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KREUZFAHRT

Auf dem Fluss durch Myanmar gleiten

Der Irrawaddy ist Myanmars Hauptschlagader. An seinen Ufern wird gewohnt, gehandelt, gebetet, gefischt. Am besten erkundet man das exotische Land mit seinen freundlichen Menschen, farbenfrohen Märkten und goldenen Tempelspitzen vom Wasser aus – auf dem schwimmenden Hotel.
24.12.2017 | 09:33

Esther Wyss

Der Anblick der goldig glänzenden Shwezigon-Pagode ist überwältigend. Sie steht inmitten der archaischen Landschaft von Bagan, das von 1044 bis 1287 ehemalige Hauptstadt und historisches Zentrum war. Die 40 Quadratkilometer grosse Ebene mit ihren über 2000 Tempeln östlich des Irrawaddy-Flusses ist eine der wundersamsten Sehenswürdigkeiten Myanmars. Die Besucher erkunden das riesige Gelände bequem mit zweirädrigen Pferdekutschen. Auf sandigen Wegen geht es vorbei an Pagoden aus Backsteinen. Viele davon sind gut erhalten, andere dem Zerfall preisgegeben. Der Kyansitthar-U-Min-Tempel beeindruckt mit Wandmalereien, während der Ananda-Tempel aus dem 11. Jahrhundert einer der grössten und elegantesten Tempel Bagans ist.

Nach dem Besuch von Bagan heisst es Leinen los zur Jungfernfahrt. Zum ­ersten Mal fährt die Thurgau Exotic 3 mit Passagieren auf den Irrawaddy-Fluss ­hinaus. Das Reisen auf dem luxuriösen schwimmenden Hotel ist angenehm, das tägliche Ein- und Auspacken fällt weg. Die Crew kümmert sich unter der Leitung von Peter Kaufmann um das Wohl der Passagiere.

Der Irrawaddy und der Chindwin sind die Lebensadern des Landes. Die Fahrt geht vorbei an Dörfern, die nur während der Regenzeit vom Fluss aus ­erreicht werden können. Einheimische, eilen her­bei, winken und rufen den Passagieren ein fröhliches «Mingalaba» zu. Männer mit schmalen Booten fischen mit Netzen wie zu biblischen Zeiten. Ein aus Baumstämmen gezimmertes Floss treibt vorbei. Das Flussbett verengt sich, die Strömung nimmt zu. Der Fluss windet sich durch die Felslandschaft. Am flacher werdenden Ufer stehen einfache Zelte aus Plastikplanen. Männer fischen Baumstämme aus dem Fluss und binden sie zu Flossen zusammen – eine gefährliche Arbeit.

Monywa ist der wichtigste Hafen am Chindwin. Hier werden die landwirtschaftlichen Produkte der fruchtbaren Sagaing-Ebene verschifft. Morgens um fünf Uhr herrscht Hochbetrieb. Auf dem herannahenden Fährschiff sitzen die Passagiere dicht gedrängt auf schmalen Bänken. Frauen mit Körben voller Ware verlassen das Schiff über einen schwankenden Steg. Sie bringen Gemüse, Reis, Früchte, Stoffe und vieles mehr auf den sonntäglichen Markt. Hinter den Bäumen steigt die Sonne als feurige Kugel empor.

Dicke Zigarre und blutrot verfärbte Zähne

In der Nähe von Monywa befindet sich die einzigartige Thanboddyhay-Pagode. Die Reihen kleiner vergoldeter Stupas und die pastellfarbenen Mönchszellen wirken etwas kitschig. Das Innere der ­Pagode zieren über 500 000 Buddhas. Beim Eingang raucht eine alte Frau eine dicke Zigarre. Sie lächelt die Besucher freundlich an und entblösst dabei ihre vom Betelnusskauen blutrot verfärbten Zähne.

