Kultur
20.04.2017 07:16

Rapper Mimiks – Einfacher, bissiger und böser

  • Will wieder dort anknüpfen, wo alles begonnen hat: Angel Egli alias Mimiks.
    Will wieder dort anknüpfen, wo alles begonnen hat: Angel Egli alias Mimiks. | Bild: Lukas Mäder
NEUES ALBUM ⋅ Drittes Album in gerade einmal drei Jahren: Der Luzerner Mimiks (25) legt schon wieder nach. Bei «Jong & Hässig Reloaded» setzt er mehr auf Wirkung als auf Inhalt.

Michael Graber

michael.graber@luzernerzeitung.ch

Mimiks hat einen Lauf. Morgen Freitag veröffentlicht der Luzerner sein drittes Album innert drei Jahren. Über 45 Songs hat der 25-Jährige geschrieben, dazu kommen noch zahlreiche Features mit Kollegen aus dem Schweizer Rapkuchen. Begonnen hat der Lauf 2012 damals mit «Jong & Hässig». Da zuckte und rappte ein bleicher Angel Egli in einem locker sitzenden Tanktop vor einer Leinwand, auf der «Dragonball Z» läuft. Das ist natürlich alles irgendwie ironisch gemeint – bis auf den Rap. Schon damals war Mimiks technisch eine Wucht und klang dabei erfrischend unschweizerisch: hart, rau und eben auch tatsächlich etwas hässig.

Der Lauf führte Mimiks mit seinem Debüt «VodkaZombie­RamboGang» auf Platz 1 der Schweizer Charts. Die zweite Scheibe «C.R.A.C.K» wäre auch dort gelandet, wenn nicht um den Release David Bowie gestorben wäre. Dazu kamen viele Konzerte und Auftritte an grossen Festivals. Dank seiner Liaison mit dem Luzerner Fitnessmodell Anja Zeidler ist Mimiks mittlerweile auch regelmässig Thema in den Boulevardmedien (auch wenn in der Selbstdarstellung des Paars immer eine gute Portion Selbstironie mitschwingt). Kurz: Es läuft.

Es geht um Stadt und Schnaps

Sein Lauf führt Mimiks aber irgendwie auch im Kreis. Fünf Jahre nach «Jong & Hässig» heisst jetzt das dritte Studioalbum «Jong & Hässig Reloaded». Ziel sei es wieder dort anzuknüpfen, wo alles begonnen habe: «mit straightem, wütendem Rap.» Das lockt ein bisschen auf eine falsche Fährte: Mimiks war auch auf seinen Chartalben nie wirklich massentauglich. Zwar hatten die Texte durchaus mal Message, aber der durchschnittliche Radiohörer wäre ob einem Song aus «VodkaZombieRamboGang» irritiert bis überfordert. «Reloaded» ist dann auch nicht viel härter, als andere Mimiks-Songs, es ist viel eher konsequenter, direkter und wuchtiger. Die Beats sind knalliger, schwerer und bassiger. Die Texte einfacher, bissiger und böser.

Der Lauf muss am Leben gehalten werden. Und mit «Reloaded» reagiert Mimiks eigentlich antizyklisch: Anstatt kommerzieller und geschliffener zu werden, setzt er auf neue Härte. «Was ech vo däm Läbe suech, das stoht so ned imne Buech», rappt Mimiks in «Det wo ech här chom». Darin beschreibt Mimiks sein Leben, seine Aussetzer und seine Sicht aufs allerlei Dinge. Das ist einer der wenigen Songs, die tatsächlich einen tieferen Sinn haben, viel öfter geht es um Stadt und Schnaps. «Du wotsch meh Inhalt, de lueg doch es paar Dokus», meint Mimiks in «Stormtrooper» dazu.

Grossartiger Part von Pablo

Den Lauf hat Mimiks auch seinem Umfeld zu verdanken. Die ganze «041»-Clique ist mittlerweile schweizweit zu einem Markenzeichen für guten Rap geworden, und Mimiks vergisst seine Freunde nicht. Marash & Dave, LCone, Ali (ein Churer mit starkem Luzernbezug), Effe und Pablo erhalten Features. Vor allem der englische Part von Pablo in «Stadt» ist ein Ereignis. Das ist sowieso ein grossartiger Song: Da klingt Rap aus Luzern plötzlich seltsam international. Dazu trägt natürlich auch die fette Produktion der ganzen Platte bei – mit einem Mixtape, wie es «Jong & Hässig» eben noch war, hat «Reloaded» nur noch wenig zu tun. Trotz unterschiedlichen Stilen und Effekten (da steckt viel Autotune drin) wirkt alles wie aus einem Guss.

Ja, Mimiks hat einen Lauf. Aber wer regelmässig joggen geht, kennt die Gefahren, die da lauern. Man kann sich überlaufen und übersäuern. «Reloaded» hat durchaus ein paar Tiefs. Songs, die fast ein bisschen unnötig wirken. «Reloaded» ist eher ein Kurzsprint, in dem Mimiks zeigen will, was er alles kann, und sicher kein Marathon. Aber das war wohl auch das Ziel dieser Übungsanlage: Spass haben. Der Muskelkater vergeht schnell. Hauptsache, es läuft.

 

Videos zum Artikel (2)

  • Mimiks feat. LCone - Reloaded

  • Mimiks - Zweiti Rundi

Kommentare

Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!

Meist gelesene Artikel

Crystal Meth ist eine hoch konzentrierte und hoch gefährliche Designerdroge.
LUZERN

Hohe Methamphetamin-Konzentration im Abwasser

«Ich fühle mich freier und klarer», sagt Florian Raatz über sein erstes Jahr ohne Zucker.
ERNÄHRUNG

«Für mich ist Zucker eine Droge»

Werner Schnüriger ist der neue Gallivater.
FASNACHT

Kriens hat einen neuen Gallivater

Stefan Otz, CEO der Rigi Bahnen AG, weht ein rauer Wind entgegen.
SCHWYZ

Rigibahnen-CEO Stefan Otz: «So verträgt es noch mehr Gäste am Berg»

Mario Gattiker, Chef Staatssekretariat für Migration (SEM), im SEM-Gebäude in Wabern.
FLÜCHTLINGE

Staatssekretär Mario Gattiker: «Migrationsdruck wird enorm bleiben»

Stets zu Diensten: Freddy Vonwyl als selbst ernannter Bodyguard von Jimi Hendrix 1968 in Zürich.
POP

Luzerner Original war der König der Backstage-Zone

Sollte wieder bei Kräften sein: FCL-Stürmer Tomi Juric (rechts).
FC LUZERN – BSC YOUNG BOYSFC LUZERN – BSC YOUNG BOYS

FCL hofft auf Prellbock aus Sydney

Findet Käfer, wo Menschen nur Holz sehen: Evo mit Frauchen Silvia Wagner beim Training.
OBWALDEN

Evo rettet Bäume mit seiner Nase

Erlebte eine besondere Überraschung: Goldmedaillengewinner Simon Furrer beim Empfang in Zürich.
BERUFSMEISTERSCHAFTEN

Hoher Empfang für die Weltmeister

«Surprise»-Verkäufer Hans Rhyner an seinem Stammplatz beim Eingang zum Bahnhof Zug.
ZUG

«So lerne ich, mich selbst auszuhalten»

Zur klassischen Ansicht wechseln