Kultur
19.04.2017 05:00

Leimgruber, Demierre, Phillips und das Unbekannte

  • Urs Leimgruber improvisiert.
    Urs Leimgruber improvisiert. | Bild: cog (7. November 2013)
JAZZ ⋅ Ein hochkarätiges Trio mit spannenden Gästen: An drei Abenden ab morgen spielen Leimgruber/Demierre/Phillips mit erfahrenen Musikern aus Luzern.

Seit ihrem ersten Auftritt als Trio am 6. Dezember 1999 in Marseille haben Urs Leimgruber ­(Saxes), Jacques Demierre (Piano) und Barre Phillips (Bass) Hunderte von Konzerten in ganz Europa, in den USA und in Japan gegeben. «Jedes Konzert ist die Fortsetzung eines einzigen langen Stücks. Es hat einmal angefangen und ist noch lange nicht zu Ende», bringt Leimgruber die Spielpraxis des Trios LDP auf den Punkt. Im Neubad kommt eine weitere ­Dimension hinzu, wenn Gerry Hemingway (Drums), Lauren Newton (Stimme) sowie Marie-Cécile Reber und Martin Baumgartner (Electronics) in das Trio involviert werden.

Der Luzerner Saxofonist, der in den letzten Monaten auch regelmässig mit OM in der «Jazzkantine» spielt, gehört zu den hochkarätigsten zeitgenössischen Improvisatoren. Das gilt auch für den Westschweizer Pianisten Jacques Demierre und den legendären, mittlerweile über 80-jährigen Bassisten Barre Phillips. Das Trio ist zweifellos ein Gradmesser für Improvisation auf höchstem Level. Was die Musiker praktizieren, ist nicht einfach «frei Spielen», sondern ein spontanes Komponieren – was im Übrigen auch für die durch lange Spielpraxis und vielfältigste Erfahrungen geeichten OM gilt.

«Wir spielen, was wir hören»

Eine grundlegende Voraussetzung für das spontane Komponieren ist das Hören. «Wir praktizieren das Hören, denn auch das Hören klingt», sagt Leimgruber. «Spielen, was wir hören, ist unser Spielideal.» Von daher sei jedes Konzert eine neue Herausforderung. «Die Situation ist offen, sich mit Neugier und vollem Risiko auf den Moment einzulassen, Unbekanntes zu erleben.»

Nach seiner ausführlichen Welttournee 2015/16 lanciert das Trio LPD dieses Jahr verschiedene Residenzen. Dabei werden Musiker aus der jeweiligen Stadt oder Region eingeladen, die in verschiedenen Konstellationen mit dem Trio hören und spielen. Nach Genf und Toulon (F) sind jetzt Luzern und Zürich (11. bis 13. Mai) an der Reihe, im September Budapest, weitere Residenzen sind in Köln, Berlin und eventuell in den USA geplant.

«Wir haben Musiker und Musikerinnen ausgewählt, die sich mit improvisierter Musik beschäftigen und offen sind für den Schritt ins Unbekannte», sagt Leimgruber. Mit der wunderbaren Vokalistin Lauren Newton hat das Trio schon mal in Japan gespielt. Marie-Cécile Reber und Martin Baumgartner bringen ihre vielfältigen Erfahrungen mit Live-Elektronik und Sound­scapes ins Trio ein.

Eine Herausforderung wird bereits der Eröffnungsabend. Leimgruber: «Wir sind ja ein Trio ohne Drummer. Nun kommt mit Hemingway ein herausragender Schlagzeuger und Musiker dazu.» Mit unterschiedlichen Konstellationen in der Zusammenstellung des Trios und seiner Gäste wird jeder Abend wieder anders ablaufen – und die Erfahrung des Hörens aus dem Augenblick heraus neu inspirieren.

 

Pirmin Bossart

kultur@luzernerzeitung.ch

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