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MANIPULATION

Strafe für beispiellosen Betrug

Russland ist im Staatsdopingskandal um die Höchststrafe herumgekommen, muss aber empfindliche Einschränkungen hinnehmen. Für seinen Entscheid erhält das IOC viel Applaus.
05.12.2017 | 23:49

Nikolay Stobbe/SID

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat bei seinem Entscheid in Lausanne auf einen Komplettausschluss Russlands für die Winterspiele in Pyeongchang (9. bis 25. Februar) verzichtet. Das IOC traf die Sportgrossmacht aber dennoch an empfindlicher Stelle. «Es war ein beispielloser Angriff auf die Integrität der Olympischen Bewegung und des Sports», sagte IOC-Präsident Thomas Bach. Darum habe das IOC-Exekutivkomitee ausgewogene Sanktionen für die systematische Manipulation ausgesprochen. «Dieser Entscheid soll einen Strich unter die schädigende Episode ziehen und als Katalysator für einen effektiveren Anti-Doping-Kampf dienen», sagte Bach weiter. Alt-Bundesrat Samuel Schmid, der die IOC-Untersuchungen leitete, sagte: «Wir haben einen solchen Betrug noch niemals gesehen.»

An den Olympischen Winterspielen in Südkorea wird es keine russische Mannschaft, keine russische Hymne und keine russische Flagge geben. Das russische olympische Komitee ROC wurde suspendiert, russische Sportler dürfen nur als neutrale Athleten starten – wenn sie nachweisen können, dass sie nicht Teil des Dopingsystems waren. Die Entscheidungen darüber treffen nicht wie vor den Sommerspielen 2016 in Rio die Fachverbände, sondern die neu geschaffene unabhängige Behörde für Doping-Testverfahren ITA. Es tue ihm sehr leid für alle Athleten, die unter dieser Manipulation gelitten hätten, sagte Bach: «Wir werden nun mit der IOC-Athletenkommission nach Möglichkeiten suchen, um die Momente wieder aufleben zu lassen, die sie auf der Ziellinie oder auf dem Podium verpasst haben.»

«Wenig wahrscheinlich, dass dies jemals wieder passiert»

Das IOC-Exekutivkomitee unter Leitung von Bach sah es als erwiesen an, dass Russland während der Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014 mittels eines staatlich gelenkten Dopingsystems betrogen hat. Die Kommission unter der Leitung von Samuel Schmid hatte in den letzten Monaten ermittelt, inwiefern russische Polizei und Geheimdienste beteiligt waren, und ihre Ergebnisse der 14-köpfigen IOC-Exekutive präsentiert.

Die Reaktionen auf den Entscheid fielen, ausserhalb von Russland, meist positiv aus. «Das ist ein beeindruckendes Signal zugunsten des sauberen Sports», sagte Corinne Schmidhauser, die Präsidentin von Antidoping Schweiz. Ähnlich äusserte sich das Nationale Olympische Komitee der USA: «Es gab keine perfekten Optionen, aber dieser Entscheid wird es eindeutig weniger wahrscheinlich machen, dass dies jemals wieder passiert.» Diese Meinung teilt auch Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes: «Es ist ein ausgewogener Entscheid. Auf der einen Seite drakonische Strafen für die Strippenzieher und das russische NOK, aber auch Wahrung der Rechte hoffentlich sauberer individueller Athleten auf der anderen Seite.»

Laut Exekutiventscheid soll Russland bei den Winterspielen überhaupt nicht vorkommen. Doch nicht nur das: Zusätzlich wurde der ehemalige Sportminister und heutige Vizepremier Witali Mutko lebenslang von den Olympischen Spielen ausgeschlossen. Pikant ist, dass Mutko jedoch weiterhin als OK-Chef der Fussball-WM in Russland fungiert. Zudem verhängte das IOC eine Geldbusse von 15 Millionen Dollar, die dem Anti-Doping-Kampf zugute kommt.

Die Sanktionen gehen auch auf einen Bericht des kanadischen Sonderermittlers Richard McLaren zurück, der im Auftrag der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada Russland ein institutionelles Dopingprogramm nachgewiesen hatte. Zwischen 2011 und 2015 sollen rund 1000 Athleten davon profitiert haben. Kronzeuge und Dopingexperte Grigori Rodtschenkow hatte verraten, wie in Sotschi Behälter von Dopingproben mit Hilfe des Geheimdienstes geöffnet und der Urin der Sportler ausgetauscht und manipuliert worden waren. Bereits die Kommission von IOC-Mitglied Denis Oswald hatte die einzelnen Proben der im McLaren-Bericht aufgetauchten russischen Athleten untersucht und harte Strafe verhängt. 25 russische Sotschi-Starter, darunter drei Olympiasieger, wurden lebenslang für alle Funktionen bei Olympischen Spielen gesperrt.

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