilnehmer überraschend optimistisch. Zäch meinte schmunzelnd, dass er als siebenfacher Vater und Grossvater bereits gut vorgesorgt habe, und auch Wüst, Nietlispach und Höchli gaben sich zuversichtlich. «Wir haben schon ganz andere Probleme gelöst», so Wüst. Müller ergänzte: «Der Aufenthalt in einem Pflegeheim ist nicht immer ein Worst-Case- Szenario.»

Bereits zum dritten Mal in Folge fand die Messe «Zukunft Alter» auf der Allmend statt. Initiator und Messeleiter Josef Odermatt verzeichnete am vergangenen Wochenende wie auch in den letzten Jahren zwischen 8000 und 10000 Besucher. «Es ist vor allem eine Themenmesse, an der sich die Besucher gezielt die Veranstaltungen herauspicken, die sie interessieren. Bei über 100 verschiedenen Anlässen bieten wir ihnen ein breites Spektrum.»

Weitere Artikel