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GESUNDHEIT

Nützen Multivitaminpräparate überhaupt etwas?

Ich esse seit jeher eher wenig Obst, Salat und Gemüse. Deshalb nehme ich täglich ein Multivitamin­präparat zu mir. Einige meiner Bekannten bezweifeln die Wirksamkeit dieser Zusatzstoffe. Diese seien wirkungslos. Ich bin aber der Ansicht, dass synthetisch hergestellte Vitamine besser sind als gar keine. Wer hat nun recht?
13.02.2018 | 10:26

Die gute Nachricht zuerst: Sie sind mit Ihrem monotonen Speiseplan nicht allein. Nur rund 12 Prozent der Schweizer Bevölkerung können die ­Emp­fehlung «five a day» ­umsetzen, also den Verzehr von fünf Portionen Gemüse und Früchte pro Tag.

Die nationale Ernährungserhebung «menuCH» hat aufgezeigt, dass wir ganz allgemein zu viel Süsses und Salziges konsumieren und auch zu viel Fleisch. Beim Anteil an Ölen, Fetten und Nüssen sowie bei den Getränken wie Wasser, Kaffee und Tee liegen wir ungefähr im Bereich der Empfehlungen, während Milchprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse und Früchte zu kurz kommen. Der Griff zum Multivitaminpräparat liegt da für viele natürlich nahe.

Ob dies aus gesundheitlicher Sicht ein kluger Entscheid ist, hängt davon ab, ob Sie tat­sächlich einen Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen aufweisen.

Mangel nachweisen

Denn die wichtigste Grundregel lautet: Bei einem Mangel, aber auch bei einem erhöhten ­Bedarf, wie ihn etwa Schwangere und Stillende, aber auch ­Leistungssportler oder mangelernährte Personen aufweisen, können spezifische Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein. Bei ausreichender Zufuhr sollte hingegen darauf verzichtet werden. Ohne nachgewiesenen Mangel und ohne Rücksprache mit einer Fachperson sollten Sie deshalb auf die regelmässige Einnahme von solchen Präparaten verzichten.

Nicht des Guten zu viel tun

Man kann in diesem Bereich tatsächlich zu viel des Guten tun. So wurde in Studien beobachtet, dass die Einnahme von ­Vitamin- oder Mineralstoff­präparaten das Krebsrisiko erhöhen kann. Die Schweizer Krebsliga empfiehlt deshalb, ohne nachgewiesenen Mangel und ohne Absprache mit dem Arzt oder einer Fachperson auf Nahrungsergänzungsmittel zu verzichten.

Damit zurück zu Ihrer Frage: Wirkungslos sind diese Präparate ganz bestimmt nicht. Wie sie wirken, hängt aber stark davon ab, ob Sie den täglichen Bedarf an Vitaminen und Mineral­stoffen bereits über die tägliche Ernährung abdecken. In Ihrem Fall würde es vermutlich auch genügen, nur alle zwei oder drei Tage eine Tablette zu nehmen, da Sie ja diverse Vitamine und Mineralstoffe mit dem restlichen Speiseplan aufnehmen.

Trotzdem deutet heute vieles darauf hin, dass eine ausgewogene Ernährung, in der natürliche Farbstoffe, Duftstoffe, Vitamine, Mineralstoffe und Nahrungsfasern zusammenspielen, besser wirkt als die Einnahme einzelner, synthetisch hergestellter Wirkstoffe.

Besser: Speiseplan anpassen

Eine vollständige, ausgewogene Mahlzeit enthält ungesüsste Getränke, protein- und stärkehaltige Lebensmittel wie ­Kartoffeln, Getreideprodukte, Hülsenfrüchte, Fleisch, Fisch und Milchprodukte sowie Gemüse, Salat oder Früchte. Vielleicht weckt dies bei Ihnen die Lust, Ihren Speiseplan doch noch etwas zu erweitern.
 

Lucia Winzap, BSc

Leiterin Ernährungstherapie und Diabetesfachberatung, Hirslanden-Klinik St. Anna, Luzern, www.hirslanden.ch

 

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