Kultur
18.04.2017 05:00

Geburtstag der Woche

Der unverkennbarste Körper der Popmusik

  • Punk-Urgestein Iggy Pop hat den Drogen längst abgeschworen und treibt Sport.
    Punk-Urgestein Iggy Pop hat den Drogen längst abgeschworen und treibt Sport. | Bild: Key (19. Mai 2016)
Dieser Oberkörper. Sehnig, vernarbt, gegerbt. Und fast immer trägt ihn Iggy Pop stolz nackt zur Schau, dabei wird der Musiker am Freitag 70.

Es gebe kein vorgeschriebenes Alter, ab dem man seinen Oberkörper nicht mehr nackt öffentlich zeigen dürfe, sagte der Sänger, der nach Jahrzehnten in New York inzwischen in Miami lebt. «Und die Öffentlichkeit kann mich sowieso mal.»

Sein 70. Geburtstag sei «aufregend», aber seine Partys sind es nicht mehr. «Wahrscheinlich werde ich mit meiner Frau zu Abend essen, bei gedimmtem Licht, wo wir nah beieinander sitzen können. Und wenn ich Glück habe, gehe ich an den Strand. So stelle ich mir eine wilde Zeit vor.»

Nicht so unverwüstlich wie Keith Richards

Drogen, Alkohol, Zigaretten – alldem hat Iggy Pop nach Jahrzehnten des Exzesses längst abgeschworen. «Spät im Leben habe ich eine wunderbare Beziehung zu meinem Körper entwickelt. Allein der Gedanke an Marihuana macht mir inzwischen Angst.»

Sein Vorbild Keith Richards von den Rolling Stones sei da anders. «Er ist viel unkaputtbarer als ich. Ich kann mit ihm nicht mehr mithalten, ich kann keine Zigaretten mehr rauchen.» Stattdessen treibt er Sport und tritt immer noch auf. 2016 kam das bislang letzte Album «Post Pop Depression» heraus, für 2017 sind Festivalkonzerte in Nordamerika und Europa angekündigt.

Geboren wurde Iggy Pop 1947 als James Newell Osterberg in eine ärmliche Wohnwagensiedlung in Michigan hinein. «Es war wahnsinnig klein», sagte er der «New York Times». «Ich habe Harmonie mit anderen Menschen gelernt. Erst als ich in die grosse Welt hinausging, habe ich realisiert, dass die nicht so ist.»

Er robbte nackt durch Glassplitter

Iggy Pop, der den Spitznamen von seiner Highschool-Band The Iguanas (Die Leguane) hat, war schon Punk, als es Punk noch gar nicht gab. Statt Liebe und Frieden besangen er und seine Band The Stooges Ende der 1960er-Jahre Langeweile und Frustration seiner Generation. Bei seinen Bühnenshows zeigte er, dass ihn nur Schmerzen aus der Langeweile befreien konnten: Er robbte nackt durch Glassplitter, schmierte sich mit Erdnussbutter voll, goss heisses Wasser über seine Hose und taumelte blutend von der Bühne.

Immer wieder verschwand er von der Bildfläche, auch in den Drogenentzug. Aber immer wieder schob ihn sein bester Freund David Bowie zurück auf die Bühne. Gemeinsam produzierten sie mehrere Alben: «The Idiot» (1977) mit dem späteren Bowie-Hit «China Girl», «Lust For Life» (1977) mit dem Disco-Dauerbrenner «The Passenger» und die Live-LP «TV Eye» (1978). Den ganz grossen Erfolg landete Iggy Pop 1987 mit der Cover-Version von «Real Wild Child».

Seinen 70er geht Iggy Pop bescheiden an. «Ich möchte einfach weiterarbeiten und auf diese Welt um mich herum reagieren. Und ich hoffe, dass ich für die Menschen, die auf mich angewiesen sind, von Nutzen sein kann.»

Christina Horsten (DPA)

kultur@luzernerzeitung.ch

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