Kultur
26.04.2017 04:39

Ein zu ehrfürchtiger Fan von Iggy Pop

  • Jim Osterberg alias Iggy Pop (vorne).
    Jim Osterberg alias Iggy Pop (vorne). | Bild: Filmcoopi
KINO ⋅ Er gilt als «Godfather of Punk», und seine Auftritte sind legendär: Iggy Pop gehört zu den grossen ­Musikern seiner Generation. Die Dokumentation «Gimme Danger» erzählt von den Anfängen der Stooges.

Mit Songs wie «Lust For Life» und «Wild One» schrieb Iggy Pop Musikgeschichte. Und noch immer scheint die Energie des «God­father of Punk» ungebrochen, wie er bei seinen elektrisierenden Kon­zertauftritten beweist. Doch wie wurde aus dem Jungen Jim Osterberg aus Michigan der wilde Ausnahmekünstler Iggy Pop, der mit der Band The Stooges den Punkrock massgeblich beeinflusste und weltweit Erfolge feierte?

Als er Teenager war, hätten ihn die Stooges umgehauen, erzählte «Independent»-Regisseur Jarmusch bei der Weltpremiere der Musikdokumentation «Gimme Danger» vergangenes Jahr beim Festival in Cannes. Auch in seiner weiteren Karriere spielte Musik für Jarmusch eine wichtige Rolle: So drehte er bereits Musikvideos für Künstler wie Tom Waits und Neil Young und unterlegte seine Spielfilme wie «Coffee And Cigarettes» und «Only Lovers Left Alive» gern mit stimmungsvoll zusammengestellten Soundtracks. Nun also nähert er sich Iggy Pop und den Stooges – als Regisseur und Fan. Dafür sichtete er Unmengen von teilweise bisher unveröffentlichten Originalaufnahmen und -fotos. Sein «Gimme Danger» fokussiert dabei auf die ersten Jahre der Band und vor allem auf Iggy Pop.

Konflikte oder Kritik ­ fehlen

Doch auch wenn Jarmusch ihren Werdegang akribisch nachzeichnet, so gelingt es ihm nicht, sich den Künstlern wirklich zu nähern oder ihre Leistungen in den grösseren Kontext einzuordnen. Was trieb Jim Osterberg und die anderen jungen Männer an? Das bleibt leider zu vage – und wäre doch angesichts ihrer wütenden, pumpenden Musik ein äusserst spannender Aspekt gewesen. Eine dramatische Zuspitzung in der Handlung oder Konflikte innerhalb der Band fehlen ebenfalls, sodass «Gimme Danger» mehr konventionelle Dokumentation als vielschichtiges Musikerporträt ist.

Das ist schade, zumal der Regisseur mit diesem Werk ja anscheinend genau das wollte: eine Würdigung der Stooges. Sie seien die beste Rock-’n’-Roll-Band aller Zeiten, schwärmt Jarmusch auch an einer Stelle aus dem Off des Films. Möglicherweise war Jarmusch zu sehr in seiner Rolle als ehrfürchtiger Fan gefangen. Dennoch hat «Gimme Danger» durchaus auch Stärken. So kommen die – mittlerweile gestorbenen – Asheton-Brüder zu Wort und berichten aus ihrer Sicht von den ersten Aufnahmen und dem gemeinsamen Rumhängen. Treibende Kraft allerdings ist wie in der Band Jim Osterberg alias Iggy Pop. Allein dass Jarmusch ihn als Osterberg einführt, verdeutlicht, dass Iggy Pop eine Rolle ist, die er bei seinen Shows spielt. Das betonen auch die Sequenzen, in denen der Sänger, Gitarrist und Komponist offenbart, was ihn zu seinen einzigartigen Bühnenauftritten inspirierte. Und auch das ist ein weiteres Highlight des Films: die vielen Live-Aufnahmen von Iggy Pops Auftritten.

Bewertung: 2 von 5 Punkten

Aliki Nassoufis, DPA

kultur@luzernerzeitung.ch

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  • Gimme Danger - Trailer

  • Iggy Pop - The Passenger

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