International
21.04.2017 14:37

Anschlag Paris: Was wir wissen - und was nicht

  • Die Champs-Élysées wurde am Donnerstagabend abgeriegelt.
    Die Champs-Élysées wurde am Donnerstagabend abgeriegelt. | EPA/ETIENNE LAURENT
PARIS ⋅ Die französische Hauptstadt wird erneut von einem Anschlag getroffen. Offen ist, wer der getötete Täter genau war und ob er Komplizen hatte. Die Politik rätselt, wie sich der Angriff auf die Wahl auswirken wird.
Was wir wissen:
  • Der Tatablauf: Am Donnerstag gegen 21.00 Uhr schiesst ein Mann auf dem Boulevard mit einem Sturmgewehr auf einen geparkten Mannschaftswagen der Polizei. Ein Polizist stirbt, zwei weitere Beamte sowie eine deutsche Passantin werden verletzt.
  • Der Täter: Die Polizei erschiesst den Mann kurz nach dem Angriff.
  • Das IS-Bekenntnis: Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamiert die Attacke noch am Donnerstag für sich. Im Auto des Angreifers wird zudem ein Schreiben gefunden, in dem die Terrormiliz verteidigt wird.
  • Ermittlungen: Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt. Polizisten durchsuchen noch am Donnerstagabend die Wohnung des Angreifers im Pariser Umland, wie es aus Ermittlerkreisen heisst. Ausserdem werden drei Personen aus dem familiären Umfeld des Täters vernommen. Die Bundespolizei kontrolliert in der Nacht zum Freitag für dreieinhalb Stunden einen Grenzübergang bei Saarbrücken, um eventuelle Komplizen zu stoppen.
  • Auswirkung auf die Wahl: Die erste Runde der Präsidentschaftswahl soll wie geplant am Sonntag stattfinden. Das Innenministerium will mehr als 50'000 Polizisten zum Schutz einsetzen. Mehrere Kandidaten sagen Wahlkampfauftritte ab.
  • Die Opfer: Französische Sicherheitskräfte wurden in den vergangenen Monaten bereits mehrfach attackiert. Im Juni wurde ein Polizistenpaar im Umland von Paris ermordet. Vor einem Monat wurden Soldaten am Pariser Flughafen Orly von einem Mann angegriffen.
  • Ausnahmezustand: Frankreich erlebt seit Anfang 2015 eine Serie islamistischer Anschläge mit bislang über 230 Todesopfern. Seit der Pariser Terrornacht vom 13. November 2015 gilt der Ausnahmezustand. Erst am Dienstag nahm die Polizei in Marseille zwei mutmassliche Islamisten fest, in deren Wohnung Waffen versteckt waren.
Was wir nicht wissen:
  • Der Täter: Die Staatsanwaltschaft äussert sich zunächst nicht zur Identität des Angreifers. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP aus Ermittlerkreisen soll es ein 39-jähriger Franzose gewesen sein. Der Mann sei 2005 bereits wegen einer Attacke auf Polizisten zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Im Februar sei er festgenommen worden, weil er die Absicht gezeigt habe, Polizisten zu töten - er sei aber mangels ausreichender Beweise wieder freigelassen worden.
  • Das Motiv: Das IS-Sprachrohr Amak nennt den Täter Abu Jussuf al-Beldschiki ("Der Belgier"). Bei ähnlichen Verlautbarungen wurden die Angreifer häufig "Soldaten" der Terrormiliz genannt. Die Nachricht konnte zunächst nicht unabhängig auf ihre Echtheit überprüft werden. Sie wurde aber über die Kanäle verbreitet, über die der IS in der Vergangenheit auch ähnliche Anschläge für sich beansprucht hat - etwa nach den Attacken in Ägypten oder London.
  • Komplizen: Das Innenministerium geht zunächst nur von einem Angreifer aus. Man könne aber nicht ausschliessen, dass es Komplizen gebe. Ein von den belgischen Behörden gesuchter Mann hat nach ersten Erkenntnissen keine Verbindung zu dem Angriff. Er hatte sich in der Nacht der Polizei in Antwerpen gestellt.
  • Auswirkung auf die Wahl: Offen ist nach Ansicht von politischen Beobachtern, ob die Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen aus der Attacke politischen Nutzen ziehen kann. Die Hardlinerin plädiert für härtere Massnahmen im Kampf gegen den Islamismus. Nach dem Anschlag erstellte Umfragen gibt es bislang nicht. Am Samstag vor der Wahl und am Sonntag, dem Wahltag, ist die Veröffentlichung neuer Umfragen verboten.

sda/dpa

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