Digital
08.07.2017 09:40

«Pokémon Go» war erst der Anfang

  • Per Smartphone werden Pokémon-Figuren in der Öffentlichkeit gejagt.
    Per Smartphone werden Pokémon-Figuren in der Öffentlichkeit gejagt. | Bild: Remko de Waal/EPA
GAME-APP ⋅ Der Hype um das Smartphone-Spiel ist abgeflaut. Doch das «Pokémon Go»-Team arbeitet am nächsten Game-Coup.

Andrej Sokolow (DPA)

Ein Jahr ist es her, dass «Pokémon Go» zu einem weltweiten Phänomen wurde. Trauben von Menschen, die auf Smartphones starren, füllten den New Yorker Central Park. Auch in der Schweiz tummelten sich an Orten wie dem Zürcher Hauptbahnhof Hunderte Gamer und irrten herum.

Für Nichtspieler: Bei «Pokémon Go» geht es darum, die Cartoon-Monster zu fangen. Die App brachte die seit 20 Jahren populären Figuren in die Smartphone-Ära. Die Pokémon tauchen auf dem Bildschirm auf, wenn man sich bestimmten Orten nähert – die Ortungsfunktion der Smartphones macht’s möglich. Dabei können sie in die reale Umgebung eingeblendet werden, die von der Kamera erfasst wird: «Pokémon Go» ist das erste erfolgreiche Spiel mit der «erweiterten Realität» (AR, Augmented Reality).

In den ersten zwei Monaten knackte «Pokémon Go» die Marke von einer halben Milliarde Downloads – ein beispielloses Tempo. Dann passierte das Gleiche wie bei den meisten Onlinespielen: Der Hype liess nach. Von September bis Ende Februar wurde «Pokémon Go» noch 150 Millionen Mal heruntergeladen. Aber die aktiven Spieler – nach Schätzungen 5 Millionen täglich und 65 Millionen mindestens einmal im Monat – lassen beim Entwickler Niantic Labs die Kassen klingeln, wenn sie Zusatz­artikel wie mehr Speicherplatz oder Brutmaschinen für ­Pokémon-Eier kaufen. Analysten schätzen die bisherigen Erlöse auf über 1 Milliarde Dollar.

Finanzieller Spielraum

Niantic brachte der Geldregen ­einen finanziellen Spielraum für neue Projekte und Investitionen, der den meisten im knallharten Geschäft mit Onlinespielen versagt bleibt. «Wir müssen jetzt nicht unbedingt etwas machen, was sich sofort rechnen muss», sagt Niantic-Chef John Hanke. Die anfängliche «Pokémon-­Manie» sei einem «gesunden Wachstum» gewichen. «Fast alle, welche die App haben wollten, haben sie in den ersten drei Monaten heruntergeladen.» Jetzt gehe es darum, die Nutzer im Spiel zu halten. Dafür brachte ­Niantic im Februar die zweite von bisher sieben Pokémon-Generationen in die App.

Der 49-jährige Hanke war einst Mitgründer und Chef der Firma Keyhole, deren Techno­logie die Grundlage für den digitalen Weltatlas Google Earth lieferte. Hanke arbeitete bei Google erst an den Kartendiensten – ­folgte aber 2010 einem Traum. Er gründete unter dem Dach des Internetkonzerns die Spielefirma Niantic und entwickelte das ortsbasierte Spiel «Ingress».

Dabei geht es im Kern darum, virtuelle Portale der realen Welt zu erobern. Die Datenpunkte von «Ingress» wurden für «Pokémon Go» wiederverwendet. Und Hanke will mit der Technologie weitere Spiele auf den Markt bringen. In der Zukunft wird man AR mit Hilfe spezieller Brillen nutzen, ist Hanke überzeugt. «Es ist nur eine Frage der Zeit, das erscheint mir unausweichlich.» Denn Massen von Menschen, die mit Blick auf den Smartphone-Bildschirm durch die Strassen liefen, seien keine Lösung.

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