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09.11.2017 05:00

Unser Sohn hat bereits die Lust am Üben verloren

  • Eltern können die Motivation eines Kindes für ein Instrument positiv beeinflussen, wenn sie sich regelmässig einbringen. Etwa durch Loben, Interesse zeigen oder gemeinsames Musizieren. Jedoch sollte man nichts erzwingen, besonders nicht aus Prestigegründen. Von einem Kind wird heute viel erwartet. Die Hauptsache aber ist, dass es ihm gutgeht. (© Archivbild Boris Bürgisser)
    Eltern können die Motivation eines Kindes für ein Instrument positiv beeinflussen, wenn sie sich regelmässig einbringen. Etwa durch Loben, Interesse zeigen oder gemeinsames Musizieren. Jedoch sollte man nichts erzwingen, besonders nicht aus Prestigegründen. Von einem Kind wird heute viel erwartet. Die Hauptsache aber ist, dass es ihm gutgeht. | Archivbild Boris Bürgisser
ERZIEHUNG ⋅ Unser Sohn (10) nimmt seit diesem Schuljahr Keyboardunterricht. Nach anfänglicher Begeisterung ist die Disziplin, regelmässig zu üben, etwas verflogen. Sollen wir als Eltern insistieren? Oder verliert er dadurch noch mehr die Motivation? Ist es besser zuzuwarten, bis er von alleine wieder Freude daran hat?

Möglicherweise haben Sie die Freude auf das neue Instrument mit Ihrem Kind geteilt. Doch der Tag, an dem die erste Begeisterung von der Ernüchterung eingeholt wird, lässt selten lange auf sich warten.

Sie fragen sich, ob Sie als Eltern einfach mal zuwarten sollen, ob der Spass von allein wiederkommt. Ich fürchte, das könnte bis zum Sankt-Nimmerleinstag dauern. Damit Ihr Kind die Freude wieder finden kann, braucht es Sie als Eltern unbedingt. Drängen Sie jetzt aber nicht einfach auf regelmässiges Üben, sondern betreiben Sie zuerst Ursachenforschung.

Gespräch mit Lehrperson

Fragen Sie bei Ihrem Sohn nach, was dazu beigetragen hat, dass die Freude verlorengegangen ist. Überlegen Sie zudem, wie die Wahl des Instruments zu Stande kam. Was war Ihre Erwartung an Ihr Kind, was mit dem Keyboard erreicht werden sollte? Was glaubte Ihr Sohn, mit dem Keyboard innert Kürze erreichen zu können? Hatten Sie mit Ihrem Sohn regelmässiges Üben vereinbart und falls ja, jeweils für wie lange? Wie ist seine Beziehung zur unterrichtenden Person? Wie sieht der Zeitplan Ihres Kindes aus neben der Schule? Möchte Ihr Sohn, dass Sie beim Üben zuhören?

Sie sehen, dass viele Faktoren eine Rolle spielen könnten. Suchen Sie also das Gespräch mit Ihrem Sohn, möglicherweise auch mit der Person, zu der Ihr Kind in den Musikunterricht geht. Je nachdem, was Sie herausfinden, ist das weitere Vorgehen unterschiedlich.

Interesse und Freude zeigen

Sollten Sie mit Ihrem Sohn vereinbaren, vorerst bei diesem Instrument zu bleiben und täglich zu üben, so gibt es dazu viele Tipps, wie Sie das erreichen können. Eine gute Übersicht dazu finden Sie auf der Homepage des Schweizerischen Musikpädagogischen Verbandes (SMPV) www.smpv.ch/zv_musikunterricht_musizierenundueben.cfm . Erwähnt werden etwa das Erstellen eines Übungsplanes oder Motivationshilfen wie Loben, Interesse und Freude zeigen, allenfalls gemeinsames Musizieren in der Familie oder in einer Formation. Was man mit Sicherheit sagen kann: Regelmässiges Üben bringt regelmässige Auseinandersetzungen mit den Eltern mit sich, falls diese die Disziplin an den Tag legen, darauf zu achten.

Noch einige Worte dazu, was ein Kind heute alles können muss. Das «perfekte» Mittelschichtkind pflegt ein sportliches Hobby und spielt ein Instrument. Das sehen Sie schon bei den Nachbarn und hören es oft genug, wenn deren Kind erfolgreich ist. «Unser Sohn ist bereits in der Regionalauswahl.» «Unsere Tochter konnte bei einem Talentwettbewerb vorspielen. Und wie läuft es Ihrem Sohn mit dem Keyboard?»

Falls Sie solches zu hören kriegen, beobachten Sie, welche Wirkung es bei Ihnen hinterlässt. Vielleicht kriegen Sie das mit dem sportlichen Hobby und dem Musikinstrument bei Ihrem Kind nicht hin und scheitern insofern. Aber dem Kind geht es trotzdem gut. Das wäre ja dann wohl das Wichtigste.

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