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BARBADOS

Die aktive Seite der Trauminsel

Faulenzen war gestern: Das Paradies für partylustige Amerikaner und Liebhaber von Sonnenuntergängen setzt auf sportlichen Naturtourismus.
31.12.2017 | 12:57

Anna Karolina Stock

Barbados steht für mitreissende Karibikklänge, kulinarische Hochgenüsse, eine bewegte Kolonialgeschichte und perfekte Sonnenuntergänge. Nicht umsonst landeten Die Flippers schon in den Neunzigern mit «Die rote Sonne von Barbados» einen Kassenschlager. Nicht umsonst gilt die Karibikinsel mit ihren zahlreichen Rum-Shops als Paradies für jeden Rumliebhaber. Nicht umsonst kehrt R&B-Star Rihanna mehrmals im Jahr in ihre Heimat zurück, so wie zuletzt im August zum traditionellen Crop-Over-Festival. Dieses wird zum Ende der Zuckerrohrernte gefeiert und besonders sein Abschlussfest, der Kadooment Day, ist bei Party-Touristen aus aller Welt ­äusserst beliebt. Während der strassenkarnevalähnlichen Kostümparade wird gesungen und im Takt des Calypso durch die Strassen getanzt. Damit aber nicht nur feierwütige Amerikaner auf die ­Karibikinsel kommen, wurde 2017 zum «Jahr des Sports» erklärt und die aktive Seite der Insel in den sonnigen Vordergrund gerückt.

Schon seit den Dreissigern gilt Road Tennis als barbadischer (nicht barba­rischer!) Nationalsport. Diese Mischung aus Pingpong und Tennis wird auf einem sechs mal drei Meter grossen Spielfeld ausgetragen. Anstatt eines Netzes teilt ein 20 Zentimeter hohes Brett das Feld. Wer mit dem einfachen Holzschläger und Gummiball zuerst 21 Punkte erreicht, gewinnt. Die aktuelle Nummer eins ist der 32 Jahre junge Mark Griffith. Der Bajaner aus Bridgetown spielt seit über acht Jahren Road Tennis und ist mit mehr als 400 Punkten vor dem Zweitplatzierten erneut Tabellenführer der Saison. Sein grösster Turniergewinn war bisher ein Mittelklasseauto und Bargeld im Wert von 70 000 Barbados-Dollar (fast 35 000 Schweizer Franken). Doch das Beste an Road Tennis sei immer noch, dass es wirklich jeder spielen kann, egal ob arm oder reich. Man brauche kein teures Equipment wie bei Polo oder Golf, sondern nur ein bisschen Platz, zwei Holzschläger und einen Gummiball. Daher sieht Griffith gute Chancen, dass sich der Sport künftig auch ausserhalb der Karibik verbreitet. Wenn Road Tennis zur olympischen Disziplin erklärt wird, würde sein grösster Traum in ­Erfüllung gehen.

Grünflächen für die Superreichen

Obwohl sein Nationalsport nicht zu den abgehobenen Upperclass-Sportarten gehört, ist und bleibt Barbados auch ein karibisches Steuerparadies für die Schönen und Reichen dieser Welt. Wenig über­raschend ist also, dass einer der teuersten Golfplätze der Welt auf Barbados zu ­finden ist: der «Green Monkey» des ­legendären Sandy-Lane-Hotels in der Nähe von Holetown. Bei einer Greenfee von 4000 US-Dollar pro Person und einem traumhaften Meerblick an 15 der 18 Löcher fahren hier wirklich nur die Superreichen mit ihren Golfcarts über die perfekt rasierten Grünflächen. «Nicht umsonst hat Golflegende Tiger Woods einst hier geheiratet», brüstet sich Golfmanager Elvis Medford.

Neben der Tatsache, dass sich regelmässig Stars wie Rihanna und Tiger Woods im Sandy Lane einquartieren, hat das an der Westküste gelegene Holetown auch historischen Wert. Denn genau hier landeten mit Kapitän John Powell und seinem Schiff Olive Blossom («Olivenblüte») im Jahr 1625 die ersten britischen Siedler. Powell beanspruchte die Insel für den britischen König James I. und legte damit den Grundstein für die britische Kolonialherrschaft. Zwei Jahre später folgten die ersten britischen Kolonisten und gründeten eine Siedlung mit 80 Zivilisten und zehn afrikanischen Sklaven. Erst drei Jahrhunderte später, im Jahr 1966, erlangte Barbados seine voll­ständige politische Unabhängigkeit von Grossbritannien. Ein Denkmal im Stadtzentrum von Holetown erinnert bis ­heute an die historische Bedeutung des Ortes. Wenige Kilometer vom Sandy Lane entfernt treffen Golf und Polo im Apes Hill Club aufeinander. Neben dem hauseigenen Poloteam dürfen hier sogar Nichtmitglieder ihre Runden drehen und dabei die traumhafte Vegetation geniessen: Guavenpflanzen und Bananenstauden zieren neben Palmen die Hügel des Apes Hill Resorts. Von Loch zwölf aus, dem sogenannten «signature hole», sieht man bis zur Ostküste der Insel.

