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GÄRTNERN

Pflanzensamen aufbewahren: Worauf ist zu achten?

Ratgeber

Wie müssen selbstgewonnene Samen überwintert werden, damit im kommenden Frühjahr daraus neue Pflanzen gezogen werden können? Ich weiss, dass das Sammeln von Samen bei einigen Pflanzen problematisch ist (zum Beispiel bei Kürbisgewächsen): Welche Samen darf man bedenkenlos sammeln, wo ist Vorsicht geboten?
12.10.2017 | 08:42

Samen im eigenen Garten zu ernten, ist bei verschiedenen Pflanzen möglich. In jedem Samen ist neues Gartenleben gespeichert. Damit die Saat im folgenden Jahr aufgeht, müssen sowohl beim Sammeln wie auch beim Lagern einige Punkte beachtet werden.

Reine Sorten problemlos

Die meisten Pflanzen können durch Samen vermehrt werden, solange sie sortenecht sind. Das bedeutet, dass sie ihre Eigenschaften komplett an ihre Nachkommen vererben. Besonders trifft dies auf alte Zuchtsorten und lokale oder regionale Sorten zu. Ebenfalls zum Sammeln und Aussäen eignen sich die Samen von kurzlebigen, das heisst ein- bis zweijährigen Blumen, Gemüsen oder Kräutern wie Sonnenblumen, Zinnien, Kapuzinerkresse, Rucola, Dill oder Borretsch. Sie vermehren sich sogar von selbst. Damit es im nächsten Jahr nicht an unerwünschter Stelle spriesst, schneidet man ihre Samenstände am besten ab und legt sie am gewünschten Ort direkt auf die Erde oder schüttelt sie aus.

Ernte und Lagerung

Bei der Ernte ist darauf zu achten, dass die Samen richtig reif sind. Meist verfärben sich Samenstände einige Wochen nach der Blüte bräunlich. Samen sind reif, wenn sie kurz vor dem Abfallen sind oder sich leicht aus dem Fruchtstand lösen lassen. Sie sollten immer trocken geerntet werden, idealerweise nach dem Mittag, wenn der Morgentau getrocknet ist. Bei Samen, die sich leicht lösen, kann man das Tütchen direkt über den Samenstand stülpen, ihn umdrehen und ausschütteln. Fremdmaterialien bläst man vorsichtig weg.

Getrocknet wird das Saatgut zum Beispiel auf einem Stück Haushaltspapier oder direkt in atmungsaktiven Papiertüten oder Couverts. Wichtig ist, dass während der Lagerung allfällige Restfeuchte entweichen kann, sonst können die Samen schimmeln oder verderben. Also keine luftdichten Materialien wie Plastik oder Glas verwenden. Die Samenbriefchen mit Name und Datum beschriften und danach an einem dunklen, trockenen Ort bis zur Aussaat lagern.

Hybride Sorten ungeeignet

Als Saatgut nicht geeignet sind Samen von sogenannten F1-Hybriden. Das sind Pflanzen-Kreuzungen, die aufgrund bestimmter Eigenschaften – etwa Geschmack, Ertrag, Lagerfähigkeit – gezüchtet worden sind. F1 steht für die erste Generation einer Kreuzung. Die F1-Sorteneigenschaften kommen nur im ersten Jahr zur Ausprägung. Werden diese Pflanzen weitervermehrt, ist der Ausgang ungewiss und kann sogar gefährlich sein.

Besondere Vorsicht geboten ist bei Kürbisgewächsen. Vor wenigen Jahren schreckte die Schlagzeile auf, dass ein Hobbygärtner nach dem Verzehr seiner selbst gezogenen Zucchinis starb. Zucchetti enthalten von Natur aus Bitterstoffe, die weggezüchtet wurden. Die gängigen Sorten sind also Hybridpflanzen. Verwenden Hobbygärtner deren Samen als Saatgut, kann sich das Erbgut in verschiedene genetische Linien aufspalten. So kann es passieren, dass die Nachkommen wieder äusserst giftige Bitterstoffe enthalten.

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