Am Abend bietet sich vom Sonnendeck ein herrliches Schauspiel. Die untergehende Sonne taucht den Fluss in gleissendes Orange und Rot. Beim Anleger spielen Kinder. Sie springen nackt ins braune Wasser. Eine Frau wäscht sich die Haare und hält ein wachsames Auge auf die sich tummelnden Kinder. Die Fahrt von Monywa zu den Höhlentempeln Phowin Taung dauert nur eine Stunde. Mädchen verkaufen den Ankömmlingen Kränze aus Blumen und Thuja. Ihre Gesichter sind mit Thanaka geschminkt, einer gelblich-weissen Paste, die aus fein geriebener Baumrinde gewonnen wird und vor Sonne und Mückenstichen schützen soll.

Treppen führen zu den verwahrlost wirkenden Sandsteinhöhlen, die nur selten besucht werden, da sie etwas abseits ­liegen. Schön sind die grün-roten Wandmalereien, die geometrische Muster und Szenen aus dem Leben Buddhas dar­stellen. Am Weg hocken Makaken, beobachten die Besucher und versuchen, etwas Essbares zu ergattern. Ein aggressiver Affe schlägt einem Touristen blitzschnell die Tüte mit Reiskörnern aus der Hand. Am nächsten Morgen trommelt ­Regen aufs Dach. Wolken hängen in den Bäumen, sattes Grün hebt sich gegen den grauen Himmel ab. Der Fluss wälzt sich sandig braun dem Süden zu. Das Schiff ankert bei den Dörfern Kyi Taung Oo und Kan. Die Klöster dieser Orte sind mit be­eindruckenden Holzschnitzereien und goldenen Wandmalereien dekoriert. Die zweistöckigen Bambushütten stehen auf Pfählen. Ist der untere Wohnraum überschwemmt, zügeln die Bewohner in den oberen Stock. Eine Frau näht mit einer Tretnähmaschine ­einen Longji, ein tradi­tionelles, burmesisches Kleidungsstück, das von Männern und ­Frauen getragen wird und sich in diesem feuchtheissen Klima als praktisch erweist.

Auf der längsten Teakholzbrücke der Welt

Im Kloster freut sich der Abt über den unerwarteten Besuch und gewährt dem Reiseleiter eine Audienz. Dann kramt er alte Fotos von einem früheren Besuch hervor. Mit einem Tuk-Tuk fahren die Gäste über eine abenteuerliche Strasse und eine wackelige Holzbrücke ins benachbarte Kan. Geschickt weicht der Fahrer den Pfützen und Schlag­löchern aus. In Kalewa, einer lebhaften Stadt, wimmelt es von Lastwagen, Tuk-Tuk, Motorrädern, Fussgängern und streunenden Hunden. Auf dem Markt gibt es Stoffe, Ge­müse, Früchte, Fleisch, Fisch, Drogerieartikel, Haushaltsgegenstände, Tabakwaren, Betelnüsse und Kleider zu kaufen. Auf diesem Markt spricht nie­mand eine Fremdsprache. ­Gehandelt wir mit Gesten und Mimik. Diskret werden die Passagiere von den Crew­mitgliedern begleitet, damit sich niemand im Gewirr der Trampelpfade und Marktstände ­verirrt. In Mawleik ist der nördlichste Punkt der Schiffsreise auf dem Chindwin erreicht. In flottem Tempo geht es ­flussabwärts bis zur ­Einmündung des Chindwin in den Irrawaddy und von dort flussaufwärts, vorbei an Mandalay nach Sagain. Hier leben über 5000 Mönche und Nonnen. In den Hügeln gibt es über 1000 Heilig­tümer und Einsiede­leien. Was wäre eine Reise nach Myanmar, würde man nicht ­Amarapura be­suchen. Die Stadt ist berühmt für die Baumwoll- und Seidenweberei. Hier ­befindet sich die welt­berühmte «U Bein Bridge», die längste Teakholzbrücke der Welt. Sie ist auf über 1000 Pfählen gebaut und 1,2 Kilo­meter lang.

Als krönender Abschluss der Reise besuchen die Gäste Mandalay, die letzte königliche Hauptstadt des Landes und kulturelles, wirtschaftliches und religiösen Zentrum Oberburmas. Der Besuch der Mahamudi-Pagode mit der meistverehrten Buddha-Statue Ober­burmas, welche von einer 15 Zentimeter dicken Goldschicht bedeckt ist, lohnt sich. Noch heute verschönern Gläubige die Statue täglich mit Blattgold.

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