Der König der Wellen und seine «Beach Culture»

Barbados liegt im Südosten der Kleinen Antillen und ist innerhalb des kari­bischen Archipels eine verhältnismässig kleine Insel: Dreieckig, 33 Kilometer lang und an der weitesten Stelle 23 Kilometer breit. Mit ihren 431 Quadratkilometern ist sie ungefähr halb so gross wie Berlin. Ihre Küstenabschnitte haben eine Gesamtlänge von 110 Kilometern (circa 85 Prozent der Küste) und ihr Sand schillert von strahlend weiss bis zartrosa. Am Silver Sands Beach im Süden von Bar­bados hat sich Windsurflegende Brian Talma, 52, niedergelassen. Mit Hilfe seines Windsurfkumpels Richard Anderson leitet der ehemalige «König der Wellen» eine Kite- und Windsurfschule inklusive Shop und Unterkünften für Urlauber. Der selbst ernannte «Action Man» verkörpert ein Leben, von dem viele nur träumen: lässige Beach Culture. Für die sportlichen Leistungen wurde ihm 2003 sogar der Ehrenstatus als «Barbados Ambassador» verliehen.

Eine Auszeichnung hätte auch der 74-jährige George von Barbados National Trust verdient. Die Einrichtung wurde per Parlamentsbeschluss damit beauftragt, Orte und Stätten von ökologischer Bedeutung und landschaftlicher Schönheit zu erhalten und zu schützen. Mit zwölf Wanderern fing die Gruppe an, mittlerweile ist es eine grosse Com­munity, die sich jeden Sonntag am ­Hackleton’s Cliff trifft, um gemeinsam durch die Zuckerrohrplantagen und die üppige Vegetation des barbadischen Nordens zu wandern. «Man muss die Natur schützen, solange sie noch existiert», sagt der ehemalige Lehrer. Dies sei jedoch nicht möglich, wenn man nichts über das eigene Land weiss. Deshalb spreche er gerne über die geschichtlichen und botanischen Hintergründe von Barbados. Zum Beispiel, dass die Insel aus tropischen Regenwäldern bestand, bevor die Briten einmarschierten und sie landwirtschaftlich erschlossen.

Sieben Wracks auf einen Streich

Barbados ist wie alle anderen Karibikinseln ein pulsierendes Stückchen Erde im Atlantik. Allerdings hat es auch eine stille Seite. Wer diese kennen lernen möchte, muss abtauchen. Abtauchen in die schlummernde Unterwasserwelt vor der Küste von Barbados, wo schillernde Korallenriffe und Meeresbewohner aller Formen und Farben zu Hause sind: Papageienfische, Riffkalmare, Bermuda- und Zackenbarsche, Zylinderschwämme, Barrakudas, Stachelrochen, Muränen und Ammenhaie. Unterwasserpflanzen wiegen sich in den warmen Meeres­strömungen der Karibik, und eine Schildkröte zieht zügig vorbei, während ein Seestern lieber gemütlich am Meeresgrund schläft. Zum barbadischen Unterwassermuseum gehört eine erlesene Sammlung von über 200 Schiffswracks, welche im Laufe der Zeit gewollt oder ungewollt auf den Meeresgrund hinabsanken. Abhängig vom «Todeszeitpunkt» ist jedes einzelne mehr oder weniger dicht mit gelben und roten Schwämmen bewachsen. Hartkorallen bedecken die noch intakten Bordwände und Schwärme von Gelbstreifen-Grunzern bewohnen die Unterwasserkajüten. Jeder, der einen Blick durch die Taucherbrille wagt, wird feststellen, dass die Farbenpracht der Insel nicht am Strand aufhört, sondern sich bis an den Meeresgrund fortsetzt. Tauchlehrer Robert von der Tauchbasis Barbados Blue geniesst diesen Anblick täglich: «Tauchen ist ein beruhigender Sport, denn man lässt den ganzen Trubel hinter sich und konzentriert sich nur auf sich und die Unterwasserwelt.» Der ­Carlisle Bay Marine Park in der Nähe von Bridgetown beheimatet gleich sieben überwucherte Schiffswracks in Schnorcheltiefe von 9 bis 18 Metern. Sie liegen sogar so nah aneinander, dass man sie auch in einem Tauchgang abgrasen könnte. Die Turboversion sozusagen: sieben Wracks auf einen Streich – ein ­Rekord für jedes Logbuch.

Diese Reise wurde von Barbados Tourism Marketing unterstützt.

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